Nachdem ich "Flammenbucht" nach mehr als 5 Jahren nun zum zweiten Mal gelesen habe, kann ich sagen, dass das Buch
mit winzigen Abstrichen auch dem Re-read standgehalten hat!

Die Handlung und Besonderheiten, wie die Komplexität der Geschichte und die Ambivalenz der Charaktere, hat Nimue ja schon sehr schön beschrieben; dazu möchte ich gar nicht mehr viel ergänzen. Es war schwierig, Sympathien und Antipathien zu verteilen, und des öfteren musste ich eine bereits gefasste Meinung relativieren. Außerdem ist dem Autor meiner Meinung nach ein psychologischer Kunstgriff gelungen. Und zwar veränderten sich teilweise je nachdem, welcher Handlungsstrang gerade geschildert wurde, die Interessen, mit denen ich mich identifizierte und somit auch die Richtung, wie ich mir den weiteren Handlungsverlauf "wünschte".
So waren aus Sicht der Goldéi die Fehler der Menschen völlig klar und auch, dass diese rückgängig gemacht werden müssen, damit die Sphärenwesen nicht vollständig aussterben. Man hält also zu Laghanos, als er sich dazu entschießt, den Goldéi zu vertrauen und sie zu unterstützen.
Als jedoch der Konflikt zwischen Sternengänger und Mondschlund erklärt wird und herauskommt, dass Sternengänger (Durta Slargin) sowohl die Goldéi als auch Laghanos für seine Zwecke manipuliert und benutzt, möchte man wiederum, dass es Nhordukael gelingt, den Feldzug zu stoppen und Laghanos aufzuhalten. Man versteht, dass Sternengänger seinen Fehler eingesehen hat und korrigieren möchte, aber gleichzeitig wirkt es, als ob er vor hat ihn 1:1 noch einmal zu begehen.
Jedoch fragt man sich im nächsten Moment, was die Alternative wäre und ob man Mondschlund so trauen kann, wie es im Moment aussieht (ich vermute, dass die zwei Folgebände auch da noch die eine oder andere Überraschung parat haben).
Vieles in dem Buch lässt sich als Metapher auf unsere Welt lesen - auf Politik, auf Religion, auf das Verhältnis zwischen Mensch und Natur. Ich finde es sehr realistisch dargestellt, aus wie vielen Mosaiksteinchen Konflikte – nationale, internationale oder religiöse genauso wie kleinere, zwischenmenschliche – bestehen und dass es sehr schwierig ist, sich einen umfassenden Überblick zu verschaffen und darauf hin seine Meinung zu bilden.
Auch gewisse literarische Assoziationen blieben nicht aus, so hatten Baniter und Jundala für mich durchaus etwas vom Ehepaar Macbeth, und auch wenn Vergleiche mit dem Herrn der Ringe im Fantasygenre generell nicht so schmeichelhaft ausfallen, war Rumos/Carputon für mich eine spannende Variation des Gollum/Smeagol-Themas.
Spannend war „Flammenbucht“ überhaupt von Anfang an, aber besonders in der zweiten Hälfte des Buches hatte ich den Eindruck, dass die Geschichte außerdem an Tiefe zulegt und auch gegenüber „Nebelriss“ noch mal gewinnt. Dasselbe gilt für die Sprache, wenn ich auch über vereinzelte (insgesamt aber auf alle Fälle verzeihliche) Grammatik- oder Ausdrucksfehler mit den Zähnen knirschen musste.
Fazit: Eine absolut würdige Fortsetzung von „Nebelriss“, nach der ich mir nun endlich einmal auch die letzten beiden Bände der Tetralogie vornehmen will!

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