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Autor Thema: Viola Alvarez - Die Nebel des Morgens  (Gelesen 4232 mal)

Geli

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Re: Viola Alvarez - Die Nebel des Morgens
« Antwort #15 am: 09. Januar 2008, 10:16:45 »

Dem hab ich gar nichts mehr hinzuzufügen, ausser dass "Die Nebel des Morgens" eigentlich kein historischer Roman ist, sondern genau wie "Das Herz des Königs" eine wundervolle Sagenadaption.

Darf ich trotzdem  5ratten vrgeben?  :redface:
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qantaqa

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Re: Viola Alvarez - Die Nebel des Morgens
« Antwort #16 am: 13. Januar 2008, 17:58:50 »

Der Nibelungen-/Wälsungenstoff fasziniert mich seit meiner Jugend, ich habe fast alles zu diesem Thema gelesen, ob Roman oder Sachbuch, aber ich habe noch nie eine Sagenadaption gelesen, die mir so ans Herz gegangen ist, wie Die Nebel des Morgens (außer vielleicht Die Feuer von Troja von MZB, aber das ist wieder eine andere Geschichte). Frau Alvarez' Schreibstil hat mich schon in Das Herz des Königs völlig überzeugt und mitgerissen. Der Leser wird durch ein Wechselbad der Gefühle gejagt: mal wunderbar beschreibend und melancholisch, dann wieder komisch bis zum Slapstick; diese Mischung beherrscht Frau Alvarez meisterhaft.

Natürlich ist es schwierig eine Geschichte zu erzählen, die jeder kennt, ohne wiederzukäuen. Das hat mich sehr neugierig gemacht. Viola Alvarez erzählt die Geschichte ohne Pathos und zeichnet ein wunderbar stimmungsvolles Bild einer unruhigen Zeit, der Zeit der Völkerwanderung. Das Römische Reich zerbricht, die alten Sitten und Gebräuche werden durch den neuen Glauben und die damit verbundenen Lebensregeln abgelöst. Die Menschen sind orientierungslos. Diese großen geschichtlichen Umwälzungen ziehen sich auch durch das Schicksal der handelnden Personen: die Sachsen und Hunnen vor der Tür, das noch ungefestigte Christentum und der eigentlich noch fest verwurzelte Glaube an die alten Götter, Bekehrungsversuche und erste Bestrafungsaktionen. Das ist stimmig erzählt.

Als wohltuend empfand ich das Fehlen jeder Magie, die natürlich in einer Sage vorkommen darf, hier aber nur gestört hätte. Drache, Zwerg und Tarnkappe sind letztlich nur Aufschneidereien eines allzu selbstverliebten Recken, dem in Worms langweilig ist und der ein wenig Garn spinnt.

Ich gebe zu, dass meine Sympathien in allen Büchern, die ich gelesen habe, auf Seiten Brynhilds lagen, die so ungeheuerlich betrogen worden war. Diesem Betrug gibt Viola Alvarez eine ganz neue Dimension, die mich stark berührt hat. Der Gürtel bekommt hier eine ganz andere Bedeutung: nicht das Kraftsymbol eines muskelbepackten Mannweibs sondern neben dem Ring mit dem Wolfshaar die einzige Verbindung einer einsamen, gebrochenen Frau, eingesperrt und isoliert, zu ihrer Heimat und ihrer Familie, zu ihrem früheren glücklichen Leben in Freiheit.
Die Beschreibung von Brynhilds Ahnenreihe hat mir sehr gut gefallen und macht deutlich, wie Brynhild die Frau werden konnte, die sie war, als Siegfried für Gunther um sie warb. Umso schmerzhafter der Schnitt, als ihr dämmerte, was man ihr angetan hatte.
Auch dem "grimmigen" Hagen galten immer meine Sympathien, weil er so ambivalent ist; die einzige Figur, die auch im Nibelungenlied Kontrast aufweist, während die anderen Personen flach bleiben. Hier lernt man den düsteren, im alten Glauben verhafteten Mann mit dem ausgeprägten Gefühl zur Pflichterfüllung noch von einer ganz anderen Seite kennen und diese Seite ist absolut glaubwürdig.

