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Autor Thema: Isabelle Duquesnoy - Das Tagebuch der Constanze Mozart  (Gelesen 804 mal)

Valentine

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Isabelle Duquesnoy - Das Tagebuch der Constanze Mozart
« am: 07. November 2006, 12:35:02 »

Die achtzehnjährige Constanze Weber ist unglücklich, sie hält sich für die unattraktivste und unbegabteste der vier Weber-Mädchen, muss wegen Blutungen das Bett hüten - und ist heimlich verliebt in den Angebeteten ihrer Schwester Aloisia, den jungen, begabten Komponisten und Musiker Wolfgang Amadeus Mozart.

Während Mozart auf Konzertreise in Frankreich ist, verliebt sich Aloisia in einen anderen, und allmählich nähern sich Wolfgang und Constanze einander an.

Gegen den Willen von Mozarts Vater heiraten die beiden. Doch die glänzende Zukunft, die jeder Mozart vorausgesagt hat, tritt nicht ein, im Gegenteil fällt er in Ungnade, ist gesundheitlich angeschlagen und kämpft mit einem Schuldenberg.

In vielen Mozart-Biographien gilt Constanze als habgierige, faule Person, die Mitschuld an Mozarts Niedergang trägt. Hier sieht man sie einmal von der anderen Seite, eine Frau, die unter ihrer herrschsüchtigen Mutter genauso leidet wie unter der kühlen Zurückweisung durch Schwiegervater und Schwägerin, die von vielen Schwangerschaften ausgelaugt und vom Tod mehrerer Kinder gequält ist (von sechs Kindern überleben nur zwei das Säuglingsalter).

Das luxuriöse Leben, auf das Mozarts anfangs hofften, weicht bald ständigen Existenzängsten und schweren gesundheitlichen Problemen bei Mozart und Constanze.

Wir begleiten Constanze von der ersten Verliebtheit bis zum traurigen Höhepunkt, Mozarts Tod am 5. Dezember 1791. Das "Tagebuch" ist dem Stil der Zeit entsprechend abgefasst, zwischendurch sind Originalbriefe von Mozart eingestreut, die aufgrund seiner eigenwilligen Orthographie ein wenig schwer zu lesen, aber sehr interessant sind.

Anfangs wirkten diese Einsprengsel noch recht bemüht, mit der Zeit fügen sie sich aber immer besser ins Gesamtbild ein. Ein wenig gestört haben mich die häufigen Fäkalausdrücke, die allerdings zu jener Zeit wohl gang und gäbe waren (Mozart war diesbezüglich ja auch kein Kind von Traurigkeit). Einiges war schon recht abstoßend geschildert, zu Beginn tat ich mir damit ziemlich schwer.

Für Leser, die sich zuvor noch nicht mit Mozarts Lebensgeschichte befasst haben, wären ein paar Erläuterungen zu einigen Personen von Vorteil, da viele Namen von Hofbediensteten, Freimaurerbrüdern oder Mitgliedern der feinen Wiener Gesellschaft einfach in den Raum gestellt werden, ohne dass man sie richtig zuordnen kann.

Insgesamt ist der Roman ein gelungenes, gut recherchiertes Bild jener Zeit, im Anhang finden sich umfassende Verweise auf Fachliteratur. Abgesehen von den beschriebenen Abstrichen habe ich das Buch mit zunehmendem Vergnügen gelesen. Constanze und Mozart werden beide recht sympathisch geschildert, gegen Ende flossen bei mir auch ein paar Tränchen.

3ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:




EDIT
Huhu, ich habe den Amazon-Link eingefügt. LG Seychella
« Letzte Änderung: 01. Oktober 2007, 13:17:22 von Seychella »
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Bluebell

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Re: Isabelle Duquesnoy - Das Tagebuch der Constanze Mozart
« Antwort #1 am: 08. November 2006, 00:51:05 »

Danke für die schöne und aussagekräftige Rezension, Valentine!
Das Bild, das ich von Constanze habe, ist bisher auch eher negativ geprägt. Daher finde ich es interessant, dass dieses Buch von einem anderen Ansatz ausgeht und ihren Charakter aus einem anderen Blickwinkel beleuchtet.
Mozartbücher gäbe es wirklich einige interessante zu lesen ...
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Valentine

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Re: Isabelle Duquesnoy - Das Tagebuch der Constanze Mozart
« Antwort #2 am: 08. November 2006, 11:16:06 »

Danke  :redface:

Falls Du mal Tips zu Mozart brauchst, stehe ich gerne zur Verfügung ;) Mein Schatz ist ein riesiger Mozart-Fan und hat mittlerweile schon eine kleine Mozart-Bibliothek herumstehen.

Was ich auch klasse finde:  Mozarts Briefe, gelesen von Klaus Maria Brandauer :herz:
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Kirsten

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Re: Isabelle Duquesnoy - Das Tagebuch der Constanze Mozart
« Antwort #3 am: 13. September 2007, 08:18:41 »

Hallo!

Ich wünsche mir von Kirsten eine Rezension zu "Das Tagebuch der Constanze Mozart" von Isabelle Duquesnoy, weil ich gespannt bin, was sie von dem Buch hält :smile:

Dein Wunsch ist mir Befehl :stillgestanden: Schließlich bin ich durch Dich und Deinen Thread auf das Buch aufmerksam geworden.

Meine Meinung
Constanze Mozart ist eine unglückliche und oft unzufriedene Frau. Vor ihrer Heirat steht sie im Schatten ihrer großen Schwester Aloisia. Sie hat alles was Constanze nicht hat: sie ist schön und gesund, ist eine vielgeliebte Sängerin und wird von Mozart vergöttert, den ihre jüngere Schwester heimlich anbetet.

Auch als sich der von Aloisia verstossene Mozart schließlich Constanze zuwendet und sie heiraten will, müßen sie weitere Hindernisse überwinden, denn Mozarts Vater ist gegen die Heirat und so heiraten sie ohne seine Zustimmung. Auch wenn sich im Lauf der Zeit das Verhältnis zwischen Mozart, seinem Vater und seiner Schwester wieder verbessert erfährt Constanze von ihnen keine Zuneigung. Die Briefe, die gewechselt werden sind zwar virdergründig herzlich aber jedes Treffen ist von eisiger Kälte. Constanze bemüht sich anfangs noch um die Freundschaft von Schwiegervater und Schwägerin, aber je mehr sie zurückgestossen wird desto verbitterter schreibt sie in ihrem Tagebuch darüber.

Die Ehe mit Mozart ist geprägt von Schicksalsschlägen, denn Constanze verliert vier ihrer Kinder schon in den ersten Lebensmonaten. Doch ihrer Trauer klingt für mich nicht echt. Sie scheint die Kinder eher als ein Nebenprodukt ihrer leidenschaftlichen Liebe zu Mozart anzusehen. Wenn sie sich zwischen Reisen mit ihrem Mann oder den Kindern entscheiden muß wählt sie immer Mozart und läßt die Kinder bei Ammen zurück.

Constanze ist unzufrieden über ihre Lebensumstände, denn immer wieder müssen sie aufgrund von Geldmangel in ein schlechteres Quartier umziehen. Sie müssen sich immer wieder Geld leihen und oft hatte ich das Gefühl dass sie erwartet, die Leute geben das Geld gerne, schließlich ist Mozart ein gefeierter Komponist. Auch die Karriere Mozarts verläuft nicht so wie erwartet und auch hier gibt sie allen anderen die Schuld.

Constanze Mozart wurde mir nie wirklich sympatisch, doch ihr Tagebuch zeichnet ein farbiges Bild ihrer Zeit, deshalb ist meine Bewertung
3ratten

Liebe Grüße
Kirsten
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