Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.

E-Mail: Passwort:

Autor Thema: Leo Tolstoi - Anna Karenina (Teil 3)  (Gelesen 3160 mal)

ÜberdenWolken

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 169
    • Website
Re: Leo Tolstoi - Anna Karenina (Teil 3)
« Antwort #15 am: 26. Oktober 2006, 09:48:05 »

Ich komme gerade nur sehr langsam hinterher, bin wieder voll im Arbeitsstress. Bin jetzt bei Kapitel 18 im 3. Teil.

Ich wunder mich immer wieder, mit welcher Ernsthaftigkeit die Damen (und auch Herren) der Gesellschaft diese privaten Themen verfolgen. Als gäbe es nichts wichtigeres. Andererseits haben ja vor allem die Frauen auch nicht wirklich viel besseres zu tun. Für alles und jedes gibt es Diener und Personal. Wie soll man sich also auch anders die Zeit vertreiben als mit diesen Problemchen - wer mit wem und wie und warum - die dann zu Dramen ausgebaut werden... hach ja
Gespeichert
Literatur ist die Kunst, Außergewöhnliches an gewöhnlichen Menschen zu entdecken und darüber mit gewöhnlichen Worten Außergewöhnliches zu sagen

Boris Leonidowitsch Pasternak

Aeria

  • Außerirdische Lebensform
  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 2498
Re: Leo Tolstoi - Anna Karenina (Teil 3)
« Antwort #16 am: 26. Oktober 2006, 18:47:31 »

Zitat von: Flor
Das ihm seine Schulden beim "kleinen" Mann (der das Geld am nötigsten braucht) gar nicht interessieren.

Das einzige, das ich Wronski hoch anrechne ist, dass er Anna offensichtlich aufrichtig liebt. Seine Grundsätze sind echt zum Würgen, da heißt es, man dürfe einen Mann nicht betrügen, eine Frau aber schon. Nee, ich mag ihn nicht wirklich. Ich bin auch mit gewissen Vorurteilen an dieses Buch herangegangen, denn ich hatte schon oft davon gehört, dass Wronski Annas Untergang sein wird. Entsprechend habe ich immer gedacht, dass er es mit der Frau gar nicht ernst meint, aber jetzt, wo ich das Buch lese, weiß ich, dass er das tut.

***
Aeria
Gespeichert
Wenn schon Edward, dann Rochester!

ÜberdenWolken

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 169
    • Website
Re: Leo Tolstoi - Anna Karenina (Teil 3)
« Antwort #17 am: 29. Oktober 2006, 19:24:24 »

Zitat
Das einzige, das ich Wronski hoch anrechne ist, dass er Anna offensichtlich aufrichtig liebt.

Ich finde nicht, dass es so aussieht als ob er sie wirklich liebt. Er denkt ja selbst im Stillen dass ihm der eigene Ehrgeiz eigentlich wichtiger ist und dass er hofft dass es eine andere Möglichkeit gibt, bzw. dass es gut wäre wenn Anna bei ihrem Mann bleiben könne. Es sieht ein bisschen aus, als wolle er sich aus der Affäre ziehen und als würde sie ihm lästig werden. Und sie merkt das ja auch sofort... Sie hofft ja als sie sich mit ihm noch einmal abends trifft, dass er etwas sagt, wodurch sie einfach mit ihm durchbrennen kann. Aber das tut er nicht. Obwohl er sagt, sie solle zu ihm kommen, merkt sie, dass er das nicht wirklich ernst meint und sagt, dass ihr kaum eine Wahl bleibt, als bei ihrem Mann zu bleiben. Arme Anna...
Gespeichert
Literatur ist die Kunst, Außergewöhnliches an gewöhnlichen Menschen zu entdecken und darüber mit gewöhnlichen Worten Außergewöhnliches zu sagen

Boris Leonidowitsch Pasternak

Flor

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 981
Re: Leo Tolstoi - Anna Karenina (Teil 3)
« Antwort #18 am: 29. Oktober 2006, 21:46:57 »

Ich denke das Wronski sehr in Anna verliebt war, aber richtig lieben kann er gar nicht. Er ist ein Mensch der alles haben muss was er will, dann auch sehr leidenschaftlich sein kann, und wenn er es dann hat, flacht sein Interesse an den Dingen und dem zu Folge auch an Anna ab.
Gespeichert

Aeria

  • Außerirdische Lebensform
  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 2498
Re: Leo Tolstoi - Anna Karenina (Teil 3)
« Antwort #19 am: 30. Oktober 2006, 19:14:26 »

Ich glaube, Wronski liebt Anna so wie er es eben kann, auf seine Art. Wenn man sein Verhalten gegenüber Kitty und Anna vergleicht, dann merkt man den Unterschied. Mit Kitty spielte er nur, aber für Anna empfindet er tatsächlich etwas.

