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Autor Thema: Truman Capote - In Cold Blood (Kaltblütig)  (Gelesen 4578 mal)

Klassikfreund

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Re: Truman Capote: Kaltblütig
« Antwort #15 am: 15. Januar 2008, 11:09:13 »

Kann das bitte ein Moderator umhängen, tja, die Suche mit "Capote Kaltblütig" hat ihn mir nicht ausgeworfen.

Gruß, Thomas


EDIT
Hallo, ist erledigt. LG Seychella
« Letzte Änderung: 15. Januar 2008, 20:35:33 von Seychella »
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Klara

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Re: Truman Capote: Kaltblütig
« Antwort #16 am: 15. Januar 2008, 11:20:08 »

Ich habe das Buch vor vielen Jahren gelesen. In Erinnerung habe ich, dass es sehr fesselnd war und sich las, als hätte der Autor alles selbst erlebt. Die Ermittlungen sind dermaßen präzise geschildert, das ich glaubte, selbst dabei zu sein. Ein tolles Buch, danke für die Erinnerung (auch wenn es den Thread schon gab).
Klara
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Doris

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Re: Truman Capote - In Cold Blood (Kaltblütig)
« Antwort #17 am: 03. April 2008, 21:08:28 »

Dieses Buch liegt seit etwa 20 Jahren auf meinem SUB, es war also wirklich an der Zeit, es endlich zu lesen.

Stilistisch hebt sich das Werk stark von den Romanen Capotes ab. Während er sich normalerweise einer ausschmückenden, etwas opulent anmutenden Schreibweise bedient, ist Kaltblütig sachlich und nüchtern gehalten. Laut eigener Aussage wollte Capote damit veranschaulichen, dass sich auch Tatsachenberichte spannend lesen lassen, und begründete damit ein neues Genre, den New Journalism. 

Wie Bella weiter oben schon schrieb, erscheinen die einzelnen Figuren teilweise sehr klischeehaft. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Capote die Eigenschaften bewusst so überzeichnet darstellt, um sie in Klischees zu pressen. Die meisten Interviews lassen eher den Eindruck entstehen, dass die Personen tatsächlich so waren. Die beiden Täter hat Capote sehr ausführlich vorgestellt, da sie als Personen mehr interessante Ansatzpunkte bieten als die Familie Clutter. Im Fall von Perry wird die Entschuldigung für sein Handeln gleich mitgeliefert. Man ist hin- und hergerissen zwischen Mitgefühl für einen Mann, der so einerseits so empfindsam sein kann, nie seine innere Ruhe gefunden hat und andererseits vier Menschenleben auslöscht ohne mit der Wimper zu zucken. Bisweilen war ich geneigt, Mitleid zu empfinden, finde es aber doch ein wenig billig, wenn eine schwere Kindheit als Entschuldigung für Gewalttaten herhalten muss. Es gab und gibt genügend Menschen, denen ähnliches widerfahren ist und die trotzdem keine Verbrechen begehen. Wie fatal, dass Perry später vor einer Jury steht, die ihm ihrerseits von vornherein keinerlei Chancen zugesteht.

Dass mir das Ende bereits vor dem Lesen bekannt war, hat die Spannung keineswegs geschmälert. In diesem Buch geht es um Beweggründe und menschliche Abgründe, und diese Schilderungen sind durchaus auch fesselnd. So gewalttätig, wie ich befürchtet hatte, war es glücklicherweise nicht. Um das Ganze authentischer zu gestalten, hätte ich mir Zeitungsberichte und Protokolle der Verhöre gewünscht.


knappe 4ratten
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sondern es ist viel, was wir nicht nützen.
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Kirsten

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Re: Truman Capote - In Cold Blood (Kaltblütig)
« Antwort #18 am: 01. Juli 2008, 11:56:00 »

Hallo!

