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Autor Thema: Mark Dunn - Nollops Vermächtnis  (Gelesen 1336 mal)

lost-vampire

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Mark Dunn - Nollops Vermächtnis
« am: 06. Februar 2007, 13:27:34 »



Autor: Mark Dunn
Titel: Nollops Vermächtnis
Verlag:marebuch


Klappentext:
Für die Bewohner einer kleinen Insel ist Nollops Vermächtnis der Schlüssel zur Sprache und zur Welt. Ein Pangramm ist an seinem Denkmal angebracht : ein Satz, der alle Buchstaben des Alphabets enthält. Als eines Tages das 'Z' vom Sockel fäll, stellt der Hohe Inselrat dessen Verwendung in Wort und Schrift unter Todesstrafe.
Es fallen immer mehr Lettern, und die heile Welt der Menschn auf dem friedlichen Eiland verwandelt sich in eine totalitäre Hölle.

Meine Meinung:

Die Geschichte wird durch Briefe erzählt, die sich die Insulaner untereinander schreiben.
Anfangs gefiel mir das Buch sehr und ich habe es gern gelesen, aber je mehr Buchstaben aus dem Alphabet verschwinden, desto schwerer ist es zu lesen, da zum Ende die Wörter durch klangverwandte Schriftzeichen geschrieben werden, so wird zum beispiel aus ' beschreibbar' peschreippar' und diese 'Umformung' geschieht mit nahezu jedem Wort, wodurch fr mich am  Ende  jeglicher Lesespaß verloren ging.

Die Handlung an sich fand ich ganz interessant. Es ist erstaunlich zu sehen, wie durch eine fixe Idee einiger weniger das Leben aller anderen so stark beeinflusst werden kann und wie, mit wenigen Ausnahmen, wenig diese sich dagegen wehren.

BigBen

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Re: Mark Dunn - Nollops Vermächtnis
« Antwort #1 am: 17. März 2008, 09:42:08 »

Das Buch ist eine beeindruckende Leistung des Übersetzers. Es hat mir viel Spaß gemacht, es zu lesen. Auch wenn das Lesen im Verlauf der Geschichte immer anstrengender wurde. Aber das stellt ja den Genuß beim Lesen dar.
Besonders interessant fand ich, das die Geschichte, so wie sie erzählt ist, an den Beginn der Judenverfolgung im Dritten Reich erinnert (Denunziationen, Deportationen, Eigentumsschacher). Ich frage mich, ob das Zufall oder Absicht ist. Vielleicht sind diese Mechanismen generell das Ergebnis repressiver Strukturen.
Jedenfalls bekommt das Buch von mir 4ratten.
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Aldawen

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Re: Mark Dunn - Nollops Vermächtnis
« Antwort #2 am: 17. März 2008, 20:55:26 »

Ich fand es einfach genial! Sprachverbote sind in Diktaturen ja nichts unübliches. Die Form, in der sie hier auftreten, zeigt bei aller Absurdität die Funktionsmechanismen aber sehr gut. Beeindruckend für mich auch, wie die Insulaner ihre Kommunikation ohne die verbotenen Buchstaben aufrechterhalten, was sich naturgemäß im Sprachniveau niederschlägt (auch in der Originalfassung, die ich in der Beziehung über dem lag, was ich sonst an Englisch lese).

Ich hatte mich beim Lesen auch gefragt, wie man so etwas eigentlich übersetzt, weil ja schon die Häufigkeit, mit der einzelne Buchstaben im Englischen und Deutschen vorkommen, sehr unterschiedlich ist, der Grundablauf von den Personen her aber einigermaßen identisch bleiben mußte. Soweit ich mich beim Lesen der Originalausgabe noch daran erinnern konnte, verschwanden die Buchstaben aber in derselben Reihenfolge, zumindest können keine größeren Abweichungen dabei gewesen sein.