Ein wirklich gutes Buch, für das ich  5ratten  vergebe. Mein  :tipp: des Monats Januar.

 
« Letzte Änderung: 13. Januar 2008, 18:10:08 von qantaqa »
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Liadan

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Re: Viola Alvarez - Die Nebel des Morgens
« Antwort #17 am: 15. Juli 2008, 10:40:49 »

Hi!

Da es schon soviele gute Rezis gibt nur was kurzes von mir:

Anfangs hatte ich Probleme mich in die Geschichte einzufinden, es plätscherte so dahin und war fast schon langweilig. Aber dann, als Siegfried an den Hof kommt, geht die Geschichte richtig los und nimmt ordentlich Fahrt auf. Spätestens da war ich völlig im Sog der Sage. Jetzt wo ich das Buch zu Ende gelesen habe, spüre ich dieses kleine Loch, was bei mir bestimmte Bücher hinterlassen. Bücher, deren Figuren mir ans Herz gewachsen sind, mit denen ich mich identifiziert habe, mit denen ich getrauert, geliebt, geweint, gelacht habe.
Ich bin froh, dass ich mich durchgekämpft habe, denn es hat sich so sehr gelohnt.

 5ratten
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Antw:Viola Alvarez - Die Nebel des Morgens
« Antwort #18 am: 03. Juni 2009, 10:12:38 »

In einem Käfig schleppt man ihn durch die Lande, um ihn am Ende vor den Mann zu bringen, den er seit seiner Kindheit hasst: Bryndt Högnisson, den letzten Nachfahren der Nibelungen, den einzigen, der noch weiß, was damals, vor 40 Jahren, wirklich geschehen ist am Hof von König Gunther.

Gunther, ein weichlicher Schwächling, hat nach dem Tode seines Vaters notgedrungen den Thron bestiegen, stets angeleitet und beraten von Hagen, der ihn, seine Brüder und Generationen von anderen Jungen in Kampf und Strategie unterwiesen hatte. Hagen, der Einäugige, der Undurchsichtige, dessen Vergangenheit nebelhaft ist und der nie zu lachen scheint, ist derjenige, der in Wahrheit sämtliche Fäden in der Hand hält bei den zahlreichen Kämpfen mit benachbarten und verfeindeten Stämmen.

Hoch im Norden wächst derweil als Nachfahrin der legendären Urmutter Yenka mit den blauen Zähnen Brynhild auf, eine junge Frau mit unglaublicher Kraft und Kampfeslust, die Heiratskandidaten danach beurteilt, ob sie sie im Baumstammwerfen besiegen kann. Ihr hat man bei ihrer Geburt prophezeit, dass eine Reise übers Meer zu ihrem Verhängnis werden würde.

Eines Tages taucht an Gunthers Hof Siegfried auf, eine faszinierende Gestalt, die alle in ihren Bann schlägt, nicht zuletzt Gunthers Schwester Krimhild, die ihr Leben bisher abgeschieden im Frauentrakt verbracht hat. Man schickt ihn eines Tages nach Norden, um einen Waffenhandel für Gunther abzuschließen und ihm im Gegenzug eine Braut mitzubringen - und so beginnt, was eines Tages tragisch enden wird.

Viola Alvarez tut in diesem Roman erneut, worauf sie sich wunderbar versteht: sie zäumt eine altbekannte Sage von hinten auf. Hier ist nicht Jung Siegfried der strahlende Ritter und Held und Hagen der finstere Bösewicht, sondern er wirkt ein bisschen suspekt und oberflächlich, während Hagen bei aller Düsternis als kluger Stratege und Lehrer dargestellt wird, der trotz seiner harten Schale auch zu tiefer Liebe imstande ist. Brynhild ist keine schwerterfuchtelnde Walküre und Krimhild nicht die Lieblichkeit in Person.

