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Autor Thema: Gabriella Wollenhaupt - Grappa und der Wolf  (Gelesen 713 mal)

SheRaven

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Gabriella Wollenhaupt - Grappa und der Wolf
« am: 14. Januar 2007, 03:28:18 »

Grappa und der Wolf - Gabriella Wollenhaupt



Klappentext / Textauszug:
Zögernd trat ich näher. Willi deutete mit dem Finger auf die rechte Kopfseite. „Sein Ohr ist weg“, meinte er lapidar. Tatsächlich. An der Stelle, an der normalerweise die Ohrmuschel saß, war nur eine blutverkrustete Wunde. „Mir wird schlecht“, kündigte ich an. „Reiß dich zusammen“, befahl Willi, „kotzen kannst du später. Jetzt müssen wir die Bullen rufen.“  „Okay“, nickte ich, „es wird Zeit, dass sich Experten der Sache annehmen. Du verschwindest jetzt am besten, sonst nehmen dir die Grünen noch den Film und die Bilder weg“.

Meine Meinung:
„Grappa und der Wolf“ ist das siebte Buch aus einer inzwischen 12-teiligen Reihe mit der Journalisten Maria Grappa, die für das Bierstädter Tageblatt arbeitet. „Bierstadt“ ist ein fiktiver Name, aber durch einige Hinweise im Buch ist bald klar, dass es sich dabei um Dortmund handelt.

Maria Grappa macht Urlaub in der spanischen Stadt Toledo, sitzt gemütlich vor einer Tapas-Bar, trinkt ebenso gemütlich eine ganze Flasche Rotwein, als plötzlich ein Frau aus dem Fenster eines baufälligen Hauses der gegenüberliegenden Straßenseite stürzt. In der lauten Bar hinter ihr scheint niemand etwas zu bemerken. Maria Grappa rennt  in das Haus hinein, sie findet niemanden vor, läuft wieder auf  die Straße und… die Tote ist weg! „Zuviel Rotwein“, ist ihr erster Gedanke, doch dann findet sie eine goldene Puderdose auf dem Boden. Darin ein Zettel mit einer Telefonnummer. Die Vorwahl ist die von Bierstadt.
Wieder zu Hause angekommen macht Maria Grappa sich auf die Suche nach den Zusammenhängen zwischen Toledo und Bierstadt.
Es geht um eine Hilfsorganisation, Sensationsjournalismus, BKA-Beamte mit Zopf, Sachertorte und um El Lobo, einen Auftragskiller.

Das Buch mit den 183 Seiten liest sich sehr schnell und flüssig. Der Schreibstil ist frech, genauso wie die Hauptprotagonisten, die, hat sie erst einmal eine heiße Spur, nicht mehr locker lässt, bis sie den Fall geklärt und journalistisch aufbereitet hat. Doch Maria Grappa ist keine Sensationsjournalisten, plustert die Dinge nur ein wenig auf, ist Sympathieträgerin. Wir begleiten Maria Grappa hier nur in Bezug auf ihren aktuellen Fall, so dass es nicht notwendig ist, die vorangegangen Bände gelesen zu haben.
Maria Grappa will herausfinden, wer der mysteriöse El Lobo ist, ruft er sie doch regelmäßig an und die Gespräche mit ihm  gefallen ihr – irgendwie. Der Leser kann fleißig mit raten, doch erst am Ende des Buches bekommen wir eine Ahnung, um wen es sich bei El Lobo handelt. Und bekommen noch ein paar Überraschungen präsentiert, die sich allerdings auf den letzten Seiten schon abzeichneten.

Es ist ein lesenswerter, schöner, leichter Krimi, der Lust auf mehr macht. Auf mehr über Maria Grappa.

