Ich habe lange gezögert mit der Serie zu beginnen, hatte sogar den ersten (deutschen) Band schon einmal aus der Bücherei ausgeliehen und nur ein paar Seiten gelesen, bevor ich ihn zurück brachte, doch jetzt ist der Anfang der Serie verfilmt worden und da so ziemlich alle voll des Lobes waren, wollte ich mir das doch auch angucken. Ich habe die erste Folge gesehen und dann direkt das Buch begonnen und auch durchgelesen, bevor ich mir weitere Folgen angesehen habe.
Direkt vorneweg gesagt: ich schließe mich sämtlichen positiven Urteilen an. Martin schreibt unglaublich komplex, und zwar ohne sich dabei zu verzetteln. Auch wenn bislang der Großteil der bisherigen Handlung in irgendeinem mittelalterlichen Königreich stattgefunden haben könnte und es praktisch keine Magier etc. gibt und die phantastischen Elemente eher dezent eingesetzt werden, so reichen die Ansätze aus, um eine eigenständige, magische und dabei doch sehr reale Welt entstehen zu lassen. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass ich bei Martin nicht befürchten muss, dass er eine unauflösbare Situation durch den spontanen Einsatz von zuvor nicht erwähnter Magie oder durch göttliches Eingreifen doch noch auflöst. Dazu wirken das Reich von Westeros, der Rest der Welt und eigentlich das ganze Werk viel zu durchdacht. Die vielen, jeweils aus der Perspektive einer der (zahlreichen) Hauptfiguren parallel erzählten Handlungsstränge finden wiederholt zusammen und deuten mögliche Verbindungen an, die teilweise noch in ferner Zukunft liegen und könnten doch, rein theoretisch, fast unabhängig voneinander gelesen werden. Dabei schafft Martin es, trotz wiederholter Wechsel der Erzählperspektive, den Leser in seiner Erzählstruktur fest zu halten, nur ganz selten würde man gerne ein Kapitel überspringen, um zu erfahren, wie es mit der letzten Hauptfigur denn nun weitergeht. Dabei kristallisieren sich verständlicherweise einige Lieblingsfiguren heraus, die aber immer wieder Handlungen begehen, die ihren Sympathiefaktor stark schwanken lassen – wohl niemand ist einfach nur gut oder böse, auch wenn es manchmal auf den ersten Blick so wirkt. Von einigen der Nebenfiguren könnte ich mir zudem gut vorstellen, dass sie noch stärker in den Fokus des Autors rücken und in der Zukunft der Geschichte ihre eigene Perspektive hinzufügen werden.
Der nächste Band wartet bereits bei mir darauf gelesen zu werden, zuvor möchte ich allerdings die erste Staffel der Verfilmung zu Ende sehen, sonst nerve ich meinen Mitgucker noch häufiger mit wissenden Kommentaren.