Die Sympathien sind demnach etwas anders verteilt, als man es von der Nibelungensage her kennt, und gerade deshalb macht es Freude, diese Geschichte unter anderen Vorzeichen zu lesen. Allerdings nicht von Anfang an - diesmal fiel es mir relativ schwer, mich in das Buch einzufinden, da es, wie bei den Skalden üblich, erst einmal mit einer längeren Ahnenreihe losgeht, zu der man natürlich nur schwerlich eine Beziehung aufbauen kann, und mir zudem die Sprache zuerst als ein merkwürdiger Mix aus altertümelnd und flapsig erschien.

Sobald aber die Handlung richtig in Fahrt kommt und man zu den Geschehnissen vordringt, die man aus der Sage kennt, sind diese Startschwierigkeiten Nebensache, und man taucht in eine Welt aus Intrigen und Machtspielchen ein, in der Liebe eigentlich Nebensache ist und am Ende doch der Auslöser für das blutige Ende. Bei den Kampfszenen nimmt Viola Alvarez kein Blatt vor den Mund, da rollen einige Köpfe und spritzt das Blut, allzu zimperlich sollte man beim Lesen nicht unbedingt sein. Allzu breiten Raum nehmen diese Bilder jedoch zum Glück nicht ein. Was mir auch gefallen hat, war der Verzicht auf sämtliche märchenhaften Elemente. Zwerge und Tarnkappen werden nur mal am Rande erwähnt und als Phantastereien abgetan.

Wer Lust hat auf einen ungewöhnlichen historischen Roman, der weitab von abgedroschenen Frauen in Hosenrollen und heißen Liebesszenen liegt und mit Klischees höchstens ein wenig spielt, ist bei Alvarez stets an der richtigen Adresse, und so kann ich auch dieses Buch trotz der Probleme am Anfang guten Gewissens empfehlen.

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Annabas

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Antw:Viola Alvarez - Die Nebel des Morgens
« Antwort #19 am: 03. Juni 2009, 13:08:47 »

Hallo miteinander,

dass das Buch toll ist, merkt man schon daran, dass ich seit über einem Jahr einen Suchauftrag dafür im Tauschticket laufen habe, und es wurde in der Zeit nicht angeboten. Ich werde es mir wohl doch im Laden kaufen müssen. :smile:

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Annabas

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Antw:Viola Alvarez - Die Nebel des Morgens
« Antwort #20 am: 20. Februar 2010, 20:33:08 »


Viola Alvarez – Die Nebel des Morgens



Der erste Satz:

„Das wahre Nebelland liegt zwischen gestern und heute.“

Meine Meinung zum Buch:

Viola Alvarez erzählt die Nibelungensage aus einer anderen Sicht: aus dem Blick des Bryndt Högnisson, des Sohnes von Brynhild und Hagen von Tronje. Und wie schon „Das Herz des Königs“, in welchem sie der Sage von Tristan und Isolde neues Leben gibt, kann man auch in diesem Buch ganz neue Seiten in einer alten Sage entdecken.

Angenehm erschien mir, dass die Geschichte ohne magische Elemente auskommt – es gibt keinen Drachen, keinen Alberich, keinen Goldschatz. Sie wird erzählt, wie sie sich hätte real zutragen können. Damit wurde die Sage ein bisschen entstaubt, denn ohne die märchenhaften Elemente steht die sehr spannende Handlung viel stärker im Vordergrund.

