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Autor Thema: Auktoriale Exkurse und Kommentare  (Gelesen 939 mal)

sandhofer

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Auktoriale Exkurse und Kommentare
« am: 30. Oktober 2006, 12:31:55 »

Hallo zusammen!

Ich habe gerade ein bisschen gestöbert nach Kommentaren zu Victor Hugos Roman Les Misérables (Die Elenden). Auch in Kommentaren oder Leserunden zu andern Werken der Weltliteratur (Tolstoi, Lem) meine ich, das eine oder andere Mal Diesbezügliches gelesen zu haben.

Es geht um Folgendes: Alle grossen Romane (v.a. des 19. Jahrhunderts) schildern ja nicht nur Einzelschicksale sondern gesellschaftliche und/oder politische Entwicklungen. Um das tun zu können, greifen diese Autoren dann zu Exkursen oder kommentieren die Ereignisse.

Ich persönlich liiiiiiebe solche Exkurse  :smile: . Victor Hugo ist dort am besten, wo er aus der Schilderung heraustritt und den Leser zwei, drei Schritte zurückgehen lässt. Nur so kann das ganze auf einen wirken, finde ich.

Ich weiss zwar, dass es sehr auf Handlung fixierte LeserInnen gibt, finde aber, dass diese das Schönste verpassen ...  :zwinker:

Grüsse

Sandhofer
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Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

Alfa_Romea

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Re: Auktoriale Exkurse und Kommentare
« Antwort #1 am: 30. Oktober 2006, 13:33:26 »

Hi!

Zitat von: sandhofer
Ich persönlich liiiiiiebe solche Exkurse  :smile:

Ich mittlerweile auch - ich habe allerdings einige Zeit gebraucht, solche Exkurse zu schätzen. Ich gehörte eben auch zu denen, die lieber mehr Handlung und weniger Hintergrund haben. Nachdem ich dieses Posting und deine Rezension zu "Die Elenden" gelesen habe, darf ich mich wohl auf die Leserunde in zwei Wochen freuen  :smile:

Mein Lieblingsautor Neal Stephenson nimmt sich übrigens auch Zeit für Exkurse: In der Barock-Trilogie finden sich ganze Abhandlungen bsp. zum Schiffsbau oder zur Konstruktion einer Rechenmaschine. Daneben gibt es auch seitenlange philosophische Gespräche über die Vereinbarkeit von Gott und Wissenschaft oder über das Finanzwesen der damaligen Zeit (17./18. Jhd). Und das alles, ohne dass diese Exkurse viel zur Sache täten  :zwinker: Aber einfach wunderschön zu lesen... Wenn du also mal irgendwann nicht mehr weisst, was du lesen sollst, würde ich dir dieses Werk empfehlen.

Liebe Grüsse

Alfa Romea
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Kirsten

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Re: Auktoriale Exkurse und Kommentare
« Antwort #2 am: 30. Oktober 2006, 13:55:55 »

Hallo!

Ich mag Exkurse auch- allerdings dürfen sie mich nicht zu weit vom eigentlichen Thema wegführen. Vor kurzem habe ich von WH Murray Rob Roy- his life and times gelesen, in dem mir die Erklärungen zu den "times" fast ein bisschen zu viel waren. Natürlich ging es in diesem Buch nicht nur um die Person, sondern eben auch um die politische Situation Schottlands und die Lebensumstände der Menschen (Dinge, die mich sehr interessieren), aber teilweise ging mir der Autor zu sehr ins Detail. Wie ich schon im Thread zu diesem Buch geschrieben habe, fand ich manchmal unnötig, wie z.B. bei Verwandschaftsverhältnissen ins allerkleinste Detail gegangen wurde. Das hatte meiner Meinung nach weder mit dem Leben noch mit den Zeiten etwas zu tun :rollen:

Auf der anderen Seite begebe ich mich bei manchen Büchern oft freiweillig auf einen kleinen Ausflug, nämlich dann, wenn eine Begebenheit nur angeschnitten wird und ich gerne mehr darüber erfahren würde.