Ach so: Ich hab außerdem festgestellt, daß ich noch nie in einem Buch so häufig (naja, eigentlich mache ich das nie ...) Buchstaben gezählt habe  :breitgrins:

 5ratten

Schönen Gruß,
Aldawen
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Kinywa ni jumba la maneno.
Der Mund ist der Palast der Worte. – Sprichwort aus Ostafrika

BigBen

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Re: Mark Dunn - Nollops Vermächtnis
« Antwort #3 am: 18. März 2008, 09:11:06 »

Ach so: Ich hab außerdem festgestellt, daß ich noch nie in einem Buch so häufig (naja, eigentlich mache ich das nie ...) Buchstaben gezählt habe  :breitgrins:

Ich habe den einen Brief, der einen Sprachvertoß enthalten sollte bestimmt zehnmal gelesen, bevor ich den verräterischen Buchstaben gefunden habe. Das Lesen ist mittlerweile so automatisiert, das man selbst hochkonzentriert nicht mehr alle Buchstaben einzeln wahrnimmt.
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sandhofer

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Re: Mark Dunn - Nollops Vermächtnis
« Antwort #4 am: 18. März 2008, 09:38:55 »

Sprachvertoß

War das jetzt Absicht?  :smile:
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BigBen

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Re: Mark Dunn - Nollops Vermächtnis
« Antwort #5 am: 18. März 2008, 10:12:20 »

Sprachvertoß

War das jetzt Absicht?  :smile:

Nee. Meine Rechtschreibung hat zwar gemeckert, aber ich dachte, das war wie üblich wegen des ß. Deswegen habe ich wohl nicht so genau hingesehen.  :redface:
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sandhofer

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Re: Mark Dunn - Nollops Vermächtnis
« Antwort #6 am: 18. März 2008, 10:17:05 »

Sprachvertoß

War das jetzt Absicht?  :smile:

Nee. Meine Rechtschreibung hat zwar gemeckert, aber ich dachte, das war wie üblich wegen des ß. Deswegen habe ich wohl nicht so genau hingesehen.  :redface:

Nun, wenn's Absicht gewesen wäre, wäre es genial gewesen. So bist Du nun unbewusst genial ;) ...
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illy

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Re: Mark Dunn - Nollops Vermächtnis
« Antwort #7 am: 27. Mai 2008, 17:52:25 »

Danke für diesen Klasse-Buchtipp!  :breitgrins:

Genügend Informationen zum Inhalt gibt es ja bereits in den Postings weiter oben, deswegen spare ich mir das hier.  :zwinker:

Trotz der beschriebenen Schrecken eines diktatorischen System war das Buch sehr amüsant zu lesen, die verwendeten Ersatzworte ließen mich immer wieder Schmunzeln, während die Wirklichkeit für die Nollopianer immer verzweifelter wurde. Der Unsinn von politisch ambitionierten und zwangsweise durchgesetzten Sprachregelungen wurde wunderbar deutlich und die verschiedenen Reaktionstypen- und stufen der Bevölkerung bei der Etablierung einer Zwangsherrschaft zeigt Dunn im Schnelldurchlauf.

Die Leistung des Übersetzers kann man gar nicht genug würdigen und ich bin versucht, das Buch noch einmal im Original zu lesen, nur um zu schauen, wie sich der Buchstabenverlust in der englischen Sprache niederschlägt.

Der Selbstversuch, sich unter Auslassung der ersten verlorenen Buchstaben mit einer Kollegin zu unterhalten, erwies sich als außerordentlich schwierig und führte zu gehörigem Stottern – und das ohne, dass drakonische Strafen beim Sprachverstoß drohten.

4ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

PS: Ich möchte hier außerdem auch noch auf die interessanten Wikipedia-Artikel zum Pangramm und seinem Gegenteil, dem Leipogramm verweisen, die übrigens beide dieses Buch erwähnen.
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Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen.  (Friedrich Nietzsche)

Breña

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Antw:Mark Dunn - Nollops Vermächtnis
« Antwort #8 am: 12. November 2009, 00:27:29 »

Auch ich habe dieses Buch mit einer Mischung aus Vergnügen und Entsetzen gelesen und es schließlich begeistert zugeklappt. Nicht nur der Autor selbst hat eine grandiose Sprachspielerei geschaffen, auch der Übersetzer Henning Ahrens, den man ruhig mal namentlich erwähnen darf.
Durch die Briefform leidet zwar die Personenentwicklung etwas, dafür werden die Auswirkungen der Geschehnisse auch für den Leser unmittelbar erlebbar. Die Handlung ist sogar recht vorhersehbar - aber das macht überhaupt nicht, weil die Präsentation so ansprechend ist. Mehr oder weniger zwischen den Zeilen schwingt die Systemkritik mit, die sich der Leser sozusagen in Eigenleistung erarbeitet (und ich mag es, wenn mir ein Autor so etwas zutraut). Man bekommt die Willkür und Machtsucht der Herrschenden und dessen Auswirkungen auf die Gemeinschaft vorgeführt und hat Parallelen aus der Geschichtsschreibung vor Augen.
Der Schwerpunkt liegt jedoch ganz klar auf der Sprache. Dunn stellt beeindruckend dar, wie erst alternative Begriffe gesucht werden, weil ein Wort nicht mehr benutzt werden darf (was man selbst vom Umgang mit Fremdsprachen kennt, wenn eine Vokabel fehlt) und wie die Ausdrucksformen nach und nach altertümlicher und gewundener werden, weil aus dem Onkel wieder der Oheim werden muss. Schließlich müssen irgendwann Zugeständnisse an die Schriftsprache gemacht werden (die an den heute beklagten Sprachverfall erinnern). Die Bewohner der Insel, deren höchstes Gut die Sprache war, trauen sich bald aus Angst vor den grausamen Strafen nicht mehr zu sprechen.
Kleine Abstriche gibt es noch, weil mich irritiert hat, dass
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4ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

Viele Grüße
Breña
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Muertia

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Antw:Mark Dunn - Nollops Vermächtnis
« Antwort #9 am: 12. November 2009, 00:44:46 »

Hallo Brena (ich bin gerade zu doof, den Schnörkel über dem N hinzubekommen),

danke, dass du mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht hast. Ich hätte noch eine Frage, bevor das Buch dann wohl auf meinem Wunschzettel landet: Du schreibst, dass der Autor eine grandiose Sprachspielerei geschaffen hat. Wie ist aber der sprachliche Stil des Buchs an sich? Ist daran etwas Außergewöhnliches, oder geht es vielmehr um das "Neuerfinden" von Worten, die man nicht mehr benutzen darf?

Danke und viele Grüße,
Muertia
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Breña

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Antw:Mark Dunn - Nollops Vermächtnis
« Antwort #10 am: 12. November 2009, 01:26:26 »

Hallo Muertia,

anfangs ist das Buch sprachlich nicht herausragend, aber ansprechend geschrieben. Mit jedem Buchstaben, der nicht mehr benutzt werden darf, werden die Nollopianer vor eine neue Herausforderung gestellt. Zuerst werden die kritischen Begriffe umschrieben oder durch Neubildungen ersetzt: als das Z wegfällt wird aus Herz z.B. der blutpumpende Brustmuskel und aus zwei eine-und-eins. Das fügt sich auch noch relativ flüssig in den Text ein, aber mit jedem wegfallenden Buchstaben nehmen diese Ersetzungen zu, bis schließlich auf eine lautmalerische Sprache zurückgegriffen werden muss: "Meine antere Vrointin Tania hat mir tiesen Tag vrüh ertsählt, tass..". Die Brücken, die gebaut werden um weiterhin sprechen zu können, sind meiner Meinung nach das beeindruckende. Am besten wirfst Du in einer Buchhandlung einen Blick ins Buch, aber vorsicht: ich habe den Großteil in einem Rutsch gelesen. :zwinker:

Ich hoffe, das konnte dir weiterhelfen!
Breña
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Muertia

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Antw:Mark Dunn - Nollops Vermächtnis
« Antwort #11 am: 12. November 2009, 01:46:22 »

Danke, das klingt wirklich toll! Geholfen hast du mir dahingehend, dass mein Wunschzettel nun um ein Buch reicher ist! Ich werde berichten, sobald das Buch dann auch gelesen ist.

