@ Cat:
Chronologisch zu Anfang stellt sich heraus, daß gewisse hellglänzende Drachen ein klitzekleines Handicap haben. Wenn deren Reiterinnen auch auf zu Kampf und Streit ziehen wollen, brauchen sie Waffen. Also.......
Buchentstehungstechnisch setzt die Saga zu einer Zeit ein, als jene gewissen Drachen nicht mehr so viel herumflattern. Weil zudem lange keine Sporen vom Himmel fielen, brauchten sie das auch nicht. In dieser Phase ging das Prinzip koppheister. Dann aber droht eine neue Phase der Annäherung, also suchen die Herrschaften nach Problembekämpfungsmitteln. In irgendeinem Buch räumt jemand gewissermaßen den Keller auf und wird fündig und dann ist da noch die Episode mit dem Teppich und der Bastelanleitung. Und schließlich kommen
alte Freunde zu Besuch - und rate mal, was sie mitbringen?
Bei den Leuchtkörben ist mir
trübe *lach* in Erinnerung, daß es angeblich eine schmutzige und anstrengende Arbeit sein soll, sie zu reinigen. Nur von was? - da bin ich überfragt. Leuchtpilze vielleicht??

Auf die Schnelle nachschauen...... entweder bei *Nerilka* oder dem Buch, das die Kindheit der späteren Chorleiterin schildert - in beiden Fällen enthalten die Anfangskapitel Passagen, die sich auf Haushaltsfragen beziehen.
Von Revolution ist kaum eine Spur vorhanden - außer chronologisch dem Ende zu technische Revolution mit einem Hauch industrieller Revolution. Andererseits ist das aber mehr eine Wiederentdeckung alten Wissens und alter Technik.
Daß in jedem Buch der uralte K(r)ampf zwischen Alt und Jung in Form individueller Rebellion gegen die Elterngeneration eine Rolle spielt, relativiert nicht die gesellschaftliche Grundordnung. Individuelle Revolution führt dann auch jeweils dazu, das System schlußendlich zu akzeptieren und sich in die Gemeinschaft einzufügen, aber nicht zu Umsturzversuchen - schon gar nicht von unten. Vom Kampf gegen die Obrigkeit ist wenig zu spüren - wie denn auch? Einerseits gibt es keine staatliche Obrigkeit in dem Sinne und andererseits ist es die Geschichte der oberen Zehntausend, die hier vor allem erzählt wird. Und wenn jemand von
unten kommt, landet er am Ende meist
oben, was ja am Beispiel eines früheren Fischers dann auch wieder für ziemliche Probleme und Spannungen sorgt.
Die vielfachen Kontroversen zwischen Innovation und Tradition stellen nicht die pernesische Weltordnung in Frage. Chronologisch wird jedoch eine über Jahrhunderte sich hinziehende Zeitlinie abgespult, die dann natürlich über die Bücher hinweg wesentlich mehr Einblicke in gesellschaftliche Zustände ermöglicht als das bei einem Buch oder einer Serie möglich ist, die nur eine einzige Zeitphase behandelt und lediglich innerhalb dieses Rahmens z.B. alte Legenden und Buchwissen ins Spiel bringen kann, um rückwärtige Epochen solcherart gefiltert zu beleuchten.
Die Spannungen zwischen beiden Prinzipien fallen deswegen mitunter so scharf und dadurch deutlich aus, weil McCaffrey sich ziemlich früh eines Deus ex machina Tricks bedient, Angehörige der älteren Generation umtopft und mit dem Zustand einer Gesellschaftsordnung konfrontiert, deren Entstehungsgeschichte ihnen fremd ist. Die meisten globalen Konflikte speisen sich direkt oder indirekt aus einer Spannung zwischen einem Teil der Großvatergeneration und der ihrer Enkel, die mehrfach zu eskalieren droht. Als Ergebnis ist damit allerdings keine Revolution verbunden, sondern es kommt lediglich zu einem gesellschaftlichen Konsens, das Rad der Geschichte nicht künstlich zurückzudrehen, sondern den Status Quo einer kontinuierlich ablaufenden Reformation bestehender Verhältnisse zu akzeptieren,
ohne dabei allerdings deren Grundgliederung anzutasten.
Wie kommst DU darauf, daß Sexualität nur
angedeutet wird? Da wird in etlichen Bänden mehr als nur angedeutet, davon ist doch sozusagen naturgemäß aus drachentechnischen Gründen andauernd die Rede. Und die Drachen haben ja auch ein Wörtchen dabei mitzureden, wer da nun mit wem und warum. Mal abgesehen davon, daß gewisse Entscheidungen gewisser Drachen das politische Machtgefüge eines ganzen Haushalts neu ordnen können. Und dann der Zirkus, jedesmal wenn die kleinen Verwandten ihren Rappel kriegen, z.B. auf Schiffsreisen.....
