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Autor Thema: Chuck Palahniuk - Lullaby  (Gelesen 5651 mal)

adia

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Chuck Palahniuk - Lullaby
« am: 20. Oktober 2006, 15:22:00 »

Inhalt

Der Journalist Carl Streator recherchiert über ein afrikanisches Schlaflied, das, wenn es vorgelesen wird, den Zuhörer tötet. Vor zwanzig Jahren sind sein Kind und seine Frau diesem Schlaflied zum Opfer gefallen.
Während seiner Recherchen stößt er auf Helen Hoover Boyle, eine Immobilienmaklerin, die Gewinn daraus schlägt, Häuser, in denen es spukt, immer wieder an neue ahnungslose Familien weiter zu verkaufen. Sie hat vor Jahren das gleiche erlebt wie Carl.
Gemeinsam mit Helens Sekretärin Mona und deren Freund Oyster ziehen sie durchs Land, um die letzten Exemplare des Buches, in denen das Schlaflied abgedruckt ist, zu vernichten.
Oder ist das vielleicht gar nicht der wirkliche Beweggrund aller Beteiligten?

Meine Meinung

Was wäre, wenn Worte wirklich töten könnten? Palahniuk hat diesen Gedankengang bis ins Unendliche gedehnt, jedoch ohne ihn zu zerreißen.
Auf solche Ideen muss man erst mal kommen, tödliche Schlaflieder, verwunschene Häuser weiterverkaufen... ein echter Palahniuk eben.
Oder eben auch einiges mehr. Natürlich gibt es die üblichen Ekelstellen, die üblichen interessanten "Factoids", mit denen Palahniuk so gerne seine Bücher schmückt. Durch den Schmerz und die Trauer der Protagonisten erhält Lullaby jedoch zusätzlich eine Tiefe, wie ich sie bisher nicht bei Palahniuk vorgefunden habe. Trotz der -wie üblich- völlig schrägen Ausgangssituation blieben die Figuren glaubhaft und nachvollziehbar.
Einen Moment hatte ich geglaubt, es würde zum Ende her abflachen, doch...dem war nicht so  :zwinker:
Im Gegenteil: Ich hätte sofort noch einmal von vorne beginnen können.

Ein Buch, dem ich auch 8 Ratten geben würde, da die Skala aber nicht so weit reicht:

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« Letzte Änderung: 20. Oktober 2006, 18:38:31 von adia »
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Wendy

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Re: Chuck Palahniuk - Lullaby
« Antwort #1 am: 20. Oktober 2006, 18:13:09 »

Hi adia!

Du nimmst mir somit die Entscheiden ab, welchen Palahniuk ich als nächstes lesen soll.  :breitgrins: Haben wir eigentlich schon mal eines seiner Bücher gelesen und es nicht gemocht?

Liebe Grüße,
Wendy (die immer noch von Haunted träumt :entsetzt:)
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adia

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Re: Chuck Palahniuk - Lullaby
« Antwort #2 am: 20. Oktober 2006, 18:34:58 »

Hi Wendy!
Haben wir eigentlich schon mal eines seiner Bücher gelesen und es nicht gemocht?

Liebe Grüße,
Wendy (die immer noch von Haunted träumt :entsetzt:)

Also ich kann natürlich nur von mir sprechen *heftigstkopfschüttel*

Bei mir geht's, was Haunted angeht, aber mein Freund zuckt manchmal so im Schlaf, da weiß man nicht...

Mein ganz aktueller Stoff, aus dem die Alpträume sind: Was mache ich, wenn ich alle seine Bücher durch habe? Dauert bestimmt nicht mehr lange... :entsetzt:


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Wendy

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Re: Chuck Palahniuk - Lullaby
« Antwort #3 am: 20. Oktober 2006, 20:52:31 »

Dann liest du einfach American Psycho von Bret Easton Ellis - laut meiner ebenfalls Chuck-besessenen Freundin noch viel ärger als Palahniuk. Und dann warten immer noch andere Bücher, die ähnlich schocken wie Trainspotting, The Beach (wobei das noch sehr harmlos ist), Uhrwerk Orange, usw. usw.
Bis dahin hat auch der gute Chuck hoffentlich wieder ein neues Buch geschrieben.  :breitgrins:
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nikki

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Re: Chuck Palahniuk - Lullaby
« Antwort #4 am: 21. Oktober 2006, 13:03:07 »

Hallo!

