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Autor Thema: "Hannibal rising" - Thomas Harris  (Gelesen 3121 mal)

Historikus

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"Hannibal rising" - Thomas Harris
« am: 25. Dezember 2006, 15:32:59 »

Über den Autor
Thomas Harris, 1940 in Mississippi geboren, begann in seiner Studentenzeit als Nachtreporter zu arbeiten. Später war er Reporter und Redakteur bei AP in New York. Sein erster Roman, "Schwarzer Sonntag" erschien 1975, der Nachfolger "Roter Drache" 1981. Beide wurden weltweit Bestseller und erfolgreich verfilmt. 1988 erschien sein bislang größter Erfolg, "Das Schweigen der Lämmer", der mit HANNIBAL seine Fortsetzung gefunden hat.

Klappentext
Litauen, 1945: Sowjetische Soldaten greifen im Wald einen verstörten, halb verhungerten Jungen auf. Er trägt eine Kette mit einem Vorhängeschloss um den Hals und bringt kein einziges Wort hervor. Niemand ahnt, was dieser Junge, Hannibal Lecter, in den letzten Kriegsmonaten durchgemacht hat. Seine Erlebnisse gipfelten im Tod der Eltern und seiner kleinen Schwester Mischa und müssen so schrecklich gewesen sein, dass sie ihn verstummen ließen. Auch Hannibal selbst kann sich nur bruchstückhaft an die Zeit im Jagdhaus erinnern, wo sich die Familie in den Kriegswirren versteckt hielt. Nachts schreckt er aus furchtbaren Albträumen hoch, in denen er den Namen seiner Schwester schreit. Hannibals Onkel und dessen bezaubernde japanische Gattin Lady Murasaki nehmen den hoch talentierten Jungen in ihrem Chateau in der Nähe von Paris auf. Seine Sprache findet Hannibal als Dreizehnjähriger kurz vor seinem ersten Mord wieder. Von seinen Dämonen kann er sich erst befreien, als er für die entsetzlichen Geschehnisse im Jagdhaus Rache nimmt.

Kritik:

Als großer "Hannibal Lecter"-Fan musste ich dieses Buch natürlich so schnell wie möglich lesen. Nach den großartigen Werken wie "Roter Drache", "Das Schweigen der Lämmer" und "Hannibal" (übrigens mein Lieblingsbuch von diesen dreien) erlaubte sich Harris, über die goldene Regel des Autorentums zu springen: Verrate nie die letzten Geheimnisse deiner Hauptfigur.

Harris hat es getan - Obwohl man Hannibal Lecter nach der Lektüre immer noch nicht beschreiben kann. Zumindest gibt uns Harris einige Gründe, warum Lecter Lecter geworden sein könnte. Eine Kindheit, die in Kriegszeiten, gerade im Ostblock, als sich die deutsche Wehrmacht zurückzog, fast schon Standard war. Das Erleben von Gewalt, das Erleben von Tod, Zerstörung und Hass.
Und dann kommt es: Der adelige Hannibal, der schon in Jugendjahren sein enormes intellektuelles Potenzial aufblitzen lässt, verliert seine gesamte engere Familie, zum Teil durch den Kannibalismus hungriger Soldaten. Dieses Szenario liegt aufgrund der Geschichte rund um Lecter nahe, jedoch ist es absolut nicht unrealistisch, wie einige Kritiker momentan behaupten:

Kannibalismus war gerade in Russland bei erfrierenden und verhungernden Soldaten gegeben. Auch mein Großvater, der Mitglied einer Partisaneneinheit war und in Stalingrad verwundet und gefangengenommen wurde, hat mir das einmal via oral history bestätigt: Gefressen und gefressen werden- Im Krieg zählte letztlich das Überleben und es war oft ein gemeinsamer Konsens geschlossen: Friss mich, wenn ich tot bin, und lebe.
Aber auch mit Gewalt gegenüber den Feinden oder der Zivilbevölkerung wurde Kannibalismus betrieben.

