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Autor Thema: Franz Kafka - Amerika  (Gelesen 7780 mal)

nimue

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Re: Franz Kafka - Amerika
« Antwort #75 am: 26. August 2010, 18:52:43 »

Ach nein, Rage sieht anders aus  :zwinker:

Gaaaanz anders  :breitgrins:

Bettina

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Re: Franz Kafka - Amerika
« Antwort #76 am: 26. August 2010, 19:57:09 »

Wenn ich mich auf eine Erzählung eines Autors einlasse, ist meine erste Frage üblicherweise nicht Was solln der Mist?.

Vielleicht nicht die erste Frage, bevor ich mit der Lektüre beginne, aber u. U. die erste nach deren Beendigung.

Und genau so war's auch gemeint. Sowas kann man sich auch erst hinterher fragen.
Wir haben die Freiheit, einen Buchkommentar von hinten aufzuzäumen - die detaillierten Kommentare folgen ja. In einer der besten Rezensionen, die ich jüngst gelesen habe, hatte der Rezensent sogar im ganzen Text nur von sich erzählt statt vom Buch und trotzdem damit eine riesige Empfehlung abgeliefer. Geht also auch :zwinker:

Zitat
Ich kann mit dieser Art Literatur einfach nichts anfangen.

Dieses (Schuld-)eingeständnis sei auch jedem erlaubt, aber das sollte doch nicht dem Roman zum Verhängnis gemacht werden.

Mit Schuld hat das nicht viel zu tun, wenn man den einen Stil mag und den anderen nicht. :winken:

Ich finde übrigens, dass die nachfolgende Diskussion hier im Thread ziemlich gut die Details auf den Punkt bringt, warum Alfas Urteil zu Beginn so ausgefallen ist.
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Kafkaesker Käfer

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Re: Franz Kafka - Amerika
« Antwort #77 am: 26. August 2010, 20:21:04 »

Nun, trotzdem sehe ich noch keine Argumente, die gegen den Roman sprechen. Was ich aber sehe sind Unverständnis und daraus resultierende, falsche Schlussfolgerungen. Kann man etwas nicht verstehen und darüber dann urteilen? Ein komisches Gefühl sagt mir....nein.

Wartet, ich packe auch noch einen Winkesmile drauf:  :winken:
« Letzte Änderung: 26. August 2010, 20:24:28 von Kafkaesker Käfer »
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Bettina

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Re: Franz Kafka - Amerika
« Antwort #78 am: 26. August 2010, 21:12:38 »

Einer zurück :winken:

Nun, trotzdem sehe ich noch keine Argumente, die gegen den Roman sprechen. Was ich aber sehe sind Unverständnis und daraus resultierende, falsche Schlussfolgerungen. Kann man etwas nicht verstehen und darüber dann urteilen? Ein komisches Gefühl sagt mir....nein.

Das ist ungefähr der Knackpunkt - übrigens nicht nur bei Amerika. Muss man einen Roman verstehen? Oder anders gesagt: Muss man ihn so verstehen wie es ein anderer Leser tut?

Ich finde durchaus, dass man über einen Roman zum Schluss sein Fazit schreiben kann, auch wenn man ihn nicht verstanden hat. In dem Fall war es sowohl bei Alfa als auch mir so, dass wir keinen Sinn im Text gesehen haben. Möglicherweise ist das schwer, weil es ein Fragment ist und entscheidende Passagen fehlen könnten. Darf nicht vergessen werden. In vielen Fällen aber verstehen verschiedene Leute verschiedene Dinge in einem Text und was für den einen Unverständnis ist, ist für den anderen einfach eine andere Interpretation oder es kommt eben keine zustande.