"Spiel mir das Lied vom Tod" - wie zufällig lief das Lied in meinem CD-Player als ich gestern das Buch las. Jetzt werde ich wahrscheinlich jedes Mal an "Lullaby" denken, wenn ich Morricone höre.

Zum Buch: ich fand das Gerüst des Buches erschreckend (die vielen Morde); v.a. erschreckte es mich, wie leicht ich all diese Szenen las. Palahniuk benutzt da oft eine sehr sachliche Sprache, durchsetzt mit komischen Elementen, die das Verdauen des Gelesenen irgendwie sehr viel leichter machen. Diese Szenen und der lakonisch-witzige Umgang der Charaktere mit dem Tod waren Elemente, die ich am Buch abstoßend fand.

Der Kern des Romans ist dagegen sehr ernst: es geht um Medienkritik, v.a. um die ständige Reiz- und Lärmüberflutung durch diverse Medien und die Auswirkungen auf die Menschen. Diese ständige Lärmbelästigung (verursacht durch den "Rüstungwettlauf des Lärms") nimmt Palahniuk als Ausgangspunkt, um eine Geschichte zu spinnen, in der der Tod durch die Ohren kommt, wo ein Wiegenlied töten kann. Um Menschen zu schützen, müsste man vollkommene Kontrolle über Bücher, Filme, Musik und jedes gesprochene Wort erlangen. Tausende, wenn nicht Millionen Menschen würden umkommen, wenn das Wiegenlied in falsche Hände gerät. Um das zu vermeiden, schickt Palahniuk seinen Helden auf eine Reise kreuz und quer durch die USA, um alle Exemplare des Buches, in dem das Wiegenlied zu finden ist, zu vernichten. Wie nebenbei, wird auch immer wieder die Sammelklagenhysterie in den USA angesprochen (die Inserate fand ich immer herrlich witzig). Schlußendlich geht es auch um unseren vermeintlich freien Willen. ("Die Massenmedien, die Kultur, alles legt mir seine Eier unter die Haut. Big Brother gibt mir die Bedürfnisse ein" s.227; "Ich kann nicht mehr unterscheiden zwischen dem, was ich will, und dem, was ich wollen soll. Oder zwischen dem, was ich wirklich will, und dem, was man mich wollen macht." s.225))

Vor allem mit der Beschreibung von Streators Wohnung konnte ich mich identifizieren. Über mir wohnen nämlich Menschen, die sich mit Vorliebe ab Mitternacht fetzen und dann bis 2 oder 3 Uhr sehr laut irgendwelche Filme aschauen. Und natürlich hört man sie am besten in meinem Schlafzimmer  :grmpf: Also wahre Phobiker der Ruhe.

Es ist ein spannendes und teilweise grausames Buch (American Psycho ist viiieeel Schlimmer :entsetzt:, finde ich - ich habe das Buch nicht zu Ende lesen können).
Ich tue mir schwer, es zu bewerten, denn die Idee fand ich gut, die Umsetzung oft unnötig grausam.

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adia

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Re: Chuck Palahniuk - Lullaby
« Antwort #5 am: 22. Oktober 2006, 11:18:25 »

@Wendy: Die von Dir genannten Bücher habe ich auch alle schon gelesen  :zwinker:
Alex Garland finde ich auch super, wenn auch auf eine etwas andere Art. The Tesseract zum Beispiel- interessante Struktur, wenn die Story selber auch nicht so wahnsinnig innovativ ist.