Ich habe Kaltblütig als ein sehr bedrückendes Buch empfunden. Gleich zu Anfang lernt der Leser die Opfer kennen. Er nimmt für einen Tag an ihrem Leben teil und weiß genau dass das der letzte Tag in ihrem Leben sein wird. Dann kommen mit den Tätern zwei Männer ins Spiel, die unterschiedlicher nicht sein können. Dick ist der vermeintlich Starke während Perry der Schwächere zu sein scheint. Trotzdem ist er derjenige, der die Familie letztendlich tötet. Doch das ist nur einer der vielen Widersprüche in den Charakteren der beiden. Perry ist sehr freundlich zu den Opfern und empfindet Mitleid mit ihnen und tötet sie trotzdem aus Wut über alle Ungerechtigkeiten, die ihm in seiner Jugend zugefügt wurden.

Doch Truman Capote beschäftigt sich nicht nur mit der Tat, sondern auch mit den Auswirkungen die sie auf die zurückgebliebenen Töchter und Freunde der Clutters, die Ermittler und alle, mit denen Dick und Perry bis zu ihrer Hinrichtung in Kontakt kamen. Hier hat mich besonders die Frau des Sherrifs beeindruckt, die Perry in der Haft während des Prozesses versorgte. Ihre Erzählung über ihn machen ihn wieder menschlicher, während Dick für mich nur der kaltblütige Verbrecher blieb der er von Anfang an war.

Kaltblütig ist für mich defintiv eines der Lesehighlights 2008. Es ist vielschichtig und eindrucksvoll geschrieben und hat bei mir einen tiefen Eindruck hinterlassen. Deshalb bekommt es von mir
5ratten

Liebe Grüße
Kirsten
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leseliese

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Re: Truman Capote - In Cold Blood (Kaltblütig)
« Antwort #19 am: 01. Januar 2009, 15:01:34 »

Habe gerade das Buch von meiner Schwester geerbt und bin doch jetzt nach euren Beiträgen schon sehr gespannt!!!  :smile:
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:leser:
Walter Moers - Die Stadt der träumenden Bücher

Bine1970

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Antw:Truman Capote - In Cold Blood (Kaltblütig)
« Antwort #20 am: 04. Januar 2010, 15:15:49 »

Ich weiß nicht was ich von dem Buch halten soll  :rollen:

Zur Zeit lese ich es im Rahmen des diesjährigen SLW.
Pünktlich am ersten Januar angefangen, bin ich jetzt gerade mal auf Seite 120.
Natürlich möchte ich wissen wie es weiter geht, aber irgendwie ist die Spannung schon heraus, denn ich weiß wer die Mörder sind, ich weiß das sie mit Perrys Worten "Nicht ganz Richtig sind".
Klar die Recherche ist bestimmt auch interessant, aber sie fesselt mich nicht und Capote geht so wahnsinnig ins Detail , dass ich das Buch oft genervt auf die Seite lege.
Aber wenn ich mir so eure Rezis durch lese, reizt es mich schon wieder noch ein paar Seiten zu lesen.
Aber wie ihr mich kennt, werde ich dieses Buch natürlich auch beenden

EDIT:

Ich habe fertig

Aber mich konnte das Buch nicht wirklich fesseln.
Meine Meinung hat sich leider nicht geändert.
Komischerweise ging es mir aber mit Perry wie  einigen hier, ich fand ihn irgendwie sympatisch
Der Schreibstil gefiel mir mit der Zeit immer besser
und nachdem ich eure Rezis hier nochmal durchgelesen habe, verstehe ich nun auch,
warum Capote auf den letzten  Seiten oder besser gesagt im letzten Teil "Die Ecke" soviel von andern Mördern schrieb.
Wenn man sich den Unterschied der einzelnen Täter mal vorstellt.York und Latham fand ich schon ziemlich heftig, morden weil sie die Welt hassen.
Wie krank muß man sein  um das so durch zuziehen???

