Hi!
Ich empfinde die Exkurse teilweise als störend, und das aus verschiedenen Gründen. Es gibt Exkurse, bei denen mir schlichtweg das Hintergrundwissen fehlt, um zu verstehen, was Hugo ausdrücken will. Dabei geht es vor allem um Vergleiche à la
Eine Welt als Fötus in der Vorhölle, was für ein unerhörtes Bild.
Saint-Simon, Owen und Fourier sind auch da, in Nebenhöhlen
Marius, 7. Buch (Patron-Minette), 1. KapitelSolche tauchen immer wieder auf, und ich bin dann leicht genervt, weil ich keine Ahnung habe, wovon Hugo da spricht. Und im Anhang ist einzig zu Robert Owen eine Erklärung zu finden. Wobei ich es längst aufgegeben habe, den Anhang zu konsultieren, da der mich meist auch nicht weiter bringt. Ich weiss dann zwar, dass Owen ein Industrieller war, der als Geister Vater der Gewerkschaften gilt. Aber ich weiss dann immer noch nicht, ob Hugo die Andeutung deswegen gemacht hat und was Saint-Simon und Fourier damit zu tun haben.
Natürlich könnte ich mir Sekundärliteratur kaufen und der Sache auf den Grund gehen. Aber dazu interessiert es mich - offen gesagt - dann doch zu wenig. Ich merke, dass ich solche Passagen dann nicht mit hundertprozentiger Konzentration lese...
Und dann gibts da noch die philosophischen Exkurse. Der letzte, der mir grad untergekommen ist, ist der über den Unterschied zwischen einem Aufstand und einem Aufruhr. (Teil 4, 9. Buch, Kapitel 1 bis 2). Hugos Ansichten und Überlegungen mögen interessant sein, wenn man sich dafür interessiert. Das tue ich aber nicht. So wie sich andere Leute nicht dafür interessieren, ob Harry Potter am Ende von Band 7 noch lebt, interessiere ich mich nicht für Victor Hugos philosophische Ansichten... Und deshalb kann ich mit solchen Passagen wenig bis gar nichts anfangen.
Andere Exkurse, wie etwa die Schlacht von Waterloo oder die Erklärungen zum Wesen des Pariser Strassenjungen, fand ich dann wieder sehr lesenswert. Der Unterschied zu den anderen Exkursen ist, dass er dort entweder eine Geschichte erzählt (Waterloo) oder so über ein Thema spricht, dass man auch als Leser im 21. Jahrhundert noch nachvollziehen kann, was er meint. Sowieso: Seine Charakter- und Personenbeschreibungen sind das, was mir an "Die Elenden" am besten gefällt. Da darf er dann gerne ausführlich sein.
6. Buch:Ich muss Doris Recht geben: Das Verhalten von Eponine und Gavroche scheint mir auch seltsam. Ob da noch eine nährere Erklärung dazu kommt? Bei Eponine könnte ich mir vorstellen, dass sie in Marius verliebt ist und ihn deshalb beschützen will. Gavroche ist sowieso ein Spezialfall, der Junge ist echt seltsam... Was mich übrigens vermehrt dieses Gesicht

machen lässt, ist die schier unendliche Häufung von Zufällen. Gavroche nimmt ausgerechnet seine beiden Brüder (es kann niemand anderes sein) bei sich auf. sandhofer hat doch im "SUB-Listen-Wettbewerb 2007"-Thread geschrieben, dass man sowas heute nicht mal mehr in den billigsten Groschenromanen durchgehen lassen würde. Richtig.

Liebe Grüsse
Alfa Romea