Das Unaussprechliche musste auch die das liebste Familienmitglied Hannibals erfahren - und damit begann Lecters wahnsinnige und gestörte Seite zu wachsen. Die ersten rund 100 Seiten beginne ruhig, erzählend: Doch wie gesagt, beginnt dann das Böse in Lecter zu erwachen, die Suche nach ewiger Rache, die anschließend, als die Rache gefunden, in Wahnsinn ausartet, vielleicht, da, wie große griechische Philosophen schrieben, Rache niemals zum Ziel führt, also schon gar nicht süß ist ...
Harris entschuldigt nicht - wie manche Kritiker behaupten - die nachfolgenden Taten Lecters - sondern "erklärt" sie. Und das ist das an sich faszinierende und tolle an dem Buch, nämlich, dass Massenmörder nicht als Massenmörder geboren werden, sondern - dass das Böse in uns allen lauert - um durch gewisse Ereignisse, Prozesse und Strukturen aus uns hervorgeholt zu werden.
In uns allen lauert der Hannibal Lecter - Ist das nicht eigentlich das Schockierende an diesen Romanen und der eigentliche Grund, warum diese Metzgerei so gerne gelesen wird?

Nichtsdestotrotz ist es höchst interessant, wie Harris Lecters Jugendjahre beschreibt. Lecter findet nach wilden Erlebnissen Obdach in Frankreich, bei einer attraktiven Japanerin, die ich auch mal gerne treffen würde. ;-)
Lecter entwickelt in der frühen Zeit eine Lust zu morden. Rache wird zur Lust. Die ersten Morde kommen früh. Aber ich will nicht zu viel verraten. Typisch gruslig und blutig ist es auf alle Fälle. Jeder Mord bekommt seine typisch perverse, historisch-geisteswissenschaftliche Lecter-Symbolik.
Und dann beginnt das Faszinierende bei Lecter: Die Erbauung seines berühmten Gedächtnispalastes - das heute sogar Forscher beschäftigt, die dies aus der Literatur entnommen haben. Lecters Studienzeit, ein Hoch und Tief, wobei sich Lecters unglaubliche Brillianz widerspiegelt.  Dies ist schließlich der Kern der Geschichte: Lecters Entwicklung zum Massenmörder, als auch zur unbegreiflichen Intelligenzbestie, der ein Buch nach dem anderen frisst (naja, auch Menschen ...)

Harris schreibt diesmal ziemlich gestochen scharf, in kurzen Sätzen, prägnant, nicht verschachtelt. Die Kapitel sind kürzer als sonst, es scheint jedoch absichtlich so geschrieben. Das macht aber das Buch eigentlich spannend, denn diese Geschichte verdient es förmlich emotionslos und trocken über die Bühme gebracht zu werden - Perversität bleibt Perversität, und das ist das Faszinosum.

Ich kann das Buch wirklich empfehlen - und hoffe noch auf möglichst viele Lecter-Romane. Man darf sich jedoch kein "Schweigen der Lämmer" oder "Roter Drache" erwarten. Es ist völlig anders, und deshalb besonders.

Ebenfalls freue ich mich schon auf Februar 2007, wo ich mit meiner Mutter - die lustigerweise ein totaler Lecter-Fan ist - ins Kino gehe und hoffentlich Hannibal Rising genießen kann.

Dementsprechend bleibt mir nichts anderes über, als hier jetzt zu schließen und zu hoffen, dass meine erste Rezension nach meiner Rückkehr euch gefallen - oder soll ich es in diesem Fall eher sagen, "gemundet" hat.  :zwinker:




« Letzte Änderung: 25. Dezember 2006, 15:39:39 von Historikus »
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Kirsten

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Re: "Hannibal rising" - Thomas Harris
« Antwort #1 am: 25. Dezember 2006, 15:37:49 »

Hallo!

Oh ja- diese Rezi hat mir gemundet (und schön, dass Du wieder da bist :winken:). Ich habe das Buch am Samstag in einem Schaufenster gesehen, bin aber leider an dem Buchgeschäft vorbeigezerrt worden. Eigentlich wollte ich im Forum danach fragen, aber Du bist mir zuvor gekommen :zwinker: Jetzt weiß ich auf jeden Fall, welches Buch bald ein neues Zuhause bei mir finden wird.

Liebe Grüße
Kirsten
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Historikus

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Re: "Hannibal rising" - Thomas Harris
« Antwort #2 am: 25. Dezember 2006, 15:53:52 »

Hi Kirsten,

freut mich, dir geholfen zu haben.

Gruß
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chil

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Re: "Hannibal rising" - Thomas Harris
« Antwort #3 am: 26. Dezember 2006, 20:50:40 »

Das hol ich mir morgen gleich! Das Christkind hat haufenweise Buchgutscheine dagelassen!
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Markus74

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Re: "Hannibal rising" - Thomas Harris
« Antwort #4 am: 26. Dezember 2006, 20:57:19 »

Das hol ich mir morgen gleich! Das Christkind hat haufenweise Buchgutscheine dagelassen!