***
Aeria
Gespeichert
Wenn schon Edward, dann Rochester!

ÜberdenWolken

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 169
    • Website
Re: Leo Tolstoi - Anna Karenina (Teil 3)
« Antwort #20 am: 03. November 2006, 18:05:15 »

Bin jetzt auch mit dem 3. Teil durch, endlich. Die letzten Kapitel haben mich ziemlich angeödet, Lewin und die Landwirtschaft *gähn*, ich hoffe es wird wieder etwas interessanter im 4. Kapitel
Gespeichert
Literatur ist die Kunst, Außergewöhnliches an gewöhnlichen Menschen zu entdecken und darüber mit gewöhnlichen Worten Außergewöhnliches zu sagen

Boris Leonidowitsch Pasternak

Saltanah

  • Hüterin der SUB-Mumien
  • Global Moderator
  • *
  • Offline Offline
  • Beiträge: 9946
  • Wir sind irre, also lesen wir!
Re: Leo Tolstoi - Anna Karenina (Teil 3)
« Antwort #21 am: 08. November 2006, 17:15:32 »

So, jetzt komme ich auch endlich dazu, die im Urlaub gelesenen Teile zu kommentieren.

Die Beschreibung von Lewins glücklichem, unverfälschten Landleben fand ich gar nicht langweilig, sondern aufregend. In dem Sinne, dass ich mich über Lewin aufgeregt habe. Der ist mir so unglaublich unsympathisch in seinem Egoismus. Alles was ihn nicht direkt angeht, interessiert ihn nicht die Bohne. An seinen Bauern ist er auch nur so weit interessiert, wie sie ihm blindlings folgen und sich für ihn den Arsch aufreißen. Aber sie sind ja nur (in Lewins Augen) faul und zerstören sein (Lewins) Eigentum mutwillig, nur um sich nicht ins Zeug legen zu müssen. Gegen ihre Armut kann man nichts tun, Bildung brauchen sie nicht. Grrr!
Lächerlich wirkt Lewin auf mich in den letzten beiden Kapiteln, als er plötzlich das große Muffensausen bekommt, als er durch seinem sterbenskranken Bruder mit der eigenen Sterblichkeit konfrontiert wird. Eigentlich verstehe ich, dass diese Einsicht ein Schock sein kann, aber mir erscheint es unglaubwürdig, dass er in einer Zeit mit höherer Sterblichkeit als doch nicht mehr ganz junger Mann erst jetzt an dieses Thema denkt.

Aber nicht dass die anderen Männer besser wären, nur dass ich mich über Lewin mehr aufrege, da er so offensichtlich das positive Gegenstück zu den anderen darstellen soll.
Fazit: Tolstoi hat es bereits im 3. Teil geschafft mir alle Männer unsympathisch zu machen.
Das kann ich voll unterschreiben.

Kapitel 16
Hier fast Anna  in Worte warum sie so unglücklich an der Seite Ihres Mannes ist.

...Selbstverständlich er hat immer recht, er ist ein Christ, er ist gutmütig! Ja, ein niedrig denkender, garstiger Mensch ist er! Und das durchschaut niemand außer mir...und ich kann es niemanden klarmachen....Sie sehen  nicht was ich gesehen haben....Sie wissen nicht, daß er acht Jahre lang mein Leben erstickt hat....
Anna tut mir leid!
Dies ist die Stelle, an der ich Annas Haltung zu Karenin zum ersten Mal wirklich verstehen konnte. Sie passt einfach nicht zu ihm, hat so andere Bedürfnisse, dass sie an seiner Seite psychisch eingeht.
« Letzte Änderung: 08. November 2006, 17:27:31 von Saltanah »
Gespeichert