Hallo!
Die Beschäftigung mit den pragmatischen Dingen der letzen Tage hat den Beweis erbracht, dass es ungleich langweiligere Dinge gibt als Diderots "Natürlichen Sohn" und dessen Theatertheorie.
Nachgelesen: Der "Natürliche Sohn" erschien 1757 (der "Hausvater" 1758) inklusive der "Unterredungen über den 'Natürlichen Sohn'" (Dorval et moi), wobei diese schon einen Gutteil des Briefes an Jakob Grimm enthielten. Klaus-Detlef Müller schreibt im Nachwort der Reclamausgabe der beiden Stücke nebst der dort enthaltenen Dramentheorie:
"Diderot hat seine beiden Versuche in der ernsten Gattung ("genre sérieux") jeweils in Verbindung mit dramentheoretischen Überlegungen veröffentlicht, sodass sie als Muster eines programmatischen Konzepts erscheinen. Die theoretischen Ausführungen sind mehr als ein Autorkommentar,
man kann sogar umgekehrt die Dramen als Exempel im Kontext von Reflexionen über das dramatische System und über eine zeitgemäße Dramaturgie verstehen. Das gilt insbesondere für den "Natürlichen Sohn". Denn die "Unterredungen" sind nicht als eine nachträgliche und selbständige Erörterung angefügt, sondern stehen zusammen mit dem Stück in einem fiktionalen und narrativen Kontext." (meine Hervorhebung)
Die theoretische Schrift "Von der dramatische Dichtkunst" erschien ebenfalls 1758, offenbar war der Entstehungszeitraum der beiden Stücke als auch der theoretischen Arbeiten ident. Bereits in "Dorval et moi" weist Diderot auf das noch zu schreibende Stück "Der Hausvater" hin, in dem er gewisse theoretische Überlegungen zu verwirklichen beabsichtige. Insofern scheint die These, dass die Stücke eine bereits vorhandene Theatertheorie zu bestätigen hatten, gerechtfertigt.
Die Tatsache, dass es offenbar in Mitteleuropa keinen Ausnahmefall darstellt, den Studierenden mit derlei zu quälen (und meine Kommentare im Buch haben z. T. Fäkalcharakter und nicht deine Dezenz

), beruhigt mich ein wenig, wenngleich sie für den Literaturinteressierten kaum Anlass sein werden, sich diesem Studium zuzuwenden (wovon ich ohnehin abraten würde

).
Grüße
s.