Nollops Insel ist ein Mikrokosmos vor der Südostküste Nordamerikas, der von einer kleinen Führungselite beherrscht wird. Der Gründer der Gemeinde, Nollop, wird fast wie ein Gott verehrt und sein Pangramm, das den Sockel seines Denkmals ziert, ist den Bürger heilig. Als sich eine Buchstabenkachel des Pangramms vom Sockel löst, beschließt man, dies als Fügung von Nollop zu betrachten und den betreffenden Buchstaben fortan nicht mehr zu verwenden. Die Regierung kündigt an, Vergehen zu ahnden. Die Bevölkerung greift zu den kuriosesten Wortschöpfungen, um die verbotenen Lettern zu meiden und meistert das erstaunlich geschickt. So weit noch ganz in Ordnung, doch als nach und nach immer Buchstaben fallen, gerät die Sache außer Kontrolle. Die sprachlichen Möglichkeiten werden immer weiter eingeschränkt, während die Vergehen und damit auch die Strafmaßnahmen zunehmen. Eine Hand voll Nollopianer schafft es schließlich, durch eine sanfte Revolte den Normalzustand wieder herzustellen.
Dunn rüttelt mit seinem Buch auf humorvolle Weise am Bild totalitärer Staaten. Der Vergleich mit politischer Willkür im wahren Leben liegt nah, wenn auch hier die Gründe andere, allerdings genauso unverständliche sind. Die Druckmittel aber sind dieselben: Einschüchterung, Enteignung, körperliche Züchtigung bis hin zum Tod.
Einmal angefangen war es schwer, mit dem Lesen aufzuhören. Die gewählte Form des Briefromans schränkt den Handlungsspielraum natürlich ein, doch dadurch kommt das Problem des Formulierens erst richtig zum Ausdruck. Mark Dunn, der bislang nur Theaterstücke schrieb, hat die außergewöhnliche Idee gut umgesetzt.
Ein Lob gebührt auch dem deutschen Übersetzer. Es war bestimmt einiges an Denkarbeit erforderlich, um die Handlung ins Deutsche umzusetzen, auch wenn das deutsche Alphabet dem englischen entspricht. Mich würde interessieren, wie die Übersetzung in Sprachen aussieht, die noch andere Buchstaben haben. Ich spiele schon mit dem Gedanken, das Buch noch im Original zu lesen.

+ marypipeshalbeprivatmaus