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Autor Thema: Annika Thor - Eine Insel im Meer  (Gelesen 1529 mal)

bibliophile

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Annika Thor - Eine Insel im Meer
« am: 06. Januar 2007, 07:37:43 »




Ich bin ein großer Fan von Kinder- und Jugendliteratur und muss zunächst sagen, dass mir das Buch zwar sichtlich gefallen, aber es doch schon meine Erwartungen in vollem Umfang überrumpelt hat.

 4ratten

Edit: Leider wurde die Rezension von Bibliophle geklaut, weshalb ich sie gelöscht habe. Die Originalrezension ist hier zufinden. LG nimue
« Letzte Änderung: 13. Februar 2007, 11:50:03 von nimue »
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marilu

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Re: Annika Thor: Eine Insel im Meer
« Antwort #1 am: 06. Januar 2007, 10:05:23 »

Eine sehr schöne Rezension, bibliophile!  :klatschen:

"Eine Insel im Meer" hat mich ebenfalls sehr beeindruckt!

Es hat meiner Meinung nach zu Recht den Deutschen Jugendliteraturpreis 1999 gewonnen!

Steffi (12) und ihre kleine Schwester Eleonore (Nelli) kommen durch ihre Evakuierung nach Schweden in einen ihnen fremden Kulturkreis. Sie müssen lernen, sich in einer hermetisch abgeschlossenen Inselgemeinschaft einzuleben, die zudem streng protestantisch ist. Die Gläubigen versuchen sie dann auch sehr schnell zu "erwecken".
In Schweden werden sie zwar als Juden nicht verfolgt, aber ihr Glaube wird hier einfach nicht ernst genommen.

Zudem müssen sie ihren Lebensstil komplett umstellen - ihr Wiener Leben wird auf der Insel als "elender Schlendrian" betrachtet...

Während sich Nellie schnell einlebt, begegnet Steffi einer Fülle von Problemen und kämpft darüber hinaus noch mit der Pubertät. Sie muss immer die Stärkere sein, um ihre kleine Schwester zu trösten und die Eltern daheim nicht zu ängstigen. Sie wünscht sich auch Trost und Interesse an ihrer Person, traut sich aber nicht, direkt darum zu bitten. So stellt sie ihre Stacheln auf und vergrätzt mögliche Freunde.

Geht es in der ersten Hälfte des Buches hauptsächlich um ihr persönliches Schicksal, so kommt im zweiten Teil auch verstärkt die politische Dimension dazu: die Verfolgungen und Repressalien in Wien werden stärker, so dass Steffis Vater seine Tochter um Mithilfe bittet. Sie soll ihm und seiner Frau helfen, nach Schweden einreisen zu dürfen.

Besonders positiv fand ich die Gegenüberstellung vom Leben in Schwedens Süden und den Lebensbedingngen im besetzten Wien, die durch Rückblicke und Erinnerungen eingeflochten werden.

Der Grundgedanke, der auch dem Buchtitel zu Grunde liegt, ist ein Hoffnungsvoller:

Zitat
Kein Mensch ist eine Insel, ganz und gar für sich;
jeder Mensch ist ein Teil des Festlandes, ein Teil des Ganzen [..]
der Tod eines jeden Menschen macht mich geringer, denn ich bin eingeschlossen in der Menschlichkeit; drum sende nie Boten aus und frage, für wen die Glocke läutet: Sie läutet für dich.

Diese freie Übersetzung aus John Donnes Meditationen trifft die Situation sehr gut.

Ein tolles Kinderbuch, das eine Brücke zwischen zwei Kulturen schlägt und einen Ausschnitt aus dem 3. Reich sehr kindgerecht aufbereitet.  :tipp:

Die Folgebände:

Eine Bank am Seerosenteich
In der Tiefe des Meeres
Offenes Meer

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Ich werde kein Geld hinterlassen. Ich werde keinen Aufwand und Luxus hinterlassen. Aber ich möchte ein engagiertes Leben hinterlassen.
(Martin Luther King)

Karthause

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Re: Annika Thor: Eine Insel im Meer
« Antwort #2 am: 06. Januar 2007, 10:47:00 »