Ich persönlich finde es interessant, zu einem Text Erläuterungen zu erhalten. Dann erklären sich manche Dinge besser, anders oder überhaupt erst. Aber wenn ich hinterher nur Erläuterungen benötige oder Hinweise auf Anleihen bei anderen Autoren und Themen, um überhaupt etwas zu kapieren, dann kann durchaus auch der Text einen Mangel haben, nicht (nur) der Leser. Und dann kommt eben ein Kommentar raus, der das Werk nicht gutheißt (und wie immer nur die persönliche Meinung spiegelt). Ich ziehe also andere Schlussfolgerungen, die aber nicht notwendigerweise falsch sind.
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Kafkaesker Käfer

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Re: Franz Kafka - Amerika
« Antwort #79 am: 26. August 2010, 21:35:28 »

Ich gebe zu, dass der Roman nicht ganz ohne Vorkenntnisse zu verstehen ist. Trotzdem halten sich intertextuelle Bezüge sehr im Zaum, soweit ich das gesehen habe. Kafka liefert nicht einfach nur so 'ne Story, die man liest und weiß, was man hat .Unsere Diskussion zeigt ja auch, dass mehr dahinter steckt!

Ich habe Verständnis dafür, wenn man etwas nicht auf Anhieb versteht. Ich sage ja auch, dass man meiner Erläuterung nicht folgen muss, sondern fordere ja andere. Aber mit "ist nicht zu verstehen", gebe ich mich naturgemäß nicht zufrieden.
Wenn man etwas nicht versteht, sollte daraus aber doch nicht Abscheu folgen?! Viel eher doch eher Fragen, wie: "Warum lässt sich Karl ausnutzen von Delamarche und Robinson?"; "Warum schicken die Eltern ihren Sohn einfach so weg?"
 
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Alfa_Romea

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Re: Franz Kafka - Amerika
« Antwort #80 am: 27. August 2010, 08:26:44 »

@Bluebell Das war bisher die beste Rezension.
....

P.S.: Die erste Rezension war die Schlechteste.

 :lachen:

In diesem Thread gibt es genau zwei Rezis - meine und Bluebells. Von "beste" und "schlechteste" zu sprechen ist bei dieser Ausgangslage ziemlich frech  :zwinker:

Wenn man etwas nicht versteht, sollte daraus aber doch nicht Abscheu folgen?!

Aus Unverständnis alleine noch nicht, wenn dann aber noch weitere Faktoren dazu kommen, die das Unbehagen fördern, ist der restliche Weg vorprogrammiert. So geschehen bei mir, als ich "Amerika / Der Verschollene" las. Über das Warum und Weshalb meines Unbehagens wurde in diesem Thread schon ausführlich diskutiert, das brauchen wir nicht noch mal zu machen.

Ich finde es ja schön, dass du als ein weiterer Streiter für das Schöne und Wahre eine Lanze für Kafka brichst, nur hilft bei Geschmacksfragen (und eine solche ist es letztlich, wie die Diskussion sehr schön gezeigt hat) alles Zureden nichts.
Ich mag zum Beispiel kein Sauerkraut - es schmeckt mir einfach nicht. Jetzt könnte ich mich mit der Geschichte des Sauerkrauts befassen und eine Sauerkrautfabrik besuchen, um zu sehen, wie faszinierend der Verarbeitungsprozess ist, bis das Zeug geraffelt im Beutel liegt. (Ich habe tatsächlich mal eine kurze Dokumentation im Fernsehen über das Thema angeschaut.) Ich könnte mich mit den wertvollen Nährstoffen im Sauerkraut beschäftigen und was es alles Gutes für meinen Körper tut. Ich hätte am Ende ein viel differenzierteres und positiveres Bild vom Sauerkraut als nur "Ihhhh, bähhh!" Essen würde ich das Zeug trotzdem nicht, weil sich daran, dass es mir nicht schmeckt, auch mit all den Hintergrundinfos nichts geändert hat.

Will heissen: Mir ist bewusst, dass Kafka ein viel genialerer Autor war, als ich ihm das zugestanden habe. Das wusste ich schon, als ich meine Rezi hier eingestellt habe. Es war, wie sandhofer so treffend schrieb, der Aufschrei einer gequälten Leserin. Und es war gut, dass ich den Aufschrei hier platziert habe, da ich in der nachfolgenden Diskussion Dinge erfuhr, die mir ein positiveres Bild von Kafka und seinem Romanfragment gaben. Aber eben, auch dieses Sauerkraut schmeckt trotzdem immer noch nicht...