 4ratten

« Letzte Änderung: 14. Januar 2007, 10:33:03 von Ingroscha »
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Liebe Grüße
SheRaven

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Antw:Gabriella Wollenhaupt - Grappa und der Wolf
« Antwort #1 am: 08. März 2010, 12:49:40 »

Hier  kommt mein Eindruck:

Klappentext
Zögernd trat ich näher. Willi deutete mit dem Finger auf
die rechte Kopfseite.
"Sein Ohr ist weg", meinte er lapidar.
Tatsächlich. An der Stelle, an der normalerweise die Ohrmuschel saß, war nur eine blutverkrustete Wunde.
"Mir wird schlecht", kündigte ich an.
"Reiß dich zusammen", befahl Willi, "kotzen kannst du später. Jetzt müssen wir die Bullen rufen."
"Okay", nickte ich, "es wird Zeit, da? sich Experten der Sache annehmen. Du verschwindest jetzt am besten, sonst nehmen dir die Grünen noch den Film und die Bilder weg".

Maria Grappa und Killer El Lobo liefern sich ein spannendes Duell im Umfled eines Plutoniumschmuggels von Moskau nach Bierstadt.

Erster Satz: Auf der anderen Seite der Straße stand eine dunkelgrüne Limousine.


Meine Meinung
Nach ihrem für mich eher enttäuschend passivem Part im letzten Krimi "Grappa fängt Feuer", dreht Grappa hier im sechsten Buch wieder zu ihrer gewohnten Stärke auf. Das ist allerdings auch wirklich nötig, denn hier bekommt sie es mit einem Profikiller zu tun, der seine Opfer nie verfehlt. Er behauptet zwar, keine Frauen und Kinder zu töten, aber trotzdem wird auf Grappa geschossen. Wer Grappa kennt, weiß, dass sie das natürlich weder einschüchtert, noch davon abhält, weiter auf eigene Faust zu ermitteln. Denn einerseits ist sie als Reporterin immer hinter einer spannenden Story für ihre Zeitung her und andererseits  kann sie einfach nicht anders, als sich in alles reinzuhängen, was nach einem Verbrechen aussieht. Schon gar nicht, wenn ihr die Opfer vor die Nase fallen und der Killer sie regemäßig anruft, um ein bisschen mit ihr zu plaudern.

Der neue Fall hat mir wieder richtig Spaß gemacht. Grappa war wieder in Hochform und ich habe mich köstlich amüsiert. Ihre gepfefferten Dialoge mit dem ermittelnden BKA-Beamten ließen Schadenfreude aufkommen, ihre Gespräche und Zusammentreffen mit dem Killer El Lobo hatten fast etwas Vertrauliches, ihre "Zusammenarbeit" mit der Polizei ist immer wieder ein Vergnügen, denn Grappa entscheidet immer noch selbst, wann sie welche Informationen weitergibt. Da regt sich sogar der örtliche Ermittler mittlerweile nicht mehr drüber auf. Gegen Grappa kommt er sowieso nicht an und er ist sicher froh über jedes Häppchen, das er von ihr bekommt. Ihr journalistisches Geschick, mit den richtigen Fragen oder dem richtigen Zeitungstext für Unruhe unter den Verdächtigen zu sorgen, ist vielleicht nicht immer ungefährlich, aber meist hilfreich. Überhaupt ist sie auch hier wieder nicht auf den Mund gefallen und zusammen mit ihrer gefährlich spontanen Entscheidungsfreudigkeit  tappt sie von einer haarsträubenden Situation in die nächste.

Natürlich sind die Handlung und die Figuren auch hier wieder überspitzt und man fragt sich, wie das zu dem ernsten politischen Thema Waffenschmuggel, Vertuschung und Beteiligung passt. Aber gerade das finde ich bei diesen Krimis immer wieder gelungen. Die Autorin, selbst Journalistin, greift brisante Themen auf und verpackt sie in temporeiche, teils skurille  Geschichten, die trotz des Witzes den Ernst dahinter nicht vergessen lassen.

 4ratten
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LIEBE GRÜßE
HEIMFINDERIN