Die Nibelungensage mochte ich schon als Kind und ich stand (und stehe) immer auf Seiten Brynhilds – Kriemhild war (ist) mir zu fad und zu „schön“. Deshalb habe ich mich gefreut, dass auch in diesem Buch die Sympathie eindeutig bei Brynhild liegt, die so schäbig hintergangen wurde. Hagen wird weniger düster dargestellt und Siegfried weniger heldenhaft, am Hof von Burgund sind auch keine Helden unterwegs, sondern Menschen mit Machtinteressen, alles ist eben menschlicher und weniger heroisch, was der Geschichte, die ich (in Nacherzählungen) schon so oft gelesen und gehört habe, ein frisches Gesicht gibt.

Vom Stil her liest sich das Buch etwas getragen, man muss sich daran gewöhnen und sich auch darauf einlassen, aber dann kann man sich von der Sprache auch buchstäblich in die Geschichte hineintragen lassen. Das Lesen war daher am Anfang nicht sofort leicht und eingängig, aber es lohnt sich, dran zu bleiben.

Das Buch hat mir sehr schöne Lesestunden beschert. „Das Herz des Königs“ hat mir zwar einen Tick besser gefallen, aber eine tolle Empfehlung ist es allemal.

Meine Bewertung: 4ratten       :tipp:

Viele Grüße von Annabas    :winken:
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kathchen

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Re: Antw:Viola Alvarez - Die Nebel des Morgens
« Antwort #21 am: 05. Februar 2011, 23:48:51 »

 :winken:

Ich bin momentan mittendrin in den Nibelungen und ich muss sagen, ich kann mich den begeisterten Meinungen bisher wirklich anschließen.
Vorallem auch die Idee, das Buch aus der Sichtweise von Bryndt zu schreiben, der davon berichtet, was seinen Eltern passiert ist, finde ich klasse. Und Bryndt tut mir richtig Leid :traurig:

Angenehm erschien mir, dass die Geschichte ohne magische Elemente auskommt – es gibt keinen Drachen, keinen Alberich, keinen Goldschatz. Sie wird erzählt, wie sie sich hätte real zutragen können. Damit wurde die Sage ein bisschen entstaubt, denn ohne die märchenhaften Elemente steht die sehr spannende Handlung viel stärker im Vordergrund.

Das finde ich auch wirklich toll! Ich habe zwar anfangs als auf einen Drachen gewartet oder auf die Tarnkappe, gerade auch als Siegfried Brynhild aus dem Norden holen wollte, aber so gibt es der Handlung, die man ja im Groben kennt, gleich noch mehr Spannung.

"Die Nebel des Morgens" ist übrigens mein erstes Buch von Viola Alvarez und ich bin wirklich froh, bereits "Das Herz des Königs" und "Wer gab dir, Liebe, die Gewalt" auf dem SUB zu haben, denn die Bücher scheint es jetzt wohl nur noch gebraucht zu geben...
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Re: Viola Alvarez - Die Nebel des Morgens
« Antwort #22 am: 07. Februar 2011, 11:49:35 »

Freut mich, dass Du auch so begeistert bist! Viola Alvarez ist für mich eine der besten Autorinnen auf diesem Gebiet, weil sie so einen wunderbar eigenen Schreibstil hat und es versteht, bekannte Geschichten aus einem neuen Blickwinkel zu schildern.

Wenn Du die anderen beiden Bücher schon auf dem SUB hast, kannst Du Dich auf zwei weitere Highlights freuen. Mein Liebling von ihr ist "Das Herz des Königs" :herz:
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HoldenCaulfield

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Re: Viola Alvarez - Die Nebel des Morgens
« Antwort #23 am: 07. Februar 2011, 13:51:49 »

Die Nebel des Morgens fehlt mir ja noch, komischer weise, denn von der Thematik her ist der Roman total mein Beuteschema. Ich hab eine extreme Schwäche für die Nibelungen und finde es immer wieder spannend was sich Autoren dazu einfallen lassen. Mir persönlich hat Das Herz des Königs ja nicht so gut gefallen. Dafür fand ich "Wer gab Dir, Liebe die Gewalt" so wunderbar das ich es mir sogar als Hardcover zugelegt hab.
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kathchen