@nikki: Danke für die Rezi... kann sich halt nicht jeder so für Palahniuk begeistern :breitgrins:

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Judith

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Re: Chuck Palahniuk - Lullaby
« Antwort #6 am: 22. Oktober 2006, 13:28:38 »

Hallo,

hab noch nie Chuk Palahniuk gelesen. Aber im Augenblick sehe ich überall "Lullaby".
Ihr habt mich überzeugt,kommt nun auf meine Bestellliste,

liebe Grüsse,
Judith :winken:
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Wendy

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Re: Chuck Palahniuk - Lullaby
« Antwort #7 am: 22. Oktober 2006, 13:47:04 »

@adia: Na, dann wirst doch wohl doch auf den nächsten Palahniuk waten müssen.  :breitgrins: Auf meiner Liste ähnlicher Bücher steht da nur noch Fear and Loathing in Las Vegas von Hunter S. Thompson, aber das kennst du wahrscheinlich auch schon.

Stimmt natürlich, dass Chucks Bücher nicht jedermanns Sache sind, aber ich glaube, wenn man einmal auf den Geschmack gekommen ist, kann man gar nicht mehr aufhören. Ich kenne zumindest keinen Palahniuk-Leser, der nur eines seiner Bücher gelesen hätte.

@Judith: Viel Spaß beim Eintauchen in die verrückte Chuck-Welt.
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chil

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Re: Chuck Palahniuk - Lullaby
« Antwort #8 am: 26. Dezember 2006, 21:01:31 »

Ich freu mich, dass euch das Buch so gut gefallen hat. Ich habs für meinen SUB-Listenwettbewerb als erstes Buch vorgesehen und jetzt ärgerts mich, dass ich noch bis Sonntag warten muss, bevor ich beginnen kann :-)
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chil

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Re: Chuck Palahniuk - Lullaby
« Antwort #9 am: 05. Januar 2007, 23:29:28 »

So, hier nun meine Rezension:


Carl Streator ist Journalist und als solcher soll er eine Reihe über den plötzlichen Kindstod in einer Zeitung veröffentlichen. Sein Redakteur hat von Anfang an von ihm verlangt, immer auf alle Details zu achten, so dauert es auch nicht lang, bis der Journalist dahinter kommt, was diesen plötzlichen und ohne Verletzungen auftretenden Tod verursacht haben könnte. In jedem Kinderzimmer, in dem vor kurzem erst ein Kind gestorben ist, findet er das Buch "Gedichte und Lieder aus aller Welt". Und seltsamerweise ist das Buch immer auf Seite 27 aufgeschlagen. Auf dieser Seite befindet sich ein Gedicht, eigentlich ein Schlaflied, das Carl mehr als nur bekannt vorkommt. Er hat es nämlich vor rund 20 Jahren seinem Sohn und seiner Frau vorgelesen - am Abend, bevor diese starben.

Das Lied scheint aus Afrika zu stammen, es handelt sich um ein sogenanntes "Merzlied". Ein Lied, das töten kann, wenn man es einem Menschen vorliest oder auch nur an ihn denkt, während man es aufsagt. So ganz kann der Journalist noch nicht an die Wirkung des Liedes, in dem es eigentlich um Tiere geht, die schlafen gehen, glauben, deshalb testet er die Wirkung an seinem Redakteur. Als dieser am nächsten Tag nicht zur Arbeit kommt, ist für Streator alles klar.

Er forscht ein bisschen nach und stößt auf die Maklerin Helen Hoover Boyle, deren Sekretärin Mona Sabbat und deren Freund Oyster. Alle drei wissen über das Merzlied Bescheid, Helen ist jedoch außer Carl die einzige, die auch den Inhalt des Liedes kennt und anscheinend erfolgreich einsetzt. Die Truppe macht sich auf den Weg quer durch Amerika, um alle Exemplare von "Geschichten und Lieder aus aller Welt" aus dem Verkehr zu ziehen, bevor es in falsche Hände gerät. Auf der Suche nach den Büchern hinterlassen sie eine Spur von Leichen, geraten sich hin und wieder in die Haare, verlieben sich, haben Spaß, denken über den Unterschied von Gut und Böse nach und von etwas begleitet, das unglaubliche Macht besitzt.
Der Amerikaner mit der französisch-russischen Abstammung wurde 1962 geboren, wollte schon immer Autor werden. Erst nach einem einschneidenden Erlebnis verwirklichte er diesen Traum und landete mit "Fight Club" gleich einen Bestseller. Auch "Lullaby" hat durchaus das Zeug dazu, Kultstatus zu erlangen. Der Roman wird aus Sicht des Reporters Carl Streator erzählt. Streator ist eine verzweifelte Figur, genauso wie seine drei Begleiter. Palahniuk hat es geschafft, diese Verzweiflung einzufangen. Durch die Plastizität, über die seine Figuren verfügen, schafft er es sogar, dass man ihm als Leser abnimmt, dass Worte töten können.

