Fiamettas Ring spielt in einem magischen Norditalien der Renaissance. Fiametta ist die jugendliche Tochter des Kunstschmiedemeisters Beneforte. Als solcher unterstützt er in dieser Welt seine Arbeit durch Magie, wie beispielsweise bei dem Kerzenleuchter, dessen Kerzen sich durch ein Wort entzünden lassen. Trotz der Talente seiner Tochter und obwohl er sie durchaus kleinere Arbeiten in seiner Werkstatt durchführen lässt, möchte er sie nicht offiziell ausbilden, vor allem nicht in den magischen Bereichen seiner Arbeit, was das Mädchen natürlich nur noch neugieriger und experimentierfreudiger in dieser Hinsicht macht. Als er und Fiametta eine Arbeit von ihm, eine Salz- und Pfefferstreuerkombination, die magische Eigenschaften an die Gewürze abgibt, beim regierenden Herzog abliefern wollen, wird dieser während der Verlobungsfeier seiner Tochter vom zukünftigen Verlobten ermordet. Bei der Flucht und dem anschließenden Versuch gemeinsam mit dem Bischof den Usurpator wieder vom Herzogsthron zu vertreiben, erhält Fiametta Unterstützung vom jungen schweizerischen Bergmann Thur, der eigentlich eine Lehre bei Beneforte beginnen wollte. Aus Sicht dieser beiden Personen werden abwechselnd die Geschehnisse geschildert.
In diesem frühen Fantasy-Roman der bis dahin eher im SF-Bereich beheimateten Lois McMaster Bujold lässt sich bereits ihr Talent auch für dieses Genre erkennen, obwohl den Personen noch etwas Tiefe fehlt und die Verwicklungen in späteren Büchern (z.B. Chalions Fluch) zunehmen. "Fiamettas" Ring ist schöne Fantasy vor einem nicht ganz gewöhnlichen Hintergrund in den die Autorin auch Volkstümliches einfließen lässt. Die Mischung aus Fantasy und Phantastik ist allerdings auch manchmal etwas seltsam und es tauchen Begriffe oder Begebenheiten auf, die ich nicht in diesem Zusammenhang erwartet hätte. Zu den historischen Hintergründen hat sie sogar ein Nachwort mit ein paar Quellen angegeben, sehr schöne Idee.
Die Figuren sind sympathisch und ihre Handlungen größtenteils nachvollziehbar dargestellt, wobei die Autorin sich großpolitisch an den historischen Hintergrund des Italiens der Medici und Borgias angepasst hat. Das Magiesystem und die Kampfgeschehnisse wirken logisch und passen zu den jeweiligen Möglichkeiten der Personen. Ein bisschen mehr Detailreichtum hätte zwar durchaus sein können, aber auch so ist dieser Roman kurzweilig, ohne oberflächlich zu sein und sticht besonders wegen seines ungewöhnlichen Hintergrunds so dicht an der realen Welt aus dem Gros der Fantasyromane heraus.
„Fiamettas Ring“ ist nicht die hohe Kunst der Fantasy-Literatur, aber angenehm zu lesen und ist somit, da das Buch die in der Fantasy seltene Eigenschaft hat, nicht zu einer Reihe zu gehören, durchaus eine Empfehlung für zwischendurch.
