Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.

E-Mail: Passwort:

Autor Thema: Anita Shreve - Olympia  (Gelesen 1641 mal)

marilu

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 285
Anita Shreve - Olympia
« am: 03. Dezember 2006, 11:39:09 »



Nachdem ich vor einiger Zeit begeistert "Ein einziger Kuss" gelesen habe, wollte ich noch mehr von der Autorin Anita Shreve lesen und entschied mich für ihren Roman "Olympia". Er ist übrigens der zeitliche Vorgänger zu "Ein einziger Kuss", wenngleich auch einige Jahre zwischen den Handlungen liegen und die einzige Verbindung zwischen ihnen ein Kaufmann ist, der in "Ein einziger Kuss" auf die Vorgeschichte des Hauses der Protagonisten Bezug nimmt.

Inhalt , von amazon.de übernommen:

Fortune's Rock 1899, und Olympia Biddeford, die eigensinnige Tochter einer Familie der Bostoner Oberschicht, hat sich entschlossen, die Grenzen ihres streng behüteten Lebens auf die Probe zu stellen. Die heranwachsende Heldin von Olympia, die ihre Sommerferien auf dem Landsitz ihres Vaters in New Hampshire verbringt, ist entzückt vom Kreis der Künstler, Schriftsteller und Rechtsanwälte, der dort ein- und ausgeht. Sie ist jedoch besonders fasziniert von John Haskell, einem charismatischen Arzt, der sich um die Arbeitergemeinde der nahegelegenen Industrieorte kümmert. Dieser barmherzige Samariter mittleren Alters engagiert Olympia als Assistentin, und ihre Zusammenarbeit entwickelt sich rasch zu einer feurigen Liebesaffäre. Und es dauert nur wenige Wochen, bevor diese leidenschaftliche Übung in ärztlicher Fürsorge ans Licht kommt -- mit katastrophalen Konsequenzen für unsere geschwängerte Heldin. Sogar ihr Vater, der sie vergötterte, sieht sie nun als "übermäßig pummeliges sechzehnjähriges Mädchen, dessen Urteilungsvermögen man nicht mehr trauen kann", und besteht darauf, dass sie die Beziehung beendet.
"Zu diesem Thema gibt es nichts mehr zu sagen", sagt er. Sie beißt sich in die Lippen, damit sie nicht noch weiter aufschreit. Sie umklammert die Armlehnen ihres Stuhls so fest, dass sie später Krämpfe in den Fingern haben würde. Sie wird sich weigern, ihm zu gehorchen, entschließt sie sich. Sie wird seine angedeutete Herausforderung annehmen und ihre eigene Wege gehen. Aber gleich im nächste Moment fragt sie sich, wie sie das denn bewerkstelligen sollte? Ohne die Unterstützung ihres Vaters würde sie kaum überleben können. Und wenn sie selbst nicht überleben konnte, wie sollte es denn ihr Kind?

An dieser Stelle könnte ich schreiben, wie sie sich entscheidet, oder ob ihr die Entscheidung aus der Hand genommen wird, doch NATÜRLICH werde ich nicht spoilern.

Wichtig zu sagen, bleibt noch, dass Olympia zur Zeit ihrer Affaire erst fünfzehn Jahre alt und John Haskell mit 41 Jahre ein treusorgender Ehemann und Vater von drei Kindern ist. Leidenschaftliche Gefühlsregungen, die ihm die Vernunft rauben waren ihm bis zu der Begegnung mit Olympia auch während seiner langjährigen Ehe fremd.


Meine Meinung:

Teile der Geschichte beruhen auf wahren Tatsachen. Die Autorin hat viel Zeit und Arbeit in ihre Recherche investiert und so entsteht ein klares Bild der damaligen Zeit vor dem inneren Auge.

Während in "Ein einziger Kuss" die Liebesgeschichte eher den Hintergrund zu den gesellschaftlichen Missständen in der Arbeiterklasse bildet, steht diesmal die Liebe und ihre Konsequenzen im Mittelpunkt.