Liebe Grüße
Kirsten
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HoldenCaulfield

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Re: Auktoriale Exkurse und Kommentare
« Antwort #3 am: 30. Oktober 2006, 14:48:57 »

Auch ich schätze Exkurse. Anna Karenina fand ich gerade deshalb auch so toll weil der Roman sich eben nicht nur an der Liebesgeschichte festhält - das hätte ich dann doch eher langweilig gefunden. AK ist finde ich auch gerade deshalb so interessant weil eben auch das Leben hinter den Kulissen beschrieben wird.
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Sonnenschirm

Klassikfreund

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Re: Auktoriale Exkurse und Kommentare
« Antwort #4 am: 30. Oktober 2006, 18:05:37 »



Ich persönlich liiiiiiebe solche Exkurse  :smile: . Victor Hugo ist dort am besten, wo er aus der Schilderung heraustritt und den Leser zwei, drei Schritte zurückgehen lässt. Nur so kann das ganze auf einen wirken, finde ich.


Hallo,

bei der Beschreibung des unterirdischen Kanalsystems finde ich Hugo wirklich großartig, anders in der 50-seitigen? Beschreibung der Schlacht bei Waterloo. Da habe ich das Gefühl, der Autor will mich mit seiner politischen Ansicht nur belästigen. Wenn die Romanhandlung vollkommen in den Hintergrund tritt, dann finde ich das nicht gerade gelungen. Wenn ich ein Sachbuch lesen wollte, dann würde ich das tun.

Schöne Grüße,
Thomas
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Phistomefel

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Re: Auktoriale Exkurse und Kommentare
« Antwort #5 am: 30. Oktober 2006, 21:31:23 »

Zum ersten Mal kam mir das unter, als ich Jane Austens 'Die Abtei von Northanger' las, in dem sie plötzlich Stellung bezieht zum damaligen Ansehen von Romanen und Romanlesern, auf die zu dieser Zeit mitunter sehr von oben herabgeblickt wurde.
Ich war richtig überrascht und fühlte mich der Autorin dadurch ein ganzes Stück näher.

Nicht gefallen hat mir der Kommentar zu Beginn jedes Kapitels in 'Tom Jones', wo die Geschehnisse des Buches von Fielding moralisch aufgearbeitet und gewertet werden (Es ist schon etwas länger her, dass ich das Buch gelesen habe, darum verbessert mich ruhig, wenn das falsch ist). Nach einigen Kapiteln jedoch erklärt der Autor die Funktion dieser Einführungen, und ab dem Punkt fand ich sie richtig gut. Leider kann ich mich auch an diese Erklärung nicht mehr genau erinnern, ich blättere nochmal nach.

LG,
Anna
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(Thomas Carlyle)

dumbler

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Re: Auktoriale Exkurse und Kommentare
« Antwort #6 am: 30. Oktober 2006, 21:32:44 »

Diese Exkurse weiß ich auch sehr zu schätzen. Zu erfahren, in welchen Umständen die Protagonisten sich befinden, wie die Umgebung sich verhält, zu erfahren, wie die Geschichte zu Geschichte wird. Die Kamera muß nicht pausenlos den Hauptdarsteller festhalten, sie darf gerne einige Schritte zurückgehen - oder eben auch auf bestimmte Stellen heranzoomen, die nicht direkt mit der Handlung verwoben ist. Allerdings sollte alles schlüssig wirken, nicht dazu gedacht, Seiten zu füllen. Vollführen diese Exkurse jedoch einen zu großzügigen Bogen um die Handlung, wo sie nach 50 Seiten wieder an den Ursprung zurückkehren, sollte dies so geschrieben sein, daß der Leser nicht zurückblättern muß um den Faden zu finden.
Ist doch fein, wenn man neben der Unterhaltung dazulernen kann.

Gruß,
dumbler
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