Kapitel Zehn
Kriemhild wird durch ein lautes Poltern aus Ihren Gedanken gerissen. Auf der Suche nach der Quelle des Krachs sieht sie Earl am Fuß der großen Freitreppe sitzen und sich den Kopf massieren. "Ist Dir etwas geschehen, mein Liebster?" "Nein, nein, ich bin nur an diesem dämlichen Teppich da oben hängengeblieben und dann hier heruntergestürzt. Aber ich glaube, ich habe mir nichts gebrochen." Kriemhild versucht ihm auf die Beine zu helfen. Dabei rutscht sein Hemd ein wenig in die Höhe und sie sieht ein paar Striche auf seinem Rücken. Sie zieht das Hemd ganz nach oben, um zu sehen, was Earl da hat. "Was hast Du da für ein komisches Muster auf dem Rücken?" Oh nein, denkt Earl, sie hat es entdeckt. Was sage ich ihr nur? "Das ist ein Andenken an seine kürzlich stattgefundenen Trauung.", ruft Kaarl grinsend vom oberen Treppenabsatz. "Trauung?" Kriemhild läßt Earl entsetzt los, und er fällt wieder auf seinen Hintern. "TRAUUNG? Du mieser Kerl! Ich warte hier auf Dich. Und Du treibst Dich in der Weltgeschichte rum, erzählst mir, das da wichtige Geschäfte zu erledigen wären, und stattdessen treibst Du's wild und heiratest sogar noch. Ich habe Dir meine besten Jahre geopfert. Du Schuft! Verlasse sofort mein Schloß!" Schlagend und tretend drängt sie ihn zur Tür. "Aber mein Schatz! Ich liebe doch keine Andere außer Dir. Das war nur ein kleiner Ausrutscher. Sowas läßt sich ganz schnell klären." "Ausrutscher? Und das Du heimlich meine Kleider trägst, wolltest Du mir wohl auch noch irgendwann erklären? Ich glaube Dir kein Wort mehr. Hinfort!" Mit einem letzten Fußtritt befördert Kriemhild Earl die Schloßtreppe hinab. "Und laß Dich nie wieder hier sehen!"
Zu Kaarl gewandt sagt sie:"Und Du solltest auch sehen, das Du hier so schnell wie möglich verschwindest! Und kümmere Dich um Deinen Bruder. Wenn er morgen nicht wieder frei ist, gehe ich zur Gendarmerie"
Seine Antwort ignorierend, ging sie zurück in die Bibliothek. Jetzt war sie genau in der richtigen Stimmung um die per Boten überbrachten Aufsätze zu lesen....