
ich erlaube mir mal diesen Thread wieder hervorzukramen.... eigentlich schade das diese Diskussion abgebrochen wurde....
Ich habe dieses Buch am Wochenende gelesen und bin im Grunde begeistert.
An den Diskussionen über das beste Werk von Marquez bzw. über die Frage ob dies nun ein eher dürftiges Buch von ihm ist, kann ich nicht teilnehmen. Ich habe bis jetzt nur das und "Chronik eines angekündigten Todes" gelesen und beide würde ich als durchaus fesselnd bezeichnen.
"Erinnerung an meine traurigen Huren" ist m. E. sogar noch eine Spur besser da es sich flüssiger lesen lässt und ich persönlich auf "Gedanken basierende" Bücher bevorzuge.
Marquez beschreibt hier eindrucksvoll die letzten Monate eines einsam vor sich hin alternden Mannes der bis zu seinem 90. Geburtstag nur von Bordellbesuchen und seiner monotonen Schreibtischarbeit berichten konnte, denn sonst hat er nicht viel erlebt.
Dies ändert sich jedoch. Der 90. rückt näher und etwas besonderes muss her. Er plant mit einer Jungfrau die Nacht zu verbringen, doch rührt er sie, obwohl er Nacht für Nacht das Bett mit ihr teil, nicht an. Es erwachen Gefühle in ihm die er bis dato nie gekannt hatte. Ein 90-jähriger spürt zum ersten mal was es heißt zu lieben, mit allen Konsequenzen. Er beginnt in Gedanken sein Leben noch einmal zu vollziehen...
Diese Gefühlswelt die hier vermittelt wird ist melancholisch geprägt und zeigt Züge einer etwas älteren Philosopohie.
Stimmen die behaupten dieses Buch sei widerwärtig oder phädophil kann ich nur eins entgegen setzten: lest dieses Buch und dann können wir erneut darüber reden.
Eine emotionale Chronik des Alterns und des Verlangens nach der lang andauernden Jugend

Ich freue mich auf weitere Werke von Marquez