Ich gebe dem Buch 3ratten, denn es war gut geschrieben und gut recherchiert, aber es hat mich nicht gefeselt
« Letzte Änderung: 12. Januar 2010, 10:48:47 von Bine1970 »
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:biene: 
liest u.a.
SLW 2012   Coverliste 1/10   

Da ich eher selten hier bin wünsche ich allen Geburtstagkinder alles liebe und gute

Annabas

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Antw:Truman Capote - In Cold Blood (Kaltblütig)
« Antwort #21 am: 23. Februar 2010, 15:17:55 »


Truman Capote – Kaltblütig



Inhaltsangabe:

Tatsachenbericht um den Mord an einer Familie in Kansas/USA im Jahr 1959/1960.

Der erste Satz:

„Das Städtchen Holcomb liegt auf der Weizenhochebene von West-Kansas, eine weite einsame Gegend, die selbst für die anderen Kansaner „hinter dem Mond“ liegt.“

Meine Meinung zum Buch:

So richtig begeistert war ich aber nicht von "Kaltblütig", es war mir etwas zu langatmig und die Charaktere zu klischeehaft: Die gottesfürchtige, perfekte Familie, die von den bösen Taugenichtsen ermordet wird, die aber eigentlich doch ganz sensibel sind und außerdem eine schlechte Kindheit hatten ...
Wunderbar zusammengefasst.   :daumen:

Aus einer distanzierten Sicht berichtet der Truman Capote über das Verbrechen an vier Menschen. Ich hatte die meiste Zeit über das Gefühl, eine Reportage zu lesen – und ähnlich hatte es der Autor angeblich auch im Sinn. Er berichtet neutral, die Emotionen überlässt er dem Leser.

Allerdings ließ mich die Geschichte aufgrund der großen Distanz eher kalt, ich habe sie recht unbeteiligt gelesen, weder mit Abneigung noch mit Vergnügen. Die manchmal allzu große Detailtiefe hat mich auch dazu veranlasst, manche Seiten nur noch zu überfliegen – z. B. fand ich es nun nicht so interessant, auch noch die Kindheitsgeschichte von diversen Mit-Gefängnisinsassen der beiden Mörder zu lesen. Zumal diese die Frage nach dem „Warum“ nicht weiter bringen.

Denn die Frage nach dem „Warum“ bleibt für mich offen, sofern es überhaupt eine Antwort geben kann, was ich bezweifle. Ich hatte den Eindruck aufgrund dieses Berichtes, dass nicht einmal die Täter diese Frage wirklich beantworten konnten.

Am interessantesten war, das eigene Verhältnis zur Tat, den Tätern und zur Bestrafung auszuloten. Wie hätte ich als Angehörige oder als Geschworene reagiert? Ich musste an einen Satz einer Bekannten denken: „Ich bin strikt gegen die Todesstrafe. Aber ich verstehe, dass andere Menschen dafür sind.“

Meine Bewertung: 3ratten

Viele Grüße von Annabas    :winken:
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midnight

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Antw:Truman Capote - In Cold Blood (Kaltblütig)
« Antwort #22 am: 07. März 2010, 15:02:03 »

Ich weiß gar nicht ob ich soviel zu meinen Eindrücken schreiben kann. Der Anfang hat mir am meisten Probleme bereitet, wie die Clutters alle irgendwelche Vorbereitungen für die Zukunft machten. Der Vater eine Lebensversicherung und die Tochter sucht sich Kleider raus und die Mutter erholt sich von ihrer Krankheit usw. Ich bin nur froh, dass die Familie nicht zu charakteristisch gezeichnet wurde sonst wäre mir das noch Näher gegangen, im Gegensatz zu den zwei Tätern über die man wirklich alles erfährt.
Diese ganzen Kindheitsgeschichten wurden mir irgendwann zu viel, die haben die Geschichte für mich erst langatmig gemacht, denn ansonsten finde ich diese sachlich, spannende Mischung echt gelungen. Und dass die Beweggründe dann so banal waren hat mich überrascht, überhaupt wie Dick und Perry über die Tat sprechen, wie als würden sie über Toast mit Marmelade reden.