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Re: Viola Alvarez - Die Nebel des Morgens
« Antwort #24 am: 07. Februar 2011, 20:00:44 »

Vorhin habe ich das Buch leider zu Ende gelesen, aber die Begeisterung ist bis zum Ende geblieben, und ich denke, die anderen beiden Bücher werden wohl nicht mehr allzu lange auf meinem SUB liegen :)
Da ich das Buch für den SLW gelesen habe und sowieso eine Rezension schreiben "muss", werde ich jetzt nichts weiter dazu sagen, sonst fällt mir hinterher für die Rezension nichts mehr ein  :breitgrins:

@ Valentine: Oja, der Schreibstil ist mir sofort aufgefallen, ganz wunderbar. Wenn ihre anderen Romane auch so geschrieben sind, dann freue ich mich glatt doppelt darauf sie zu lesen :)

@ Holden: Ich finde ja von "Wer gab dir, Liebe, die Gewalt" den Titel schon total schön.
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Re: Viola Alvarez - Die Nebel des Morgens
« Antwort #25 am: 07. Februar 2011, 20:55:42 »

@Kathchen
Der Titel war für mich damals auch der Grund das Buch überhaupt zu lesen :breitgrins:
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Miramis

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Re: Viola Alvarez - Die Nebel des Morgens
« Antwort #26 am: 04. Mai 2011, 12:58:28 »

Meine Meinung:

Die Nebel des Morgens ist der erste Roman von Viola Alvarez, den ich gelesen habe – inspiriert von dem wunderschönen Titel hab ich eine mystisch-geheimnisvolle Geschichte rund um die Nibelungen erwartet. Leider bin ich letztendlich mit dem Buch aber nicht so warm geworden wie viele andere Leser.

Eigentlich ist es ja recht raffiniert, wie Viola Alvarez ihre Handlung aufbaut. Da jeder die Geschichte um Siegfried und Kriemhild zumindest in groben Zügen kennt und der Ausgang den meisten Lesern bekannt sein wird, brauchte sie beim Schreiben nicht die Befürchtung haben, dass vorzeitig zu viel verraten wird. Daher konnte sie mit den zeitlichen Ebenen munter experimentieren und Handlungsstränge aus verschiedenen Zeitphasen verflechten – schließlich hat der Roman weder einen Anfang noch ein Ende... aber: was so kunstvoll aufgebaut und ausgearbeitet ist, hat leider bei mir die Wirkung verfehlt; ich fand es nicht so prickelnd, ständig zwischen der Ich-Erzählebene der Hauptfigur Bryndt und seinen verschiedenen Rückblenden hin und her zu hüpfen.

Was außerdem sehr ungewöhnlich ist: dass die Figuren hier ganz anders dargestellt werden; Siegfried, der strahlende Held ist plötzlich ein oberflächlicher Schwätzer, Hagen, der Bösewicht, bekommt ein charismatisches Image verpasst und auch bei den Frauenfiguren sind die Sympathien genau anders herum verteilt. An und für sich ganz reizvoll, diese Perspektiven; aber mir wirkte das alles ein wenig zu aufgesetzt und zu übertrieben. Hier wäre etwas weniger vielleicht mehr gewesen...

Gerade die Liebesgeschichte zwischen Hagen und Brynhild fand ich zeitweise sehr überfrachtet, gerade auch im Hinblick darauf, dass offenbar diese beiden die einzigen in der Geschichte sind, die wahre Gefühle empfinden. Alle anderen wirken dagegen wie Holzpuppen, leblos und gefühllos, oder dann aber wieder übertrieben gefühlsbetont wie Kriemhild. Nein, das war so gar nicht nach meinem Geschmack.