Man erwischt sich bei der Lektüre dabei, darüber nachzudenken, wie gerechtfertigt im jeweiligen Fall die Anwendung des Merzliedes nun war und was passieren würde, würde man das Lied per Massenmedien verbreiten. "Phobiker der Stille", so nennt Palahniuk die Menschen unserer Zeit, da wir ständig von einer Geräuschkulisse umgeben sind. Stille, das könnte das Merzlied  der Welt bescheren. Man könnte die Überbevölkerung abschaffen, Terroristen, Massenmörder, Diktatoren von der Bildfläche verschwinden lassen - und würde sich dazu selbst in einen machthungrigen Diktator, Terroristen, Massenmörder verwandeln.

Ein wirklich genial-beängstigendes Buch, schräg und komisch, aber vor allem nachdenklich und irgendwie düster. Ein Must-Read!

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mara84

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Re: Chuck Palahniuk - Lullaby
« Antwort #10 am: 28. Mai 2007, 14:02:28 »

Hallo Leute,

habe heute mit dem Buch angefangen.
Bin auf Seite 51 angekommen. Es "gruselt" mich jetzt schon sehr... die Story ist einfach extrem unheimlich.
Und dann jetzt noch
Spoiler (Klick zum Anzeigen/Verbergen)

ganz gut gefällt mir auch, wo palahniuk über die sucht nach musik bzw. generell geräuschen schreibt... die angst vor stille...
wahre worte...

Es liest sich sehr gut das Buch und ich freue mich auf mehr...

Alles Liebe
Mara  :winken:
« Letzte Änderung: 28. Mai 2007, 14:12:29 von mara84 »
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Re: Chuck Palahniuk - Lullaby
« Antwort #11 am: 29. Mai 2007, 19:29:57 »

Hey mara,
hoffentlich hält sich deine positive Meinung bis zum Ende. Wie du an meiner Rezi oben siehst, war ich ziemlich begeistert von dem Buch!
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mara84

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Re: Chuck Palahniuk - Lullaby
« Antwort #12 am: 03. Juni 2007, 21:53:12 »

hallo!

ich bin vor ein paar tagen mit dem buch fertig geworden.
ich fand es einfach klasse...

die thematik ist einfach extrem gruselig und beängstigend...  kurz: ein schlaflied, mit dem man tötet...
interessant wäre zu wissen, was man wirklich macht, würde man so ein lullaby wirklich kennen und im kopf haben...

"phobiker der stille" --- wunderbar, dass palahniuk darauf eingeht. sehr kritisch betrachtet er die menschheit, die von lärm und geräuschen umgeben ist - umgeben sein "muss".

ich kann dieses buch jedem weiterempfehlen.
von mir gibt es  4ratten
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Re: Chuck Palahniuk - Lullaby
« Antwort #13 am: 13. Juni 2007, 09:44:00 »

Und was hat dir daran nicht so gefallen? Also wegen des Abzugspunktes meine ich.
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mara84

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Re: Chuck Palahniuk - Lullaby
« Antwort #14 am: 08. Juli 2007, 16:39:41 »

@ chil: antwort... zwar spät aber doch.  :smile:

den abzugspunkt gibts bei mir dafür, dass ich mir ein bisschen was anderes erwartet hätte.
das thema an sich war gruselig - aber sonst nicht so wirklich viel. vielleicht war es das was mir abgegangen ist.
für fünf ratten hat es eben nicht gereicht.

alles liebe
mara  :winken:
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