Kapitel 58
Der Haushofmeister klopfte vorsichtig an die Tür der Bibliothek. "Kommen Sie herein!", kam es von drinnen. "Ah, mein lieber Pippinow. Was wünschen Sie?" Kriemhild sah ihn erwartungsvoll an. "Naja, also, ähm, ich habe eine nicht so gute Nachricht zu überbringen.", wand der Haushofmeister sich. "Immer heraus damit!", forderte Kriemhild ihn auf. "Also,", holte Pippinow Schwung, "wir brauchen einen neuen Oberforstrat." Dann atmete er hörbar aus. Kriemhild sah ihn gelassen an. "Ist der auch wieder von den Borkenkäfern befallen worden wie sein Vorgänger?" "Nein, Mylady." "Ah!", Kriemhild stand auf, "hatte ich also doch recht, und die Lackierung war hautunverträglich. Lasse er mir den Apotheker rufen, der mir diese angeblich borkenkäferabweisende Hautversiegelung verkauft hat." "Nein, nein, Mylady. Der Lack war es auch nicht." "Na, was denn dann?" Kriemhild wurde langsam ungeduldig. "Bei der Durchsuchung seines Hauses fand man heraus, das der Oberforstrat Holzschnaps heimlich selbst gebrannt hat. Die letzte Charge war offensichtlich so aggressiv, das man nur noch seine lackierte Haut gefunden hat. Sie saß, noch mit dem Glas in der Hand, in seinem Keller. Er sah wie eine flüssigkeitsgefüllte Glaspuppe aus, hat man mir gesagt." "Halt!", rief Kriemhild, "Das reicht! Sie müssen nicht noch mehr ins Detail gehen. Sie wissen doch, das ich einen empfindlichen Magen habe. Also suchen Sie so schnell wie möglich einen neuen Forstrat. Diesmal möglichst einen Abstinenzler." "Und was sollen wir mit den Resten vom alten Forstrat machen?" "Spenden Sie die diesem Herrn H.A. Gens, der diese komische Leichenwanderschau hat, die vor kurzen hier in der Gegend war. Und den Holzschnaps können Sie ja an den Apotheker als Lösungsmittel verkaufen."