Danke für die sehr schöne Rezension, bibliophile. Eigentlich kann ich auch nichts mehr ergänzen, du hast alles gesagt. Ich schließe mich deiner Meinung voll an. Ich habe dank marilu ein völlig neues Genre für mich entdeckt. Ihre Lesetipps und Rezis brachten mich dazu, doch so ab und an mal ein Jugendbuch zu lesen. Aber zurück zu diesem Buch. Annika Thor hat in diesem Buch ruhig und klar über die Probleme der beiden jüdischen Mädchen aus Wien, die nach Südschweden evakuiert wurden, geschrieben. Dabei wurde nichts kindgerecht beschönigt, aber kindgerecht beschrieben und erzählt. Sie schrieb, wie es gewesen sein könnte. Sie schrieb über die vielen Probleme, die es bei der Eingewöhnung auf der Insel gab, aber auch über die kleinen Freuden der Kinder. Sie schrieb über Verantwortung, Verständnis und Mitgefühl. Auch an Spannung fehlte es nicht. Ich empfand dieses Buch als sehr ruhig und nachdenklich, aber auch als hoffnungsvoll, das hat marilu mit dem Zitat, das den Kerngdanken des Buches besser trifft als ich es sagen könnte, schon deutlich gemacht. Mich hat dieses Buch sehr berührt und ich habe auch schon den Folgeband "Eine Bank am Seerosenteich" recht weit oben auf meinem SUB.
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Liebe Grüße
Karthause :schmetterling:

Die Kunst zu lesen, in ein Buch hineinzufallen, darin zu versinken, kaum noch auftauchen zu können, ist ein Stück Lebenskunst.
Elke Heidenreich

bibliophile

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Re: Annika Thor: Eine Insel im Meer
« Antwort #3 am: 06. Januar 2007, 12:07:40 »

 :redface: Danke.
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chil

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Re: Annika Thor: Eine Insel im Meer
« Antwort #4 am: 04. Juli 2008, 09:06:01 »

:redface: Danke.

Tja, Grund zu schämen hast du allemal: Blumen für eine Rezension einzustecken, die nicht du geschrieben hast. Peinlich.

Also, hier meine Rezension:

Kurz vor dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges schicken die jüdischen Eltern ihre beiden Töchter Nelli und Steffi nach Schweden. Die Mädchen haben zuvor miterlebt, wie ihre eigentlich wohlhabenden Eltern ihre große Wohnung verlassen mussen, ihr Hund erschossen wurde und wieviel Angst und Schrecken in der jüdischen Bevölkerung in Wien herrscht. Die beiden Mädchen versuchen tapfer zu sein, dabei wissen sie doch gar nicht, was auf sie zukommt.

In Schweden, einem Land, dessen Sprache die beiden nicht wirklich sprechen, kommen die beiden zu ihren Gasteltern. Obwohl sie unbedingt zusammen bleiben wollten, werden sie getrennt. Die jüngere Nelli erwischt es ganz gut. Sie kommt zu Tante Alma, lernt schnell die schwedische Sprache und findet viele Freunde. Der älteren Steffi geht es nicht ganz so gut. Sie kommt zu Tante Märta, einer sehr verschlossenen und strengen Frau. Es wird selten geredet, weshalb sie sich wesentlich schwerer tut, die Sprache zu lernen. Freunde findet sie auch keine.

Doch die Zeit vergeht und anstatt der vorgesehenen drei Monate sind die Kinder jetzt schon fast ein Jahr auf der Insel. Mit der Zeit findet auch Steffi Freunde, in der Schule ist sie so gut, dass die Lehrerin vorschlägt, sie aufs Gymnasium nach Göteborg zu schicken. Doch Tante Märta und ihr Mann Onkel Evert haben einfach kein Geld dafür. Erst als im Sommer die Sommergäste kommen und sich Steffi um deren Hund rührend kümmert, scheint sich eine Lösung aufzutun. Doch die Heimat bleibt vorerst fern.

Die Geschichte rund um Nelli und Steffi ist traurig und berührend, aber dennoch hoffnungsvoll. Steffi findet man anfangs zwar nicht so besonders sympathisch, doch auch mit ihr fiebert man mit und möchte den Mädchen gerne helfen. Man ärgert sich darüber, wie sie sich benimmt und möchte ihr gerne einen Tritt in den Hintern geben, doch dann erfährt man, warum sie sich wie benimmt. Eine wichtige Geschichte, vor allem für Kinder zwischen zwölf und fünfzehn.
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Gebundene Ausgabe: 206 Seiten
Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (April 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3866151322
ISBN-13: 978-3866151321
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marilu

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Re: Annika Thor - Eine Insel im Meer
« Antwort #5 am: 05. Juli 2008, 10:01:21 »

Oh mann, wie fies ist denn sowas!  :rollen: Also nochmal mein Dank an dich, Chil!  :winken:
 
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