Mir hat das Buch insofern gut gefallen als es keine einfachen Antworten auf moralische Fragen gibt. Beständig wird man hin und her geworfen zwischen dem Verständnis für das Paar (es Bewunderung für ihren Mut zu nennen, widerspräche zutiefst meinen Vorstellungen in Bezug auf Beziehungen, aber dann und wann blitzt ein solches Gefühl kurzweilig auf) und dem Entsetzen über ihre fehlende Vernunft, Moral und ihren Leichtsinn.
Immerhin betrifft ihre Entscheidung nicht nur die Gegenwart und Zukunft der beiden, sondern gefährdet darüberhinaus seine Ehe und verletzt seine Familie.

Deshalb kann ich nicht sagen, dass das Buch großartig war, obwohl der Schreibstil sehr flüssig und ergreifend ist. Das Thema ging mir einfach zu stark an die Nerven.  :redface:

Dennoch bin ich froh, es gelesen zu haben, und werde auch weiterhin die Romane von Anita Shreve lesen.
Gespeichert
Ich werde kein Geld hinterlassen. Ich werde keinen Aufwand und Luxus hinterlassen. Aber ich möchte ein engagiertes Leben hinterlassen.
(Martin Luther King)

Flor

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 981
Re: Anita Shreve - Olympia
« Antwort #1 am: 15. April 2007, 02:08:09 »

Hallo,

ich habe das Buch eben beendet und bin noch ganz gefangen.
Zum Inhalt brauche ich ja nichts mehr zu schreiben, das hat Marilu ja schon sehr ausführlich gemacht.
Für mich war das Buch eine wahre Perle mit Klebstoff an den Seiten. Mit diesem Buch zählt Anita Shreve jetzt endgültig zu einer meiner Lieblingsautoren. Sie schreibt einfach die etwas anderen Liebes(Frauen)romane. Keine glatten Geschichten mit Happy End Garantie sondern immer Geschichten die aufwühlen und nachdenklich machen.
Man stelle sich nur vor. Eine noch 15 jährige aus gutem Hause und ein 41 jähriger verheirateter Arzt mit 4 Kindern beginnen eine Affäre. Schon in der heutigen Zeit währe es skandalös und unschicklich, wir befinden uns hier aber im Jahre 1899, das kann natürlich nicht gutgehen.
Über die Leichtsinnigkeit und fehlende Vernunft, besonders des Arztes, habe ich natürlich auch den Kopf geschüttelt. Aber wo die Liebe hinfällt, gibt es keine Grenzen.
Der Schreibstil wie immer bei Anita Shreve schön, flüssig, detailliert. Die Sprache war schön der Zeit angepasst und die Beschreibung, besonders der Kleidung, sehr detailliert.
Die schönen Herrenschwimmanzüge mit dem etwas unschicklichen Sitz an einigen Stellen, was meint die Autorin nur damit :zwinker:.
Die Autorin schafft es sehr gut den Leser  in die Zeit der Jahrhundertwende zu versetzen.
Für mich eine der besten Liebesgeschichten der letzten Zeit. :klatschen:

 5ratten

« Letzte Änderung: 27. Juni 2007, 23:13:01 von Flor »
Gespeichert

Maren

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 420
    • http://www.marenfrank-literatur.de/
Re: Anita Shreve - Olympia
« Antwort #2 am: 15. April 2007, 11:15:12 »

Ich habe das Buch schon vor einiger Zeit gelesen, weil die Inhaltsangabe so verlockend klang. Vom Roman selbst war ich ziemlich enttäuscht. Lässt sich zwar wirklich schön flüssig lesen, aber die Figuren bleiben recht farblos, die Liebesgeschichte konnte mich an keiner Stelle mitreißen und das Ende ist ziemlich schwach. Gut geschildert waren allerdings die damaligen Lebensumstände und die Kulisse allgemein.

meine Wertung dazu:

3ratten
Gespeichert
Mein Blog: Lesespaß

Doris

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Beiträge: 5830
Re: Anita Shreve - Olympia
« Antwort #3 am: 15. April 2007, 21:00:05 »

Ich habe Olympia vor Jahren gelesen und war restlos begeistert. Es hat mich veranlasst, mehr von Anita Shreve zu lesen, wobei es doch immer mein Favorit geblieben ist. Obwohl ich Liebesgeschichten meist eher kitschig finde und lieber darauf verzichte, kam mir diese Geschichte vor wie aus dem Leben gegriffen, und Shreves einfacher, aber eingänglicher Stil ließ mich das Buch für mich zu einem Pageturner werden. Als Frauenliteratur im herkömmlichen Sinn würde ich es nicht bezeichnen, dazu hat es zu viel Tiefe. Hier hat sich mein Empfinden bestätigt, dass ich jedes Genre gerne lese, wenn mir der Stil gefällt.