Viele Grüße,
Muertia
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Impulsee

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Re: Mark Dunn - Nollops Vermächtnis
« Antwort #12 am: 19. Oktober 2010, 19:24:14 »

Also ich habe dieses Buch vor kurzem gelesen und mir hat es sehr gut gefallen. Es geht schnell zu lesen und ist sehr unterhaltsam.

Ach so: Ich hab außerdem festgestellt, daß ich noch nie in einem Buch so häufig (naja, eigentlich mache ich das nie ...) Buchstaben gezählt habe  :breitgrins:

Buchstaben gezählt hab ich jetzt nicht, aber oft wirklich genauer hinschauen müssen. Vor allem der eine Brief von wem ist mir in Erinnerung, wo auf der nächsten Seite gleich der Abholbescheid zur Verbannung war und ich wusste echt nicht Warum?? Da musste ich noch mal ganz genau lesen. Es stimmt wirklich, dass man die Worte auch lesen kann wenn ein Buchstabe fehlt.

Ich fand es ein richtiges Kunststück dieses Buch zu übersetzen! Und vor allem, da ja viele Pangramme vorkommen, nicht nur eins.

Also mir hats super gefallen und mir gefällt vor allem, dass es mal was anderes ist und auch eine kleine Herausforderung es zu lesen.
Obwohl ich auch sagen muss, dass es immer schwieriger wird den Sinn zu verstehen.
Und Briefromane finde ich sowieso super!! :-)
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Aldawen

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Re: Mark Dunn - Nollops Vermächtnis
« Antwort #13 am: 19. Oktober 2010, 20:11:01 »

Ach so: Ich hab außerdem festgestellt, daß ich noch nie in einem Buch so häufig (naja, eigentlich mache ich das nie ...) Buchstaben gezählt habe  :breitgrins:

Buchstaben gezählt hab ich jetzt nicht, aber oft wirklich genauer hinschauen müssen.

Doch, bei den neuen Pangrammen, über die nachgedacht wird, um diesen Unfug aufzuhalten. Da habe ich jedesmal gezählt, aus wieviel Buchstaben sie denn nun insgesamt bestehen, denn das war ja schließlich wichtig. Hat beim Lesen aber schon arg aufgehalten  :breitgrins:
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Impulsee

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Re: Mark Dunn - Nollops Vermächtnis
« Antwort #14 am: 19. Oktober 2010, 20:22:40 »

Ach so: Ich hab außerdem festgestellt, daß ich noch nie in einem Buch so häufig (naja, eigentlich mache ich das nie ...) Buchstaben gezählt habe  :breitgrins:

Buchstaben gezählt hab ich jetzt nicht, aber oft wirklich genauer hinschauen müssen.

Doch, bei den neuen Pangrammen, über die nachgedacht wird, um diesen Unfug aufzuhalten. Da habe ich jedesmal gezählt, aus wieviel Buchstaben sie denn nun insgesamt bestehen, denn das war ja schließlich wichtig. Hat beim Lesen aber schon arg aufgehalten  :breitgrins:

Ah, das meinst du! Ja das hält natürlich länger auf :D
Wenn ich es so überlege.. Stimmt, da hab ich auch mal gezählt. Und ob alles vorkommt nachgesehen.

So ein großer Meister war Nollop ja wirklich nicht, wenn er so leicht unterboten werden konnte  :zwinker:

@ Aldawen
Ich hab gelesen, dass du die Originalfassung auch gelesen hast. Ich hab nur im Internet mal kurz hineingelesen bei Amazon, da sind ein paar Seiten online.  Was hat dir denn besser gefallen?

LG
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