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Autor Thema: Judith Hermann - Sommerhaus, später  (Gelesen 712 mal)

*Sternenstauner*

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Judith Hermann - Sommerhaus, später
« am: 30. Dezember 2006, 21:23:53 »

Hallo,

hier kommt meine zweite Rezension für den SuB-WB06.

Judith Hermann - Sommerhaus, später


Klappentext
Zwei Frauen, die auf einer Insel ein Spiel spielen, das "sich so ein Leben vorstellen" heißt. Ein Premierenfest, das ein unerwartetes, frühmorgendliches Ende in der Wohnung des Regisseurs findet. Ein Mann, der in seinem Sommerhaus an der Oder Besuch erhält und an eine Vergangenheit erinnert wird, die er nicht mehr kennen will. Judith Hermanns Figuren inszenieren sich ihr Leben, Sie lassen sich nur passiv oder als Zuschauer, nur spielerisch in "Lebensläufe" ziehen. Ihre Gedanken kreisen immer wieder um dieselben Themen: um Liebe und Vergänglichkeit und die Angst vor dem Ungelebten, dem verhinderten Leben.

Meine Meinung
In insgesamt neun Kurzgeschichten schlüpft Judith Hermann in verschiedene Figuren und gewährt dem Leser einen flüchtigen, aber zugleich auch sehr intimen Einblick in deren Seelenleben. Die Handlung der Geschichten steht dabei im Hintergrund, Geschehnisse sind eher alltäglicher Art. So hat man eine Person kaum kennen gelernt, da verlässt man sie auch schon wieder, ohne dass etwas Besonderes passiert ist. Judith Hermann’s Charaktere sind und bleiben einsam. Wie aus der Distanz scheinen sie sich selbst zu beobachten, können ihre eigenen Gefühle nicht so recht greifen.
Das klingt zwar nicht gerade sonderlich spannend, wird aber auf so wunderbar melancholische Weise beschrieben, dass diese bedrückende, aber irgendwie auch schöne, ruhige Stimmung auf den Leser übergeht.
Die einfache, klare Sprache der Autorin hatte eine Art Sogwirkung auf mich. Immer wiederkehrende Bilder, lebendige Vergleiche und eine fast schon poetische Ausdrucksweise zeichnen eine dichte Atmosphäre, die leicht und zugleich auch so schwer ist. Judith Hermann hat eine sehr eigene Stimme entwickelt, die auch die Perspektive eines Mannes glaubwürdig wiedergeben kann.
Schade ist allerdings, dass sich die Figuren auf die Dauer zu sehr ähneln. Die meisten sind sehr starke Raucher (wie die Autorin selbst) und entstammen der Künstlerszene. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Abwechslung gewünscht.

FAZIT: Das vor dem Text abgedruckte Zitat von Tom Waits spiegelt die Stimmung des Buches sehr schön wieder: „The doctor says I’ll be allright, but I’m feelin’ blue.“ Ein Buch also, das man vielleicht besser nicht lesen sollte, wenn man ohnehin schon etwas deprimiert ist.

Bewertung: 4ratten
« Letzte Änderung: 30. Dezember 2006, 21:27:47 von *Sternenstauner* »
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Heimfinderin

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Re: Judith Hermann - Sommerhaus, später
« Antwort #1 am: 05. Januar 2007, 19:29:57 »

Dieses Buch habe ich auch vor etwa einem Jahr gelesen. Die melancholische und eher etwas deprimierte Stimmung der Geschichten kann ich bestätigen. Stimmungsaufhellend ist das Buch eher nicht. Aber trotzdem haben die meisten Geschichten gefesselt, waren gut zu lesen und man denkt noch eine Weile darüber nach.
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LIEBE GRÜßE
HEIMFINDERIN

Pan

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Re: Judith Hermann - Sommerhaus, später
« Antwort #2 am: 07. Januar 2007, 12:00:44 »

Das Buch habe ich vor etwas 2 Jahren gelesen. Ich mochte diesen melancholischen, klaren Schreibstil, aber zum Ende hin konnte mich das Buch nicht mehr so recht fesseln, weil sich alle Geschichten irgendwie sehr geähnelt haben. Ein schönes Buch für zwischendurch.
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Wir brauchen aber die Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in Wälder vorstoßen würden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord, ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. - Franz Kafka

Aurora

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Re: Judith Hermann - Sommerhaus, später
« Antwort #3 am: 25. November 2011, 19:52:25 »