Es mag dich als Kafka-Fan schmerzen, dass es Leute gibt, die mit seinem Werk nichts anfangen können und entsprechende Meinungen zum Besten geben. Es geht mir genau gleich, wenn ich erfahre, dass jemand ein Buch meines Lieblingsautoren entnervt in die Ecke pfeffert. Aber so ist das Leben in seiner ganzen Vielfältigkeit, es können nicht alle dasselbe mögen  :zwinker: Insofern sind weitere Missionierungsversuche* in Sachen Kafka zwecklos  :breitgrins:

Kann man etwas nicht verstehen und darüber dann urteilen? Ein komisches Gefühl sagt mir....nein.

Unter höchst theoretischen Gesichtspunkten stimme ich dir zu, dass jemandem, der etwas nicht versteht, auch nicht darüber urteilen sollte. Es wird aber permanent gemacht. Egal, obs der Stammtischbruder ist, der etwas über Lebensweise und Traditionen der Moslems von sich zu geben hat oder ein Steuerzahler, der sich fragt, warum man "denen da beim CERN" Geld gibt statt es für eine breitere Autobahn zwischen Zürich und Bern auszugeben, die ja wohl viel wichtiger und nötiger sei als irgendwelche Forschung zu machen, bei der am Ende nur ein schwarzes Loch rausschaut. Sowohl Stammtischbruder wie Steuerzahler haben meist wenig Ahnung, aber viel Meinung.

Warum sollte das bei der Besprechung von Büchern in einem Forum mit so breitem Themenspektrum anders sein? Dies hier ist kein Forum für Germanisten und andere Texttheoretiker, sondern für Leser  :zwinker: Germanisten (etc) sind natürlich auch willkommen und Leser mit weniger Vorbildung (wie ich) haben ja auch schon vom grösseren Wissen anderer profitiert, wie gerade dieser Thread sehr anschaulich zeigt. Aber eben, es ist nicht der Anspruch dieses Forums, dass sich jeder mit den Hintergründen seiner Lektüre auseinandersetzt und nur differenzierte Statements mit umfangreichen Erklärungen postet. Dafür hat nimue das Klassikerforum geschaffen, dort würde ich mit einer Rezi, wie sie hier drin steht (zu Recht) schräg angeschaut. Vielleicht wäre das ja eher was für dich...

Lieber Gruss

Alfa Romea

*Ich meine das nicht böse oder abwertend, eher ironisch
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Bettina

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Re: Franz Kafka - Amerika
« Antwort #81 am: 27. August 2010, 09:07:27 »

Ich mag zum Beispiel kein Sauerkraut - es schmeckt mir einfach nicht. Jetzt könnte ich mich mit der Geschichte des Sauerkrauts befassen und eine Sauerkrautfabrik besuchen, um zu sehen, wie faszinierend der Verarbeitungsprozess ist, bis das Zeug geraffelt im Beutel liegt. (Ich habe tatsächlich mal eine kurze Dokumentation im Fernsehen über das Thema angeschaut.) Ich könnte mich mit den wertvollen Nährstoffen im Sauerkraut beschäftigen und was es alles Gutes für meinen Körper tut. Ich hätte am Ende ein viel differenzierteres und positiveres Bild vom Sauerkraut als nur "Ihhhh, bähhh!" Essen würde ich das Zeug trotzdem nicht, weil sich daran, dass es mir nicht schmeckt, auch mit all den Hintergrundinfos nichts geändert hat.

Das Beispiel ist gut :smile:
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Kafkaesker Käfer

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Re: Franz Kafka - Amerika
« Antwort #82 am: 27. August 2010, 09:17:58 »

Hallo Alfa,

danke für deine versöhnliche Erklärung. Ich denke, dass ich dich jetzt besser verstehe. Trotzdem finde ich, dass beide Standpunkte ihre Berechtigung haben. Ich mochte früher außerdem keinen Spinat, mittlerweile aber doch sehr! lol.