Dewey war der einzige Charakter im Buch den ich bis zum Schluss voll und ganz verstanden habe. Klar, Perry ist schon ein armer Kerl, aber selbst ohne Ausbildungsmöglichkeiten sollte man zu so einer Tat menschlich nicht in fähig sein.

Trotz ein paar Schwierigkeiten meine Gedanken zusammen zufassen:

 4ratten
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HoldenCaulfield

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Antw:Truman Capote - In Cold Blood (Kaltblütig)
« Antwort #23 am: 08. März 2010, 11:39:48 »

@midnight
Ich glaube ein Stück weit ist es auch das was Capote darstellen wollte: das die Täter eben eher Banale Gründe hatten und das dies das eigentlich erschreckende an der Tat ist. Zumindest empfinde ich das so^^
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Seltsam im Nebel zu wandern.... H.Hesse

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Mein Interview mit Gail Carriger :elch:
Sonnenschirm

midnight

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Antw:Truman Capote - In Cold Blood (Kaltblütig)
« Antwort #24 am: 08. März 2010, 15:39:39 »

Ja, da hast du recht. Ich frage mich wie der Verhandlung verlaufen wäre, wenn es in der heutigen Zeit spielen würde. Zumindestens Perry wäre doch sicherlich für den Zeitpunkt für unzurechnungsfähig gehalten worden. Wahrscheinlich wäre es auch in jedem anderen Staat damals anders verlaufen, wenigstens mehr Untersuchungen wegen seiner Psyche.
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Trevor

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Re: Truman Capote - In Cold Blood (Kaltblütig)
« Antwort #25 am: 14. März 2010, 19:00:05 »

Inhalt

Gegen Ende der 50er Jahre werden vier Mitglieder einer Farmersfamilie in Kansas umgebracht. Die Täter, zwei kleinkriminelle Außenseiter des Lebens, fliehen daraufhin erst nach Mexiko und später quer durch die USA -  bis zu ihrer Verhaftung.
Ihnen wird der Prozess gemacht und sie werden zum Tode durch den Strang verurteilt.

Der Fall ist weitläufig bekannt und ging  damals durch alle Medien.
So wurde auch der Schriftsteller Truman Capote auf dieses Verbrechen aufmerksam und zeigte     starkes Interesse an der Tat. Die Brutalität, die scheinbare Gelassenheit der Verurteilten und das fehlende Motiv beschäftigten den Autor besonders und das ist es dann auch, was er in seinem Buch darzustellen versucht.

Warum wird ein Mensch zum Mörder?

Dieses „Warum“ drängt sich einem in dem Buch immer wieder auf und man könnte es fast als eine psychologische Profilerstellung der beiden Täter anerkennen.
Die Handlung beginnt mit der Schilderung des letzten Tages der Clutter-Familie, ihrer sozialen Bindungen und Beliebtheit im Dorf, ihrer Zukunftspläne und Ängste.
Parallel dazu bekommt man bereits einen Einblick in die Vorbereitung der Tat, indem Capote in seinen Erzählperpektiven immer wieder wechselt, bis sich alles auf diese eine Nacht zuspitzt.

Allerdings erfährt man weiterhin weder das „Wie“ noch das „Warum“. Die zwei spannendsten Fragen spart sich der Autor geschickt für das letzte Drittel des Buches auf. Vorerst begleitet der Leser wiederum in paralleler Erzählweise die Flucht der Täter als auch die laufenden Ermittlungen in dem Fall.
Der Focus liegt hierbei jedoch eindeutig auf den zwei Mördern, Dick und Perry. In kleinen Häppchen bekommt man deren Kindheit, soziales Umfeld, kompletten Lebenslauf, emotionales Profil sowie innere Gedankenwelt serviert und entwickelt eine Art Sympathie und Verständnis für die beiden, besonders für den misshandelten, ständig gequält wirkenden Perry.

Die Rechtfertigung, das „Warum“ dieser Tat schwebt einem dabei immer wieder vor Augen, aber eine auf wissenschaftlicher Grundlage abgefasste Antwort bekommt der Leser erst im Schlussteil des Buches in Form eines psychologischen Gutachtens während der Verhandlung zu lesen.

