Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.

E-Mail: Passwort:

Autor Thema: Mark Dunn - Nollops Vermächtnis  (Gelesen 1336 mal)

Aldawen

  • Msomaji mkubwa
  • Administrator
  • *
  • Offline Offline
  • Beiträge: 11655
Re: Mark Dunn - Nollops Vermächtnis
« Antwort #15 am: 19. Oktober 2010, 20:33:01 »

Ich kann nicht sagen, daß mir eine Fassung besser als die andere gefallen hätte. Wie gesagt muß die Reihenfolge, in der die Buchstaben verschwinden, zumindest sehr ähnlich gewesen sein, ich hatte die deutsche Fassung nicht mehr zum Vergleich vorliegen, als ich die englische gelesen habe. Das war also eine gefühlsmäßige Sache aus der Erinnerung, aber ich habe sie im Abstand von nur zwei Monaten gelesen, daher war ich mir recht sicher. Eigentlich hat mich das überrascht, weil die Häufigkeit von einzelnen Buchstaben zwischen Englisch und Deutsch ja doch differiert, man denke nur ans Y.

Davon abgesehen hatte ich aber auch den Eindruck, daß inhaltlich extrem viel Übereinstimmung herrschte, und das fand ich besonders erstaunlich, denn durch den Wegfall der Buchstaben ist ja sowieso eine ganz eigene Phantasie nötig, um überhaupt die grobe Richtung der Handlung beizubehalten, viel weniger irgendwelche familiären Details. Daher kann ich mich nur Breñas Lob für den Übersetzer anschließen, das ist wirklich eine ganz grandiose Leistung, die er hier abgeliefert hat.
Gespeichert
Kinywa ni jumba la maneno.
Der Mund ist der Palast der Worte. – Sprichwort aus Ostafrika

Impulsee

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 79
Re: Mark Dunn - Nollops Vermächtnis
« Antwort #16 am: 19. Oktober 2010, 22:12:33 »

Das wundert mich etwas, dass da keiner größeren Unterschiede waren. Feinheiten waren natürlich anders, aber dass der Gesamteindruck so gleich bleibt spricht doch sehr für beide Bücher. Und die Buchstabenverwendung differiert wirklich sehr, Y kommt ja sehr sehr oft vor im Englischen und im Deutschen fast gar nicht. Ich weiß jetzt auch nicht ob das Z so schlimm gewesen ist in Englisch... in Deutsch kannst ja dann nicht mal mehr "Herz" sagen, in Englisch fällt mir jetzt grade nur "Crazy" ein. Naja.

Ich habe auch größten Respekt vor dem Übersetzer, da er ja vieles selbst machen musste. Die Pangramme zumindest musste er neu erfinden und auch den Handlungsverlauf an sich gleich behalten. Ich denke was genau gesagt wird ist vielleicht auch egal, wenn der Sinn der gleiche ist.
Und im Gegensatz zu anderen Büchern, wo man oft Logikfehler findet, ist mir das hier nie aufgefallen, obwohl es viel mehr Stolpersteine gegeben hätte. Wirklich große Leistung.

Mir hat es Spaß gemacht das Buch zu lesen. :)

Gespeichert

Doris

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Beiträge: 5830
Re: Mark Dunn - Nollops Vermächtnis
« Antwort #17 am: 01. Februar 2012, 13:54:23 »

Nollops Insel ist ein Mikrokosmos vor der Südostküste Nordamerikas, der von einer kleinen Führungselite beherrscht wird. Der Gründer der Gemeinde, Nollop, wird fast wie ein Gott verehrt und sein Pangramm, das den Sockel seines Denkmals ziert, ist den Bürger heilig. Als sich eine Buchstabenkachel des Pangramms vom Sockel löst, beschließt man, dies als Fügung von Nollop zu betrachten und den betreffenden Buchstaben fortan nicht mehr zu verwenden. Die Regierung kündigt an, Vergehen zu ahnden. Die Bevölkerung greift zu den kuriosesten Wortschöpfungen, um die verbotenen Lettern zu meiden und meistert das erstaunlich geschickt. So weit noch ganz in Ordnung, doch als nach und nach immer Buchstaben fallen, gerät die Sache außer Kontrolle. Die sprachlichen Möglichkeiten werden immer weiter eingeschränkt, während die Vergehen und damit auch die Strafmaßnahmen zunehmen. Eine Hand voll Nollopianer schafft es schließlich, durch eine sanfte Revolte den Normalzustand wieder herzustellen.

Dunn rüttelt mit seinem Buch auf humorvolle Weise am Bild totalitärer Staaten. Der Vergleich mit politischer Willkür im wahren Leben liegt nah, wenn auch hier die Gründe andere, allerdings genauso unverständliche sind. Die Druckmittel aber sind dieselben: Einschüchterung, Enteignung, körperliche Züchtigung bis hin zum Tod.

Einmal angefangen war es schwer, mit dem Lesen aufzuhören. Die gewählte Form des Briefromans schränkt den Handlungsspielraum natürlich ein, doch dadurch kommt das Problem des Formulierens erst richtig zum Ausdruck. Mark Dunn, der bislang nur Theaterstücke schrieb, hat die außergewöhnliche Idee gut umgesetzt.

Ein Lob gebührt auch dem deutschen Übersetzer. Es war bestimmt einiges an Denkarbeit erforderlich, um die Handlung ins Deutsche umzusetzen, auch wenn das deutsche Alphabet dem englischen entspricht. Mich würde interessieren, wie die Übersetzung in Sprachen aussieht, die noch andere Buchstaben haben. Ich spiele schon mit dem Gedanken, das Buch noch im Original zu lesen.

4ratten + marypipeshalbeprivatmaus
« Letzte Änderung: 01. Februar 2012, 14:13:45 von Doris »
Gespeichert
Es ist nicht wenig Zeit, was wir haben,
sondern es ist viel, was wir nicht nützen.
Lucius Annaeus Seneca