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Der Literaturschock-Fortsetzungsroman
BigBen:
Hier werden in loser Folge (möglichst täglich) neue Kapitel des Fortsetzungsromanes veröffentlicht.
BigBen:
Kapitel 1
Die Winterabende waren einsam auf Schloß Wobblestone. Besonders seit ihr Liebster auf diese lange Reise gegangen war. Aber er sagte, es muß sein.
Da saß sie nun, wie jeden Abend, alleingelassen vor dem Kamin im Lieblingssessel ihres Verlobten. Das Feuer knisterte. Sie kuschelte sich in ihr Bärenfell und griff zu ihrer abendlichen Lektüre. Ihre Heldin, eine Piratenbraut, focht gerade einen erbitterten Kampf gegen den übermächtigen Feind. Aber irgendetwas war heute Abend anders. Sie rutschte in dem Sessel hin und her, als etwas auf den Mamorboden schlug.
Was ist das? Ein kleines Medaillon, das offenbar die ganze Zeit irgendwo in einer Ritze des Sessels gesteckt hatte, lag da vor ihr. Sie hob es auf. Wo kam es nur her? Hatte er es da verloren? Hatte er etwa eine andere?
Sie öffnete zitternd das Kleinod. Das Bild kam ihr auf irgendeine Weise bekannt vor. Kannte sie diese andere Frau? Sie nahm es näher in Augenschein. Nein, sie kannte sie nicht, sie kannte nur das Kleid. Es war ihr Kleid! Und er hatte es an! Dieser Schuft! Wenn er zurück ist, würde sie ihm Mores lehren. Kein Nackenbeißen mehr. Nein! Die Füße wird er ihr küssen dürfen!
Aber andererseits, sah er nicht süß aus in diesem Kleid? Sie wollte ihn. Sie wollte ihm dieses Kleid vom Leibe reißen....
BigBen:
Kapitel 2
Das Poltern weckte sie endgültig auf. Nachdem sie gestern hocherregt ins Bett gegangen war, hatten wilde Träume sie heimgesucht. Träume von dauergewellten Piraten, die mit einer Flasche Shampoo zwischen den Zähnen ein Schiff voller Frisöre gekapert haben. Sie selbst mußte an einen Mast gebunden zusehen, wie Ihrem Liebsten die Kleider vom Leib gerissen wurden. Sie versuchte sich aus den Fesseln zu winden... und hat sich dabei wohl in ihrem Bett sosehr hinundher geworfen, das sie gegen ihren Nachttisch stieß. Das Poltern des herunterfallenden Bücherstapels erlöste sie von diesem Alptraum.
Ach ja, die Bücher. Sie hatte mal alle Bücher auf einen Stapel gelegt, die sie bisher noch nicht gelesen hatte. Es war ein hoher Stapel geworden. Sie würde ihrem Hofmeister Anweisung geben, fahrende Bücherhändler demnächst ohne Gnade von ihrem Grund und Boden vertreiben zu lassen. Sie war einfach zu schwach und konnte nie Nein sagen, wenn sie die grellbunten Umschläge der ihr angebotenen Bücher sah. Aber damit war jetzt Schluß! Bis Ihr Liebster zurückkommt, wollte sie alle diese Bücher gelesen haben. In ihren Briefen an ihn wollte sie ihm davon erzählen. Er liebte ihre Rezensionen. Er meinte sogar, sie sollte sie im Kunst-Journal veröffentlichen. Aber sie hatte gehört, das Freundinnen von Ihr, die dies taten, vom Verleger des Journals neue Bücher geschenkt bekamen. Würde dieser Teufelskreis denn nie enden?...
BigBen:
Kapitel 3
Während Kriemhild am Frühstückstisch saß, kam ein Bote von Amazonius und überreichte ihr ein kleines Päckchen mit dem Bestseller des Monats. Da sie nach dem Traum von letzter Nacht erst einmal keine Lust mehr auf Piraten hatte, öffnete sie das Päckchen sofort. "Der Hüne" - ein vielversprechender Titel.
Sie machte es sich bequem in ihrem Sessel und begann zu lesen. Aber nach nur wenigen Minuten sprang sie empört auf und rief nach ihrer Zofe. "Laß den Wagen anspannen! Ich muß zu Amazonius!" Dieses Buch ist ja eine Zumutung. Seitenweise Dialoge im luxemburgischen Dialekt. Und das ohne Glossar oder Wörterbuch!