Von mir gibt es dafür  5ratten

Liebe Grüße
Doris
Gespeichert
Es ist nicht wenig Zeit, was wir haben,
sondern es ist viel, was wir nicht nützen.
Lucius Annaeus Seneca

Joyca

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 65
Re: Anita Shreve - Olympia
« Antwort #4 am: 03. Mai 2007, 09:35:58 »

hallo, für mich war dieses das allererste buch von Anita Shreve und hat mich veranlasst noch eine reihe anderer von ihr zu lesen, mir hat es sehr gut gefallen, nicht nur die liebesgeschichte auch das ganze geschichtliche rundherum

einfach zum weiterempfehlen  :smile:

Joyca
Gespeichert

Flor

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 981
Re: Anita Shreve - Olympia
« Antwort #5 am: 04. Mai 2007, 03:50:49 »

@Doris
Kennst du auch Das Gewicht des Wasser. Das hat mir auch sehr gut gefallen. Eigentlich genauso gut wie Olympia. Ist einfach eine ganz andere Geschichte.

Gruesse
Flor
Gespeichert

Hittl

  • Lesen weitet die Seele, und ein guter Freund tröstet sie.
  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 22
Re: Anita Shreve - Olympia
« Antwort #6 am: 04. Mai 2007, 09:01:02 »

....kam mir diese Geschichte vor wie aus dem Leben gegriffen, und Shreves einfacher, aber eingänglicher Stil ließ mich das Buch für mich zu einem Pageturner werden. Als Frauenliteratur im herkömmlichen Sinn würde ich es nicht bezeichnen, dazu hat es zu viel Tiefe. Hier hat sich mein Empfinden bestätigt, dass ich jedes Genre gerne lese, wenn mir der Stil gefällt.

Genau so ging es mir auch! Inzwischen hab ich auch "Der weiße Klang der Wellen" und "Die Frau des Piloten" gelesen. Anita Shreve kann einfach erzählen. Ich hab bei ihr immer das Gefühl, sie säße mit mir im Wohnzimmer und würde aus ihrem Leben berichten. Zu ihren Büchern werd ich weiterhin greifen...
Hittl
Gespeichert
Die Ironie ist die Kaktuspflanze, die über dem Grab unserer toten Illusionen wuchert.

Doris

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Beiträge: 5830
Re: Anita Shreve - Olympia
« Antwort #7 am: 04. Mai 2007, 21:55:53 »

@ Flor
"Das Gewicht des Wassers" habe ich schon vor einigen Jahren gelesen. Die exakte Handlung könnte ich jetzt spontan nicht mehr wiedergeben, aber es hat mir auch gut gefallen.

Das einzige Buch von Shreve, mit dem ich bisher nicht viel anfangen konnte, war "Der weiße Klang der Wellen". Das habe ich schon zweimal angefangen und wieder weggelegt.

Liebe Grüße
Doris
Gespeichert
Es ist nicht wenig Zeit, was wir haben,
sondern es ist viel, was wir nicht nützen.
Lucius Annaeus Seneca

marilu

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 285
Re: Anita Shreve - Olympia
« Antwort #8 am: 05. Mai 2007, 22:58:12 »

Das einzige Buch von Shreve, mit dem ich bisher nicht viel anfangen konnte, war "Der weiße Klang der Wellen". Das habe ich schon zweimal angefangen und wieder weggelegt.

Liebe Grüße
Doris

Ich hatte schon mit "Gewicht des Wassers" einige Probleme, habe es aber noch durchgelesen. Beim "weißen Klang der Wellen" habe ich nach der Hälfte aufgehört, weil ich überhaupt nicht in die Geschichte fand. Allerdings fand ich die Idee sehr schön, die Geschichte quasi von hinten aufzuziehen und erst nach und nach aufzudecken, was passiert.
Gespeichert
Ich werde kein Geld hinterlassen. Ich werde keinen Aufwand und Luxus hinterlassen. Aber ich möchte ein engagiertes Leben hinterlassen.
(Martin Luther King)

