... Aber ich kann die Wissenschaft teils auch nicht verstehen. Warum wird zum Beispiel verboten in der großen Pyramide zu forschen. Rudolf Gantenbrink will forschen und schon wird ihm die Lizenz entzogen. Wovor haben die Archäologen denn Angst? Warum lassen sie nicht auch einen "Quacksalber" graben, wenn sie doch so sicher sind, dass derjenige eh nichts finden kann. Das sind die Fragen, die ich mir stelle. ...
RIESENSEUFZER
Die Archäologen haben Angst vor der Ignoranz, die Dilettanten und Schatzjägern zumeist eigen ist. Dilettanten sind fixiert darauf, zu finden, was sie
erwarten und wühlen sich bis dorthin durch. Sie zerstören alles, was ihnen auf dem Weg zu ihrem
"Schatz" begegnet. In der Regel gehen sie ohne Plan und ohne jegliches Grabungssystem vor und vor allem ohne jedwede Fund- und Befunddokumentation. Doch alles, was mit einer Fundstelle zusammenhängt, ist ein archäologisch relevanter Informationsträger.
Über die vielleicht noch vorhandenen Artefakte hinaus, bergen Fundstellen eine Fülle an interessanten Informationen, die bei unsachgemäßer Behandlung sehr schnell und unwiederbringlich zerstört werden. Luft-, Staub und Bodenproben aus bisher noch unentdeckten,
ungeöffneten Gängen, Schächten und Kammern der großen Pyramide vermögen Aufschluß über das Klima, die Vegetation etc. des alten Ägypten geben. Der Dilettant macht die Kammer auf, sieht rein, findet nichts, geht weiter - aber die Luft, die er mitbringt, die Kleidung, die er trägt und der moderne Dreck an seinen Schuhen
verunreinigen die Fundstätte und zerstören die Informationen, die gleichsam
unsichtbar in der Kammer ruhten.
Darum lassen Archäologen - sofern es zu verhindern ist - auch ungern einen "Quacksalber" graben. Es geht nicht darum, zu verhindern, daß er was findet, sondern darum, zu verhindern, daß er quasi im achtlosen Vorbeigehen aus Ignoranz oder Unwissenheit etwas Unersetzliches zerstört. Die Wahrscheinlichkeit, daß das passiert, ist ziemlich groß. Denn die Chance, daß Dilettanten und "Quacksalber" zufällig über etwas stolpern, was bisher noch nicht entdeckt wurde, ist nämlich leider auch ziemlich groß. Es gibt beim "Findeglück" so etwas wie eine
irrationale Gesetzmäßigkeit á la "Die dümmsten Bauern bekommen die dicksten Kartoffeln".

Es ist verrückt. Um die serbischen Massengräber im ehemaligen Jugoslawien auszugraben, wurden ausgebildete Archäologen geholt, weil sie - anders als Kriminaltechniker - über die erforderlichen Kenntnisse der Grabungstechnik und Methoden zur systematischen Befund- und Funddokumentation verfügen. Und ausgerechnet auf ihre ureigene Domäne, die archäologischen Fundstellen und Grabungsstätten, sollen dann die "Quacksalber" und Spökenkieker losgelassen werden???