Auch das „Wie“ kommt zwischen Dick und Perry nie zur Sprache; so muss man sich bis zu dem ausführlichen Geständnis der beiden nach ihrer Festnahme gedulden und erfährt beinahe Überraschendes.

Capote hat versucht, zu erklären, aber er macht auf den letzten Seiten seines Buches unmissverständlich klar, dass es wohl viel komplizierter ist, als man es in einem etwa 350 Seiten starkem Buch je zum Ausdruck bringen könnte.
Während des jahrelangen Wartens im Todestrakt lernen Dick und Perry andere Todeskandidaten kennen, deren Mordfälle ebenfalls kurz geschildert werden. Auch bei ihnen ist absolut kein Motiv zu erkennen. Das Problem ist nicht sichtbar, sondern viel tiefer verwurzelt.


Truman Capote schreibt in einfachem Stil ohne Schnörkel und Verzierungen. Sachlich, kalt und offen ist seine Erzählstruktur, was zur Folge hat, dass man dieses Buch kaum wieder aus der Hand legen kann, wenn man es einmal angefangen hat.

Capote hat in diesen Fall sehr viel Zeit investiert, persönlich mit den Zeugen und dem Umfeld der ermordeten Familie gesprochen, er hatte ein „enges“ Verhältnis zu den beiden Tätern, v.a. zu Perry und besuchte sie regelmäßig im Todestrakt. Daher kann man sich in hohem Maße auf die Glaubwürdigkeit dieser Schilderung verlassen und dieser Fakt lässt neben der Sachlichkeit nicht einen Moment an der Authentizität des Erzählten, der Personen und ihrer Handlungsweisen zweifeln.

Dieses Buch ist sowohl Lesemuffeln als auch Leseratten zu empfehlen.
 5ratten


Liebe Grüße
Trevor
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Juggalette

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Re: Truman Capote - In Cold Blood (Kaltblütig)
« Antwort #26 am: 26. Juli 2010, 23:36:19 »

Die Lektüre ist leider schon ein bisschen länger her, sodass ich mich nicht mehr an jede Kleinigkeit erinnern kann...

Mit dem Erzählstil hatte ich so meine Probleme. An dieses Gemisch aus Tatsachenrekonstruktion und freiem Schreiben konnte ich mich nicht so ganz gewöhnen. Öfters musste ich Passagen noch einmal lesen, weil ich gedanklich abgeschweift bin und mich nicht auf den Text konzentrieren konnte, da mir der Stil ein bisschen zu konfus war. Ein trockener Tatsachenbericht über das Verbrechen und diverse Interviews hätten mir vielleicht etwas mehr zugesagt.

Allerdings wurde mein Interesse für den Fall geweckt, sodass ich, bereits während der Lektüre, so manches im Internet recherchiert habe. Vor allem diesen Perry fand ich recht interessant und ja, hatte sogar Mitleid mit ihm.

Während meiner Recherche bin ich allerdings auch auf so manche Kritik gestoßen, wo gesagt wird, dass so manche Tatsachen von Capote nicht richtig wiedergegeben wurden und er einiges hinzugedichtet hat. Das finde ich richtig schade und ich weiß nicht so ganz ob mir Kaltblütig nun gut gefallen hat oder nicht...

Doch da es Capote doch geschafft hat mich neugierig zu machen, obwohl ich so manche Probleme beim Lesen hatte, vergebe ich 3ratten.
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Dan Brown - Meteor
Leo Tolstoi - Anna Karenina

SuB: 240

Aldawen

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Re: Truman Capote - In Cold Blood (Kaltblütig)
« Antwort #27 am: 15. Juni 2011, 14:00:32 »