Arjuna

  • Glückskind
  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Beiträge: 2707
  • Dance into the night
Re: Anita Shreve - Olympia
« Antwort #9 am: 25. Juni 2007, 22:17:05 »

Rezension SuB-Listenwettbewerb 2007


Olympia – Anita Shreve






Klappentext:

Fortune`s Rock 1899: Ein luxuriöses Sommerhaus an der herben Küste Neuenglands ist Schauplatz dieses Dramas einer besessenen Leidenschaft. Olympia, behütete Tochter eines wohlhabenden Verlegers, ein Mädchen von ungewöhnlicher Intelligenz, Reife und Schönheit, erlebt die Liebe wie ein Naturereignis, als ein Freund ihres Vaters zu Besuch kommt. John Haskell ist nicht nur ein bekannter Arzt und engagierter Kämpfer gegen soziale Missstände in den nahe gelegenen Textilfabriken – er ist auch verheiratet und Vater vierer Kinder. Doch das Wissen um ihr moralisches Unrecht hindert die beiden nicht daran, in einen Strudel großer Gefühle abzutauchen, deren Folgen unabsehbar werden. Eleganz, Erotik und psychologische Finesse prägen dieses Porträt einer mutigen jungen Frau und ihrer Zeit.

Meine Meinung:

Ein verheirateter, vierfacher Familienvater hat eine Affäre mit einer viel jüngeren Frau, die vom Alter her seine Tochter sein könnte – in unserer Zeit schon fast normal. Zur damaligen Zeit ein Skandal, eigentlich schon eine Todsünde und genau in diese Zeit lässt uns die Autorin geschickt eintauchen. Man fühlt sich während dem Lesen um Jahrzehnte, ja fast Jahrhunderte, wenn man die technologische Entwicklung bedenkt, zurückversetzt. John Haskell und Olympia wissen beide, dass es nicht sein dürfte, ja schon fast nicht sein kann, aber trotzdem fragt die Liebe nicht um Erlaubnis und so beginnt ein Versteckspiel, das beide an ihre Grenzen bringt und bei dem man oder besser gesagt sie, eigentlich nur verlieren können. Aber wer liebt kennt keine Zeit oder Zukunft, es zählt nur das hier und jetzt.
Ein tolles Buch, welches viel Raum für Spekulationen lässt und einen nicht so schnell wieder loslässt.

5ratten
Gespeichert
Das Leben besteht aus vielen kleinen Münzen, und wer sie aufzuheben versteht, hat ein Vermögen.
Jean Anouilh

whiskers

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 600
Re: Anita Shreve - Olympia
« Antwort #10 am: 19. August 2007, 22:01:11 »

"Olympia" war mein erstes Buch von Anita Shreve und gefaellt mir bis jetzt auch am besten.
Obwohl die Autorin einen sehr ruhigen Schreibstil hat, war die Geschichte an keiner Stelle fuer mich langweilig. Mich hat das Buch vor einigen Jahren ziemlich bewegt und ich glaube, ich musste sogar ein paar Traenchen vergiessen. :redface:
Es ist zwar eine Liebesgeschichte, aber dennoch nicht kitschig und auch die damalige Zeit kam mir gut recherchiert vor.
Der Nachfolger "Nur ein einziger Kuss" hat mich zwar gut unterhalten und war auch interessant, aber hat mich einfach nicht so bewegt.
Von mir bekommt "Olympia" 5 Ratten.
 5ratten
Gespeichert

Santanico

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 193
Re: Anita Shreve - Olympia
« Antwort #11 am: 02. Januar 2008, 19:32:49 »

Ein tolles Buch  :klatschen:
Seit langem hatte ich wieder einmal das Verlangen, in jeder freien Minute zu dem Buch zu greifen um zu erfahren, wie die Geschichte weiter geht. Das Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt.
Schön geschrieben, und die Liebesgeschichte (die wirklich keinen Moment kitschig wirkt) spielt vor einem interessanten Hintergrund. Die Personen fand ich im Gegensatz zu Marens Anmerkung überhaupt nicht farblos, sondern schön ausgearbeitet, vor allem auf der Gefühlsebene.

Mit "Olympia" habe ich das vergangene Lesejahr eindeutig mit einem Highlight abgeschlossen  :smile:
Gespeichert