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Autor Thema: Drama, Tragödie, Komödie - Dürrenmatt  (Gelesen 2379 mal)

sandhofer

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Drama, Tragödie, Komödie - Dürrenmatt
« am: 11. Februar 2007, 16:31:54 »

Hallo zusammen!

Die gerade stattfindende Leserunde zu Dürrenmatts Die Physiker ist der äussere Anlass dieses Threads.

Ich stelle aber auch immer wieder fest, dass generell Unsicherheit herrscht bezüglich der Begriffe "Drama", "Tragödie" und "Komödie", da die Alltagssprache (und sämtliche Journalisten!) die Begriffe anders verwenden, als Literatur- bzw. Theaterwissenschaftler.

Drama

In der Alltagssprache bezeichnet "Drama" bzw. "dramatisch" ein Geschehen mit atemberaubender Spannung: Dramatische Rettung eines Spaniels aus einem Pflaubmenbaum.

Für den Wissenschaftler ist "Drama" alles, das auf einer Bühne aufgeführt wird bzw. werden kann - der Oberbegriff also, unter den sich Begriffe wie "Tragösie", "Komödie", "bürgerliches Schauspiel" etc. etc. scharen.

Tragödie

Im Alltagsverständnis ist "Tragödie" etwas furchtbar Trauriges und unerwartet Eingetroffenes: Tragischer Tod eines Babys in Massenkarambolage auf Autobahn.

Für den Wissenschafter bezeichnet "Tragödie" das absolut notwendige Scheitern des Helden an seiner Aufgabe, ein Scheitern, das dem Helden quasi vorprogrammiert ist und dem er nicht ausweichen kann - letztendlich ein Scheitern, das der Held als Teil seiner Aufgabe akzeptiert. Die Notwendigkeit war den alten Griechen vorgegeben im "Schicksal", welches das menschliche Leben von Anfang an einem bestimmten Ende zuführen wird. Jeder Versuch, dem Schicksal ein Schnippchen zu schlagen, wird nur dazu führen, es zu beschleunigen. Später waren es dann psychologische oder gesellschaftlich bedingte Zwänge, die ein Scheitern des Helden unumgänglich machten.

Komödie

Erheiternd und normalerweise mit einem glücklichen Ende - hier stimmen Alltagsverständnis und Literaturwissenschafter überein.

Nicht aber Dürrenmatt. Der Schweizer Dramatiker ist zwar quasi bei Brecht zur Schule gegangen. Er ist aber kein Kommunist und glaubt auch nicht, dass ein Drama den Zuschauer etwas lehren müsse. Eine Geschichte (auch ein Drama) ist nur dann zu Ende erzählt, wenn sie das schlimmstmögliche Ende genommen hat. Dürrenmatt aber verwirft jedwede Vorbestimmung des menschlichen Daseins, egal, ob christlich, marxistisch oder sonstwie metaphysisch motiviert. Es regiert der Zufall. Und diese schlimmstmögliche Wendung eines Dramas, hervorgerufen durch einen Zufall nennt Dürrenmatt "Komödie". Eine Dürrenmatt'sche "Komödie" ist also nicht etwas speziell Lustiges, sondern etwas speziell Schlimmes und Sinnloses.

Grüsse

Sandhofer
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Doris

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Re: Drama, Tragödie, Komödie - Dürrenmatt
« Antwort #1 am: 11. Februar 2007, 21:36:57 »

... Dürrenmatt ... ist aber kein Kommunist und glaubt auch nicht, dass ein Drama den Zuschauer etwas lehren müsse. Eine Geschichte (auch ein Drama) ist nur dann zu Ende erzählt, wenn sie das schlimmstmögliche Ende genommen hat.

Dann sprichst Du in diesem Fall wieder von der Tragödie? Oder zählt das auch zu Dürrenmatts Interpretation dieses Begriffs?
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Lucius Annaeus Seneca

sandhofer

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Re: Drama, Tragödie, Komödie - Dürrenmatt
« Antwort #2 am: 12. Februar 2007, 08:29:52 »

Dann sprichst Du in diesem Fall wieder von der Tragödie? Oder zählt das auch zu Dürrenmatts Interpretation dieses Begriffs?

Das ist alles Dürrenmatt in diesem Abschnitt ...
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creative

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Re: Drama, Tragödie, Komödie - Dürrenmatt
« Antwort #3 am: 12. Februar 2007, 08:48:50 »

Eine Dürrenmatt'sche "Komödie" ist also nicht etwas speziell Lustiges, sondern etwas speziell Schlimmes und Sinnloses.

Ich finde den in Zusammenhang mit Dürrenmatt immer wieder gebrauchten Begriff der Tragikkomödie sehr passend.
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:blume:  Herzliche Grüße!  :blume:
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