Umberto Eco – Das Foucaultsche PendelDer erste Satz:„Da endlich sah ich das Pendel.“
Meine Meinung zum Buch:Ich hatte dieses Buch vor Jahren schon einmal angefangen zu lesen und nach wenigen Seiten abgebrochen. Seither schlummerte es im Regal und wenn es nicht auf meiner SLW-Liste gestanden hätte, hätte es vermutlich noch weiter geschlummert, denn ich hatte es nicht in allzu guter Erinnerung.
Nach den ersten beiden Kapiteln wusste ich auch wieder, warum ich es damals abgebrochen hatte: Die Sprache der ersten beiden Kapitel ist völlig verquast, der Inhalt konfus, man erkennt überhaupt nicht, um was es geht. Ich hatte das Gefühl, der Autor schreibt, als wäre er in seine eigene Brillanz verliebt und ist damit auch der einzige, der sich auf diesen Seiten amüsieren kann. Als Leserin hatte ich nur Fragezeichen in den Augen. Aber beim SLW steht etwas auf dem Spiel, also habe ich das Buch nicht gleich wieder in die Ecke geworfen, sondern weiter gelesen.

„Oh nein, nicht schon wieder Templer und Geheimbünde!“ – das war meine erste Reaktion, als mir so langsam deutlich wurde, um was es in diesem Buch geht. Vielleicht etwas unfair, denn Eco hat dieses Buch 1988 geschrieben, es erschien also lange vor den aktuellen Geheimbund-Kirchen-Verschwörungs-etc.-Thrillern. Aber ich lese es nun mal heute, und heute muss es sich diesen Vergleich gefallen lassen. Aus irgendeinem Grund hatte ich den Klappentext nicht noch einmal gelesen und startete wirklich ahnungslos in dieses Buch.
Aber die nächsten Abschnitte haben mich doch wieder etwas versöhnt. Eco lässt seinen Protagonisten die Geschichte der Templer einem Freund erzählen, und macht dies so witzig und beiläufig, dass man glaubt, man stünde neben diesen beiden und höre vergnügt mit. Das war wirklich toll. Doch dann findet Eco mit seiner Erzählung kein Ende – und die Templer-Geschichte dehnt sich ins Unendliche. Um das vorherige Bild zu benutzen: Man hört den Protagonisten aus Höflichkeit weiter zu, wünscht sich aber weit, weit weg. Der anfängliche Witz wird mit der Gewohnheit daran auch schon mal zum platten Schenkelklopfer.
Nur einmal habe ich wirklich gelacht: Eco lässt jedes Kapitel mit einem Zitat beginnen, eine schöne Idee. Im siebenten Kapitel zitiert er
Stanislaw Jerzy Lee: „Erwartet euch nicht zuviel vom Weltuntergang.“ Nun, ich wäre schon zufrieden gewesen, wenn er mich mitsamt dem Buch zerschmettert hätte.
Manchmal hat mich das Lesen des Buches an eine Episode aus einem von Mark Twains Büchern erinnert. Mark Twain beschreibt, wie er die Oper „Lohengrin“ besucht und sich mehrere Stunden vor Qual krümmt, um einige wenige Minuten mit dem „Hochzeitschor“ in den Himmel gehoben zu werden. So ähnlich darf man sich das Lesen vom „Foucaultschen Pendel“ vorstellen – seitenlange Quälerei und dazwischen Geistesblitze, die einen für eine kurze Zeit entschädigen und man (vergeblich) hofft, dass es jetzt endlich dauerhaft aufwärts geht.
Ich kann mich auch erinnern, dass dieses Buch seinerzeit von vielen Leuten als Geniestreich gefeiert wurde, überaus intelligent geschrieben, viele versteckte Andeutungen auf andere Bücher seien darin und die müsse man verstehen u. s. w. Ich habe mir lange überlegt, was ich davon halte. Eco hat ganz sicher ein großes Wissen in dieses Buch gesteckt, das merkt man und davor habe ich größte Hochachtung. Mir sind auch viele Anspielungen aufgefallen, wobei ich diese nicht besonders versteckt finde, sondern eher marktschreierisch. Das ist vielleicht das, was mich am meisten beim Lesen gestört hat: das Plakative und Prahlerische. Es ist kein „leises“ Buch und auch kein sympathisches Buch. Am Anfang hatte ich nur ein diffuses Gefühl des Unbehagens, aber mit der Zeit wurde mir klar, was mir beim Lesen fehlt: das Buch spricht nur den Kopf an, nicht die Gefühle. Für mich gehört aber in ein belletristisches Buch beides hinein. In „Der Name der Rose“ wurde ja auch seitenlang diskutiert – aber mit einer spürbaren und echten Leidenschaft zum Thema. Und diese Leidenschaft fehlte mir im „Foucaultschen Pendel“, es war reines Kopflesen, und ich fühlte mich jedesmal, wenn ich das Buch beiseite gelegt habe, nicht erfüllt, sondern ausgeleert.
In meinen Augen kommt „Das Foucaultsche Pendel“ lange nicht an Ecos „Der Name der Rose“ heran – eines meiner ewigen Lieblingsbücher.
Meine Bewertung:

Viele Grüße von Annabas