Klappentext
Zwei Frauen, die auf einer Insel ein Spiel spielen, das „sich so ein Leben vorstellen“ heißt. Ein Premierenfest, das ein unerwartetes, frühmordenliches Ende in der Wohnung des Regisseur findet. ein Mann, der in seinem Sommerhaus an der Oder Besuch erhält und an eine Vergangenheit erinnert wird, die er nicht mehr kennen will.
Judith Hermanns Figuren inszenieren sich ihr Leben, lassen sich nur passiv oder als Zuschauer, nur spielerisch in „Lebensläufe“ ziehen. Es ist Judith Hermanns Gespür für die Zwischentöne und die subtilen Unaufrichtigkeiten der Gegenwart, das ihre Geschichten so eindrucksvoll macht. Ihre Erzählungen leben vom genau abgewogenen Rhytmus der Sätze und von der Intensität und Dichte der Stimmungen, die sie zu erzeugen vermag.
Die Gedanken an Judith Hermanns Helden und Heldinnen kreisen immer wieder um dieselben Themen: um Liebe und Vergänglichkeit und die Angst vor dem ungelebten, dem verhinderten Leben. Die Enkelin, die von ihrer ans Bett gefesselten Großmutter erzählt, der alte Mann, der in einer New Yorker Absteige einer jungen Reisenden begegnet – sie spüren, wie die Zeit an ihnen vorübergezogen ist. Alle aber ahnen, dass sich ihr Leben nicht in der Gegenwart, sondern in der Erinnerung und in der Vorstellung zuträgt, dass Liebe und Vergänglichkeit letztlich zwei Worte für dasselbe sind.

Meine Meinung
Obwohl das Buch an sich kurz ist und die einzelnen Geschichten daher auch nicht lang, wurde ich mit diesem Buch von Anfang an nicht grün. Ich konnte mich nicht einfühlen in die einzelnen Handlungen und störend fand ich auch die grauenvolle Zeichensetzung, die mich beim Lesen noch mehr abgelenkt hat. Es wäre ein Buch für einen Nachmittag gewesen, aber gebraucht habe ich mehrere Tage und ich war froh, als es zu Ende war. Klar, nun werden einige sagen: Warum hast du es überhaupt weitergelesen? Dazu möchte ich nur sagen: Ich lese generell jedes Buch zu Ende – vielleicht überrascht es einem am Ende doch noch ;) .

Ich gebe diesem Buch:
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Erendis

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Re: Judith Hermann - Sommerhaus, später
« Antwort #4 am: 25. November 2011, 20:02:19 »

Bei mir ist es schon etliche Jahre her, dass ich das Buch gelesen habe. Am besten hat mir damals die Geschichte gefallen, die in Island spielt. Die Atmosphäre dieses Landes war sehr eindringlich beschrieben. Die Autorin ist sehr gut darin, Atmosphäre zu erzeugen und die Gefühlswelt ihrer Figuren hat sie eindringlich greifbar gemacht.
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LG,
Erendis

:lesen: Tad Williams - Der Blumenkrieg / Christa Wolf - Der geteilte Himmel

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Re: Judith Hermann - Sommerhaus, später
« Antwort #5 am: 25. November 2011, 21:07:32 »

Ich erinnere mich nur noch düster an das Buch - ich habe es damals gelesen, als es in sämtlichen Följetongs* herumgeisterte und habe nur noch im Kopf, dass ich den Stil ziemlich prätentiös und gewollt fand und überhaupt nicht in das Buch hineinfand. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich es überhaupt beendet habe.

* Nicht meckern. Das ist die original schwedische Schreibweise. Quelle: Saltanah.
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Re: Judith Hermann - Sommerhaus, später
« Antwort #6 am: 25. November 2011, 22:49:54 »

Ich erinnere mich nur noch düster an das Buch - ich habe es damals gelesen, als es in sämtlichen Följetongs* herumgeisterte und habe nur noch im Kopf, dass ich den Stil ziemlich prätentiös und gewollt fand und überhaupt nicht in das Buch hineinfand. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich es überhaupt beendet habe.

So ist es mir auch gegangen. Ich habe es als überaus zäh in Erinnerung und glaube nicht, dass ich es beendet habe. Allerdings ist das schon einige Jahre her. Ich weiß nicht, wie es heute aussehen würde.
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