Inzwischen habe ich die Lektüre ein paar Tage sacken lassen und bin immer noch unentschlossen, wie ich dazu stehe. Um mit dem – für mich – einfachsten Teil anzufangen: Mir hat die Form, die Capote hier gewählt hat, gut gefallen. Die Mischung aus literarischem Erzählen, journalistischem Tonfall und nüchterner Aktensprache schien mir durchaus angemessen, um der Komplexität mit der Darstellung von den Opfern über die Tat selbst, die Täter und ihre Flucht, die Ermittlungen, die Gerichtsverhandlung bis zur Zeit im Todestrakt gerecht zu werden. Es ist auch recht auffällig, daß sich Capote selbst jeder Bewertung über die Todesstrafe im allgemeinen und in diesem speziellen Fall enthält, jedenfalls habe ich keine herauslesen können, obwohl ich versucht habe, auf entsprechende Hinweise zu achten.

Weniger zugesagt haben mir im wesentlichen zwei Dinge. Das erste ist die Familie Clutter. Als Opfer einer solchen Tat haben sie vermutlich ein „Recht“ darauf, gut und nett dargestellt zu werden (ganz dem Motto verpflichtet, daß man über Tote nicht oder nur Gutes reden soll), und eine Verbindung zwischen irgendwelchen Taten ihrerseits mit den Tätern selbst bestanden ja auch nicht. Aber ehrlich gesagt war mir das alles ein bißchen zu perfekt und idyllisch. Natürlich hätte auch z. B. ein etwaiges Verhältnis von Mr Clutter mit einer anderen Frau keinen vierfachen Mord gerechtfertigt, aber irgendwelche Probleme in der Familie oder ein bißchen Klatsch über sie hätten sie doch menschlicher gemacht. Damit hätte ich aber vielleicht noch leben können.

Der zweite Aspekt, der mir weniger zugesagt hat, war die Darstellung der Täter, und das betrifft sowohl Perry als auch Dick. Bei ersterem ist die, ich nenne es jetzt mal etwas verkürzt so, „Mitleidsschiene“ die Capote hier fährt, ausgeprägter als bei letzterem, obwohl sie auch für Dick, wenn auch mit etwas anderen Vorzeichen, zur Geltung kommt. Tatsächlich stimme ich mit Doris darin überein, daß Perrys schwere Kindheit, die er zweifellos hatte, keine hinreichende Entschuldigung dafür sein kann, einfach in ein Haus einzubrechen und die vier Bewohner niederzumetzeln. Wenn jeder mit einer ähnlichen Biographie so handelte, dann wäre Mord und Totschlag wohl an der Tagesordnung. Bei Dick, der ja sogar als überdurchschnittlich intelligent beschrieben wird, mit dieser Anlage aber auch nicht so recht etwas anfangen kann und zudem unter den Nachwirkungen seines Unfalls leidet, gilt eigentlich das gleiche.

Interessant fand ich daher vor allem die Überlegungen, ob sie wohl in vollem Maße schuldfähig seien oder nicht. Persönlich vertrete ich den Standpunkt: Ja, denn beiden ist und war immer klar, daß man andere Menschen nicht einfach über den Haufen schießt. Daran ändert sich auch nichts, wenn sie aus irgendwelchen Gründen in jenem genauen Moment des Abdrückens die Kontrolle über sich verloren hatten, was ja in diesem Fall auch nur für Perry zutreffen kann. Rechtfertigt das die Todesstrafe? Da bin ich der Meinung: Nein, unter gar keinen Umständen, und ich bin sehr froh, daß wir sie in Deutschland nicht haben. Nicht umsonst besagt Art. 2 GG: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. (...)“ Sicher, in diesem Fall haben die Täter die Familie Clutter dieses Rechts beraubt, aber darf sich ein Rechtsstaat deshalb auf die gleiche Stufe stellen? Diese Vorstellung verursacht mir zugegebenermaßen Unbehagen. So schwierig das sein mag, aber diese Diskrepanz muß m. E. ausgehalten werden.

Wenn ich das alles jetzt in eine Bewertung mittle, dann lande ich bei

 3ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

Schönen Gruß
Aldawen
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Kinywa ni jumba la maneno.
Der Mund ist der Palast der Worte. – Sprichwort aus Ostafrika