Nettes Christkind! :)

Thomas_R

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Re: "Hannibal rising" - Thomas Harris
« Antwort #5 am: 30. Dezember 2006, 01:31:15 »

Hallo

Nach der Rezi muss ich die Anschaffung wohl ins Auge fassen.
Nach dem letzten Buch war ich mir eigentlich sicher, von Harris keine Lector-Bücher mehr zu kaufen.
Na, mal sehen. 2007 ist ja noch lang!
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Thomas

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Re: "Hannibal rising" - Thomas Harris
« Antwort #6 am: 03. Januar 2007, 09:33:36 »

Ich habs zu Weihnachten bekommen und innerhalb von 3 Tagen gelesen!!

Wirklich ein super-Buch.

lg, Frau 32
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Murkxsi

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Re: "Hannibal rising" - Thomas Harris
« Antwort #7 am: 03. Januar 2007, 10:09:37 »

Das Buch steht bei mir auch schon auf der Liste. Ich habe bisher auch alles von Hannibal Lecter gelesen und bin fasziniert von dieser Geschichte.
Und nach der guten Rezi ist es für 2007 ein must-be.

LG Murkxsi
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Muertia

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Re: "Hannibal rising" - Thomas Harris
« Antwort #8 am: 03. Januar 2007, 11:36:33 »

Eine Frage an diejenigen, die das Buch schon gelesen haben:

Ist es auch geeignet wenn man noch kein anderes Buch aus der Lecter-Reihe gelesen hat?

Viele Grüße,
Muertia
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fairy

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Re: "Hannibal rising" - Thomas Harris
« Antwort #9 am: 03. Januar 2007, 16:01:39 »

Eine Frage an diejenigen, die das Buch schon gelesen haben:

Ist es auch geeignet wenn man noch kein anderes Buch aus der Lecter-Reihe gelesen hat?

Genau das wollte ich euch auch fragen. Ich habe auch noch keines der Bücher gelesen. Sollte man trotzdem nach Erscheinungsdatum lesen? Oder doch chronologisch?
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Historikus

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Re: "Hannibal rising" - Thomas Harris
« Antwort #10 am: 03. Januar 2007, 19:30:33 »

Nein, unbedingt vorher die anderen Bücher lesen.

Am Besten in folgender Reihenfolge: "Roter Drache", "Schweigen der Lämmer", "Hannibal". Und dann "Hannibal rising".

Sonst wird man dieses Buch niemals verstehen können. ;-)

Gruß
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fairy

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Re: "Hannibal rising" - Thomas Harris
« Antwort #11 am: 03. Januar 2007, 20:01:32 »

@Historikus: Okay, danke!
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Muertia

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Re: "Hannibal rising" - Thomas Harris
« Antwort #12 am: 05. Januar 2007, 20:38:58 »

er herzliches Danke auch von mir :breitgrins:

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Frau 32

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Re: "Hannibal rising" - Thomas Harris
« Antwort #13 am: 08. Januar 2007, 17:13:29 »

Nachdem ich nun die Hannibal-Reihe verschlungen habe (in der chronologischen Folge) fehlte mir bis heute noch Hannibal, das letzte Buch in der Reihe. Ich bin schon sehr neugierig darauf.

@historikus: Warum bist du der Meinung, man sollte Hannibal rising zum Schluss lesen? Nämlich ganz zum Schluss, wenn ich das richtig verstanden habe. Als sozusagen Erklärung bzw. Aufklärung?

Grundsätzlich bin ich ja für die "wirkliche" Reihenfolge, die aber bei mir gegebenermaßen natürlich auch nicht stimmte, da ja RD und SdL Re-Reads waren. Ich meine, hier gelesen zu haben, dass dir Hannibal am besten gefallen hat. Vielleicht sollte ich es heute abend gleich anlesen....

lg, Frau 32
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Levia

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Re: "Hannibal rising" - Thomas Harris
« Antwort #14 am: 26. Januar 2007, 22:00:30 »

Also, ich hab es auch schon gelesen und bin der Meinung, man kann es auch lesen, ohne die anderen teile zu kennen.
Ich fand das Buch ganz gut, allerdings hatte ich gehofft, dass auch Lectors zeit als Psychater zur Sprache kommt.. Vielleicht wollte er sich noch etwas für ein weiteres Buch aufsparen.. Sehr schade.
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