Wenn wenigstens die Atmosphäre gestimmt hätte, dann hätte ich zumindest noch meine Freude an der Beschreibung des damaligen Lebens oder den Landschaften haben können, aber die Autorin konzentriert sich ausschließlich und fast kammerspielartig auf das, was sich da zwischen den Figuren abspielt, so dass für den historischen Rahmen kaum Platz bleibt. Lediglich die Kriege und Schlachten werden recht genau und ausführlich geschildert, da kann man nicht meckern. Ebenso wie die Verwandtschaftsbeziehungen der beteiligten Sippen, die vor allem am Anfang einen breiten Raum einnehmen und für mich einen hohen Gähnfaktor hatten.

Auch sprachlich hat Viola Alvarez meinen Nerv nicht wirklich getroffen, ich hab die Sprache an manchen Stellen als unpassend und unrund empfunden, ohne genau zu wissen, warum eigentlich.

Trotz aller Kritikpunkte würde ich das Buch dennoch als gelungene Adaption der Nibelungensage bezeichnen; es ist mutig, innovativ und hebt sich aus der Masse der historischen Romane durch einen gewissen Anspruch heraus; daher hat es bestimmt zu Recht so viele positive Leserstimmen bekommen. Meinen persönlichen Geschmack hat der Roman aber nicht wirklich getroffen und so vergebe ich ehrliche, durchschnittliche

 3ratten


« Letzte Änderung: 04. Mai 2011, 13:17:56 von Miramis »
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Re: Viola Alvarez - Die Nebel des Morgens
« Antwort #27 am: 05. Mai 2011, 07:23:59 »

Hallo Miramis,

Deine Rezi finde ich sehr interessant, besonders weil ich es genau gegensätzlich empfunden habe, z.B. sprachliche und atmosphärische Qualität.

Dafür habe ich jetzt richtig Lust bekommen, das Buch noch einmal zu lesen, ich bin gespannt, ob ich es jetzt nach einigen vergangenen Jahren anders beurteile.

Grüsse
Alexa
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Re: Viola Alvarez - Die Nebel des Morgens
« Antwort #28 am: 30. Mai 2011, 21:06:13 »

Gestern habe ich "Die Nebel des Morgens" zu Ende gelesen und bin voll und ganz begeistert.
Die Nibelungensage fand ich schon immer interessant, aber die Umsetzung von Viola Alvarez übertrifft alles, was ich bisher darüber gelesen/gesehen habe.
Es war mein erstes Buch von Alvarez, der Schreibstil hat mich begeistert, er ist sehr flüssig zu lesen und einfach nur wunderschön. Wie gut, dass "Wer gab dir, Liebe, die Gewalt" und "Das Herz des Königs" bereits in meinem Regal stehen  :breitgrins:
Die Geschichte ist spannend erzählt; auch fand ich nicht, dass der Anfang schleppend war, im Gegenteil, die Vorgeschichte gibt dem Ganzen viel mehr Tiefe und unterstreicht Bryndts Aussage, dass die Geschichte weder einen Anfang noch ein Ende hat.
Außerdem werden einem die Charaktere, die später eine wichtige Rolle spielen, näher gebracht. Aus den bekannten Sagengestalten werden "echte" Menschen mit ausführlicher Geschichte, einer Vergangenheit und nachvollziehbaren Gefühlen. Es gibt kein Gut oder Böse, jeder hat seine Stärken und Schwächen, jeder macht seine Fehler. Man meint, sie alle schon fast zu kennen, hängt an ihnen und ertappt sich immer wieder dabei, wie man hofft, dass alles anders kommt, obwohl man den Ausgang der Geschichte natürlich kennt. Am Ende war ich richtig traurig, dass es schon vorbei war und ich habe auch einige Tränen über das Schicksal von Hagen und all den anderen vergossen  :redface:
Die fantastischen Elemente der ursprünglichen Sage werden weggelassen bzw. logisch erklärt, was das Ganze noch glaubhafter macht.
Wenn ich in Zukunft etwas über die Nibelungensage lese, höre oder sehe, werde ich wohl immer die Charaktere aus diesem Buch denken müssen und daran "wie es wirklich war"  :zwinker:

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