Wow, ich hätte echt nicht gedacht, dass mir der zweite Teil noch so viel Spaß machen würde!

Ich frage mich echt, woran das liegt - habe ich nur so lange gebraucht, um mich einzulesen, oder wird das Buch tatsächlich so viel besser? Eigentlich glaube ich Letzteres.
Erstens gibt es tatsächlich mehr Beschreibungen als bloße Auflistungen. Zweitens werden die Abenteuer spektakulärer - mehr Äktschn!

Drittens kommen auch ökologische (und andeutungsweise politische) Themen zur Sprache - manchmal auch selbstironisch, wenn der Erzähler Prof. Aronnax beispielsweise eine halbe Seite lang über die akute Gefährdung der Seekühe durch den Menschen schreibt, nur um (sinngemäß) mit dem Satz zu schließen: "Nichtsdestotrotz landeten etwa fünfzehn dieser Tiere in der Speisekammer der Nautilus."
Und viertens - Kapitän Nemo!

Hier zeigt dieser Charakter endlich, was in ihm steckt, er wird immer dreidimensionaler, facettenreicher und vor allem ambivalenter und steigert sich zum Ende zu einer fast schon surrealistischen Figur. Es zeigt sich, dass Prof. Aronnax' anfängliche Vermutung, Rache könnte bei Nemos Streifzügen durch die Ozeane eine Rolle spielen, in die richtige Richtung ging - mehr als ein paar Brocken, ein paar Splitter von der Wahrheit, eine Ahnung vom großen Ganzen dahinter bekommt der Leser jedoch nicht.
Der sich kontinuierlich steigernde zweite Teil wiegt den (in meinen Augen) schwachen ersten so sehr auf, dass ich dem Gesamtwerk nun sogar

gebe. Ging's noch wem ähnlich?