Die 16jährige Noa und ihre Mutter Kat beziehen ein altes Fachwerkhaus auf dem Land. Und es ist eben jenes Haus, welches einen besonderen, beinahe unheimlichen Eindruck auf Noa macht: sie fühlt sich von dem Haus regelrecht beobachtet und nimmt manchmal einen merkwürdigen Parfümduft wahr, den außer ihr aber niemand zu bemerken scheint. Als sie sich schließlich mit David, einem Jungen aus dem Dorf, an einer Geister-Seance versucht, werden ihre anfänglichen Befürchtungen zur schrecklichen Realität: sie nehmen Kontakt zu dem Geist eines 18jährigen Mädchens auf, welches behauptet, vor 30 Jahren auf dem Dachboden von Noas Haus ermordet worden zu sein.
Nicht sicher, ob beide Jugendlichen einem gegenseitigen Scherz erlegen sind, beginnen sie nach und nach an die Geschichte zu glauben und begeben sich auf die schwierige Suche nach dem Mörder des Mädchens – nicht ahnend, dass sie dabei auf ein lang gehütetes Geheimnis gestoßen sind und alte Wunden aufreißen werden…
Obwohl die Geistergeschichte als spannende und gut durchdachte Rahmenhandlung fungiert, gibt es in
whisper noch eine breite, für meine Begriffe
zu breite, Spanne an anderen Themen. So erfahren wir von Noas problematischer Beziehung zu ihrer Mutter und von ihrer ersten großen Liebe, mit all ihren Schmetterlingen, weichen Knien, Herzflattern und Missverständnissen. Daneben wird man mit Behinderung, Erpressung, sozialer Ächtung, Missbrauch, Mord und versuchtem Mord konfrontiert – an sich interessant, für einen (Jugend-)Roman leider zu viel geballte und unzusammenhängende Informationen auf einmal, die wie eine Lawine über den Leser hereinbrechen und mich während der ersten Hälfte ziemlich genervt und mit dem Gefühl des Überranntwerdens zurückgelassen haben.
Am besten hat mir die titelgebende „Geistergeschichte“ gefallen, dass zu lösende Rätsel um die verstorbene Eliza und die Gründe für ihren mysteriösen Tod. Schön fand ich auch, dass jedes Kapitel mit einem Eintrag aus Elizas Tagebuch beginnt und dass so die Spannung und das Geheimnisvolle um ihre Person durchgehend aufrecht gehalten werden. Und nachdem ich schließlich die Flut an Informationen aus der ersten Hälfte verdaut hatte, sind auch der Schluss des Buches und das Zusammensetzen der vielen Puzzleteilchen immer interessanter und spannender geworden.
An dieser Stelle muss aber gesagt werden, dass ich den Klappentext des Buches aufregender fand, als den gesamten Roman. Die versprochene „psychologisch dichte, knisternde spannende Stimmung“ konnte ich nicht wirklich wahrnehmen und auch die „menschlichen Leidenschaften“ empfand ich als nur flach angedeutet. Natürlich,
whisper ist ein Jugendroman und ich erwarte kein literarisches Meisterwerk – aber der erwähnte Klappentext verspricht einfach mehr Spannung, als in dem Roman eigentlich vorkommt, so dass ich während des Lesens doch ziemlich enttäuscht wurde.
Für jüngere, jugendliche Leser mag
whisper ein gelungener Roman sein, reifere Leser wird das Buch – trotz der gelungenen Grundidee – nicht überzeugen.

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