Was Dir an längeren Szenen in punkto Akt oder Beischlafszenarien vor Augen stehen könnte, weiß ich nicht. Außer Du meinst jene Episode, die man ebenso falsch wie frei nach Wilhelm Busch mit den Worten *...Doch jeder Jüngling hat wohl mal 'n Hang zum Küchenpersonal...* umschreiben könnte?
Was ich meinte, war mehr die Art der Personenzeichnung einzelner Protagonisten - manchmal Barone, manchmal Reiter sowie einiger Frauen der oberen Zehntausend. Ich räume jedoch ein, daß an diesem Zerrbild teilweise vielleicht auch die Buchcover der älteren Ausgaben nicht ganz unschuldig gewesen sein können.
Insgesamt bezog ich mich jedoch vornehmlich auf McCaffreys Werke diesseits und jenseits von Pern. Im Pern-Zyklus wird diese Vorliebe von ihr - wie erwähnt - nicht so deutlich, in anderen Büchern dagegen gibt es Stellen, die durch die Art der beschriebenen Wahrnehmung des jeweils anderen Geschlechts durch Frau/Mann bedenklich in Richtung von Schmachtfetzen im SF-Kleid gehen.
Im Grunde endet die Saga um Pern ziemlich düster. Die Schlacht ist geschlagen und alle gehen nach Hause. Der feindliche Himmelskörper ist besiegt und damit haben die Drachen keine Funktion mehr. Ihre Zahl wird im Verlaufe der kommenden Jahrzehnte und Jahrhunderte immer weiter abnehmen. Sie wurden zu einem bestimmten Zweck geschaffen, dieser Zweck ist erfüllt. Es gibt keine neuen Herausforderungen, denen sich Drachenreiter und Drachen stellen könnten. Ihre Zeit ist vorbei - sie wissen es nur noch nicht. Außer einem einzigen Drachen/Reiter, die auch die einzigen modernen Wesen des Planeten sind - was sie irgendwie sehr, sehr einsam macht.
Wollte man über die voraussichtliche (virtuelle) Entwicklung der Gesellschaft von Pern spekulieren, so ist der Weg, den sie nehmen wird, vorgezeichnet. Die Aussiedler (Landnahmegeneration) hatten sich für eine rustikale Lebensweise ohne ein Übermaß technologischer Hilfsmittel entschieden, was den Verzicht auf Computer, Fahrzeuge etc. einschloß. Damit mußte auf Anleitung einer K.I. - eines weiteren Deus ex machina (buchstäblich!) - gebrochen werden, um sich im Hauruckverfahren (á la Japan nach dem Besuch von Perry) von einer primitiven, feudalistischen Gesellschaft in eine frühindustrielle mit Rückgriff auf Hochtechnologie zu wandeln. Diese Entwicklung erfaßte nicht die gesamte Gesellschaft, sondern nur einen elitären Teil davon, der zum ausführenden Instrument wird - sozusagen Neandertaler, denen man eine Laserpistole in die Hand drückt. Sie kapieren zwar nicht, wie sie funktioniert, aber die Ergebnisse sind beeindruckend.
Die pernesische Gesellschaft ist jedoch zum Stillstand verdammt. Die Ordnung aus Baronien und Großgrundbesitzern als Spitze der Hierarchie ist festgeschrieben, dazu kommen vorübergehend die Weyr, die sich aber mit der Zeit auflösen und mit dem Aussterben der Drachen ganz verschwinden werden, nachdem es vorher eine zeitlang Grundbesitzer mit Drachen und solche ohne Drachen gegeben haben wird. Allenfalls entlang dieser Trennlinie könnte neuer Konfliktstoff entstehen.
Insgesamt wird sich der Planet aber wieder in eine *mittelalterlich anmutende* *lach* Welt zurückentwickeln, einer Entwicklung, der sich allenfalls die die Gesellschaft verbindende Klammer der Harfner- und Handwerkergilden entgegenstemmen könnte, falls sie das Zeug haben, sich zur Wissenschaft zu mausern. Im Widerstand gegen diese Entwicklung in Form buchstäblicher Maschinenstürmerei zeigen sich dann auch erste Zeichen, daß Teile von Pern mit der Entstehung einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft ganz und gar nicht einverstanden sind.
Das Ende der Saga führt wieder zum Anfang zurück. Der Kreis hat sich geschlossen. Die Bühne ist leer und der Vorhang senkt sich. Die gerade erst aufgeflammten Lichter fortschrittlicher Zivilisation verlöschen wieder.
Daß dennoch weitere Bände in den Pern-Zyklus eingefädelt werden und der Sohn von McCaffrey die Produktion weiterlaufen läßt, ist so überflüssig wie sonstwas. Er kann im Rahmen der Saga nichts Neues mehr erzählen, nur den kalten Kaffee wieder und wieder in neuen Versionen aufkochen.