Hallöchen, ihr Lieben!
Schade, dass ich vor einigen Jahren, als ich dieses Buch zum ersten Mal gelesen habe, keine Rezi geschrieben habe. Damals war ich nämlich fast restlos begeistert. Der Re-Read hat leider ein anderes Ergebnis und mir wurden die vielen Macken und Fehler dieses ersten Teils der Trilogie bewusst.
Das zweite Mal habe ich das Buch im Rahmen des SLW 2010 gelesen und zwar auf Spanisch - zumindest hatte die Lektüre also einen Lerneffekt.


Meine Meinung:Während der Anfang und Lyras Zeit im Jordan College in Oxford noch lebhaft beschrieben und spannend ist, verliert das Buch mit der Zeit an Qualität, obwohl zum Ende hin viele Dinge schnell hintereinander passieren.
Lyra und Rogers Freundschaft etwa, die einen Bogen um die gesamte Handlung bildet, beginnt am Anfang zwar sich zu zeigen, hat mich persönlich aber nie soweit erreicht oder so sehr überzeugt, dass ich wie Lyra mitgefiebert hätte oder gehofft hätte, den entführten Roger zu retten. Mir war er ehrlichgesagt ziemlich egal.

Lyra selbst ist dafür recht sympathisch, wenn ihr Verhalten oft auch übertrieben ist - viele Male handelt sie zu reif für ihr Alter, was ja hier im Thread schon einige erwähnt haben, andere Male ist sie zu mutig um glaubhaft zu sein für meinen Geschmack, aber grundsätzlich habe ich sie und ihren Dämon Pantalaimon recht lieb gewonnen.
Die Zeit bei den Gyptern hat mich diesmal furchtbar gelangweilt und auch ein wenig überrascht. Da taumelt so ein einsames Mädchen in die Gruppe und schwuppdiwupp! nach ein paar Gesprächen ist alles geregelt, keiner regt sich auf, keiner hat irgendwelche Einwände, alles läuft wie geschmiert und ganz und gar nicht überzeugend. Darüber hinaus hat mich gestört, dass fast alle "guten" Charaktere auch wirklich blütenweiße Westen haben und nur gut sind... was vielleicht dazu beigetragen hat, dass mich beim Wiederlesen Mrs. Coulter und (wie schon beim ersten Mal) Lord Asriel sehr interessiert haben.
Nichts von ihrem Reiz verloren haben die Hexen. Da ist Philip Pullman zumindest in diesem Band gelungen, Wesen zu erschaffen, deren Kultur man erahnen, aber nicht wirklich verstehen kann, die dadurch schön mysteriös bleiben, gleichzeitig aber liebenswert sind und - und das hat mir am besten gefallen - ihre eigenen Ziele verfolgen, die sich für kurze Zeit zufällig mit denen Lyras decken.
Auch Bolvangar, an das ich mich mit Schrecken zurückerinnere, hat mich dieses Mal eher kalt gelassen. Auch hier ging mir alles etwas zu glatt, die Kinder folgen Lyra zu einstimmig - wie Lemminge, die nicht denken, sondern einfach Statisten sind, die eben ihre Rolle spielen. Auch viele der wichtigeren Charaktere - Farder Coram oder John Faa - bleiben sehr blass.

Ich teile auch die Meinung vieler hier, dass gute Ideen verschenkt wurden und dass viel mehr Potenzial in dieser Geschichte gesteckt hätte. Ich erinnere mich aber, dass Band 2 mir unendlich viel besser gefallen hatte als dieses Buch, weil darin endlich etwas mehr über die Welt(en), Staub und die Mythologie der Trilogie berichtet wird.
Alles in Allem war ich ziemlich enttäuscht von meinem Re-Read und überlege jetzt, ob ich die anderen beiden Bände überhaupt nochmal lesen soll - möglicherweise zerstöre ich mir so eine schöne Erinnerung and (damals) wirklich gute Bücher.

Liebe Grüße,
Wendy