Als sie auf den Hof trat, stand da schon ihre Kalesche. "Kutscher, wollt ihr mir nicht die Tür öffnen?" "Verzeiht, Mylady! Aber beim Putzen ist mir der Griff abgebrochen. Würdet ihr so gütig sein, von der anderen Seite einzusteigen?" Mit einem Murren stieg Kriemhild in den Wagen. Das wird noch ein Nachspiel haben! Für die Fahrt hatte sie sich die Morgenzeitung eingepackt. Doch was mußte sie da auf der ersten Seite lesen. "Österreicher überschwemmt deutsche Lande mit zotiger Literatur! Auch deutsche Hofdamen beteiligt." Ach Gott! Wo soll das nur noch hinführen.
Als die Kalesche Amazonius' kleinen Laden erreichte, stürme Kriemhild voller Zorn hinein. "Wie kannst Du mir so ein Buch schicken? Ohne jede Erläuterung, ohne Wörterbuch? Vielleicht solltest Du Dich in Deinem Geschäft wieder etwas mehr auf die Bücher konzentrieren als Kleider, bestickt mit Königsnamen, und Weinkrüge, bemalt mit mystischen Tieren, anzubieten"
Doch Amazonius lächelte ganz entspannt und fragte:"Wollt Ihr stattdessen diesen neuen Fortsetzungsroman abonnieren?"...
BigBen:
Kapitel 3.1
Das UBIK Shampoo für den eleganten Herrn von heute.
Es gibt seinem Haar noch mehr Glanz und Volumen.
Anwendung nur nach Vorschrift!
In einer anderen Ecke der Welt. Viele Tausend Meilen vom Schloß Wobblestone entfernt kam Earl gerade wieder zu sich.
Das Letzte woran ich mich noch erinnern kann, ist der Schotte, der sich zu mir an den Tisch setzte. Groß, ein Kerl wie ein Baum. Ich fragte ihn ganz höflich, ob er aus dem Highland käme. Da flippte er richtig aus. "Jedes Aas fragt mich das! Nein! Verdammtnochmal! Ich bin nur ein versoffener Rotbart aus Edinburgh." Um ihn zu besänftigen, wollte ich ihn auf einen Whisky einladen. Er lehnte ab. Er sagte, er hat sein ganzes bisheriges Leben dem Whisky geopfert. Das wäre jetzt vorbei. Und bat um einen Wodka.
Jetzt finde ich mich hier in dieser verdreckten Bude wieder, mit einem riesigen Kater und einem komischen Jucken am unteren Rücken. Jucken? Rücken? Wo ist hier ein Spiegel? Oh, nein! Das darf doch nicht war sein. Dieser Mistkerl hat mir doch glatt ein Tattoo auf meinem verlängerten Rücken stechen lassen. Das sieht ja fast wie ein Geweih aus! Wie erkläre ich das nur meiner Kriemhild zu Hause? Schon schlimm genug, das ich mein Medaillon wahrscheinlich irgendwo im Schloss verloren habe, nun auch noch das. Außerdem, mit diesem Tattoo kann ich nie wieder ein rückenfreies Kleid tragen. Ich muss diesen Schotten wiederfinden.
Earl verläßt schwankend das Zimmer in dem er erwachte. Der Gang führt in eine finstere, verrauchte Wirtsstube. Ja, hier habe ich ihn gestern Abend getroffen. "He Wirt, kennen sie einen riesigen rotbärtigen Schotten?" "Du meinst Kaarl?" "Vielleicht, ich kenne seinen Namen leider nicht, aber er war gestern Abend hier." "Ja, das ist Kaarl. Tja, Pech gehabt mein Junge, der ist heute Nacht noch von der örtlichen Miliz festgenommen worden. Man wirft ihm vor, gepanschtes Shampoo an die Piraten zu verkaufen. Einer der Piraten, der nun blaues Haar hat, hatte ihn wohl angezeigt."
Earl setzte sich auf den im am nächsten stehen Stuhl und legte seinen Kopf in beide Hände. Da tippte ihn jemand auf die Schulter. "He, mein Freund, wer bezahlt mir eigentlich meine Arbeit?" "Welche Arbeit?", Earl hebt missmutig den Kopf. "Na das Tattoo." Earl springt auf und schnappt sich den Kerl am Kragen. "Waaas? Du warst das? Wie kannst Du mich so verunstalten?" "Nun mal ganz langsam. Du warst doch derjenige, der mit den beiden Vögelchen im Arm zu mir kam und ein Tattoo verlangte." "Das war nicht der Schotte?" "Ach Quatsch! Du hast gesagt, zur Erinnerung an deine Hochzeit willst du ein Bild das ewig hält. Und Schlampenstempel sind zur Zeit sehr beliebt." "Hochzeit? Ich bin doch gar nicht verheiratet." "Doch. Seit gestern Abend."...
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