Inhalt: Der neunjährige Ronan ist tief beeindruckt, als eines Abends ein wandernder Geschichtenerzähler vor dem Haus steht, der genauso aussieht, wie sein Vater ihm diese Menschen beschrieben hat. Das Haus der O'Maras wird für einige Abende zum Mittelpunkt der gesamten Umgebung, die Menschen treffen sich, um dem Geschichtenerzähler zu lauschen, wenn er über längst vergangene Zeiten und verstorbene Helden Irlands berichtet. Aber nach drei Tagen wirft Ronans Mutter den Mann aus dem Haus, sehr gegen den Wunsch ihres Sohnes, aber auch nicht zur Freude ihres Mannes und ihrer mit im Haushalt lebenden Schwester. Für Ronan beginnt damit eine lange Suche, aber immer ist er einen Schritt zu langsam, der Geschichtenerzähler schon weitergezogen. Trotzdem gelingt es ihm, weitere Geschichten des Wandererzählers zu sammeln. Viele Menschen, die er über den alten Mann befragt, scheinen ihm auszuweichen, umso mehr, je näher sie ihm eigentlich stehen, erzählen ihm aber bereitwillig weitere Episoden aus Irlands Geschichte mit einem persönlichen Touch. Ronan schreibt die Geschichten auf, die er gehört hat, liest alles über irische Geschichte, versucht sich selbst als Geschichtenerzähler (sehr zur Freude seines Lehrers) und nimmt schließlich auch ein Geschichtsstudium auf. Aber immer noch sucht er nach dem alten Geschichtenerzähler, der seinerseits den Kontakt zu Ronan zwar auch zu suchen scheint, aber ihm gleichwohl immer ausweicht. So erhält Ronan nur gelegentlich Briefe von ihm. Und im Zuge von Ronans Suche erschließen sich ihm auch mehrere Familiengeheimnisse, die für jeden außer ihm keine sind.
Meine Meinung: Diese Inhaltsangabe greift nur die Rahmenhandlung um Ronan und seine Suche nach dem alten Geschichtenerzähler auf, die aber immer wieder durch erzählte Episoden aus der irischen Geschichte unterbrochen werden. Diese folgen der Chronologie, der Geschichtenerzähler beginnt in der Bronzezeit und mit jeder weiteren Episode nähert man sich dem Osteraufstand von 1916, der die letzte Erzählung in der Erzählung darstellt. Nicht alle diese Ereignisse werden vom Geschichtenerzähler präsentiert, auch Ronans Geschichtsprofessor darf einige besteuern, aber auch Leute, die Ronan unterwegs auf seiner Suche trifft. Diese Teile des Romans haben mir recht gut gefallen, auch wenn die historischen Schlaglichter vielleicht für jemandem, der sich mit irischer Geschichte noch nicht beschäftigt hat, etwas zu vereinzelt sind.
Die Rahmenhandlung hingegen empfand ich eher als etwas mühseliges Konstrukt, um einen inneren Zusammenhang herzustellen. Warum Ronan dem alten Mann immer hinterläuft und ihn nicht einholt, klärt sich zwar am Ende, war aber nicht minder bemüht. Auch die im Rückentext angedeuteten Familiengeheimnisse waren mir schon lange klar, bevor sie in dieser Rahmenhandlung aufgelöst wurden. Hinzu kommt, daß Ronan einfach ein furchtbar verwöhntes Blag ist und auch als junger Mann noch bleibt, für den ich nur wenig Sympathie aufbringen konnte, trotz eines wirklichen tragischen Schicksalsschlages, der ihn ereilt. Er benimmt sich einfach lächerlich. Daher war ich meist etwas erleichtert, wenn wieder ein „historischer“ Einschub kam. Da diese aber den Hauptteil des Buches ausmachen, und auch in der Rahmenerzählung durchaus gute Charaktere auftreten, die mich über einige Schwächen hinweggetröstet haben, gibt's doch noch

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Schönen Gruß,
Aldawen