Viele Grüße,
K.K.

P.S.: Kafka ist nichtmals mein Lieblingsautor, für den ich mich hier eingesetzt hab  :zwinker:.
P.P.S.: Werbung in eigener Sache^^: Im Flohmarkt vertausche ich gerade Kafkas Prozeß (hab ich doppelt), falls jemand ihm doch noch eine Chance geben will :).
« Letzte Änderung: 27. August 2010, 10:08:15 von Kafkaesker Käfer »
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Re: Franz Kafka - Amerika
« Antwort #83 am: 27. August 2010, 09:48:34 »

Trotzdem finde ich, dass beide Standpunkte ihre Berechtigung haben.

Da sind wir uns vollkommen einig - das finde ich auch  :five:

Lieber Gruss

Alfa Romea
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Re: Franz Kafka - Amerika
« Antwort #84 am: 27. August 2010, 20:15:05 »

Hui, was hat sich denn da für eine lebhafte Diskussion nach meinem Beitrag entwickelt!?
Aber scheinbar bin ich wieder mal zu spät dran

Trotzdem finde ich, dass beide Standpunkte ihre Berechtigung haben.

Da sind wir uns vollkommen einig - das finde ich auch  :five:

Gut so!  :breitgrins:

Lieber Käfer, es freut mich zwar, dass dir meine Rezension gefallen hat, aber selber hätte ich sie gar nicht unbedingt als solche bezeichnet (glaube kaum, dass sie da irgendwelche objektiven Kriterien erfüllt!? :gruebel: ) Wie weiter oben schon geschrieben wurde, verwenden wir das Forum hauptsächlich, um uns unsere persönlichen Eindrücke von Büchern näher zu bringen - zwar fundiert und begründet und argumentiert, schon klar, aber das ist ja im Laufe der (ersten  :zwinker: ) Diskussion auch alles passiert und ich wollte eigentlich nur erklären, warum ich manches anders sehe.

Das Sauerkraut-Beispiel ist übrigens top!  :daumen:
Hihi, da fällt mir ein, der Lautréamont im Klassikerforum ist gerade mein Sauerkraut :clown: ... da habe ich Sandhofer letztens auch gefragt, wo um Himmels Willen der literarische Wert versteckt ist, er hat's mir erklärt, ich kann's respektieren, aber schmecken tut's mir noch immer nicht.  :breitgrins:

Und die Hintergrundinfos zum Totenschiff muss ich jetzt nochmal in Ruhe lesen, das liegt nämlich auf meinem SUB und ich bin bisher noch gar nicht auf die Idee gekommen, dass da ein Zusammenhang mit Kafka bestehen könnte ...

 :winken:

EDIT: Du liebe Zeit, da hab ich ja mit Smileys um mich geworfen ...
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Kafkaesker Käfer

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Re: Franz Kafka - Amerika
« Antwort #85 am: 27. August 2010, 23:28:53 »

Hi Bluebell,

ich wäre meines Namen nicht würdig, wenn ich nicht eine Diskussion vom Zaun breche, wie geschehen (den Konjunktiv für "brechen" musste ich außerdem tatsächlich nachschlagen :)). Mich hat die Diskussion auch gefreut und ich glaube, dass niemand dadurch ärmer geworden ist, im Gegenteil. Ich könnte dir eine ganze Reihe von Büchern nennen, die mit dem besagten korrespondieren. In Thomas Manns Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull wird auch das Leben eines Liftboys geschildert! :)
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Kafkaesker Käfer

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Re: Franz Kafka - Amerika
« Antwort #86 am: 10. September 2010, 21:14:34 »

Huhu, ich bins nochmal. Man kann Kafkas Der Verschollene auch als einen utilitaristischen Exkurs lesen :).
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