Hallo allerseits

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jetzt habe auch ich endlich die ersten
14 Kapitel dieses Teils gelesen. Wie ihr anderen auch schon, muss ich feststellen, dass der erste Satz des Buches einfach genial ist! Ein toller Einstieg.
Ich hatte leichte Anfangsschwierigkeiten mit den ersten Kapiteln, aber jetzt "flutscht" die Lektüre richtig. Zum Glück ist mir die Handlung völlig unbekannt; ich habe nie eine der Verfilmungen gesehen und weiß nur, dass es zu einer Szene an einem Bahnhof kommen wird. Bei Klassikern ist es ja leider oft so, dass man auch ohne sie gelesen zu haben, in groben Zügen weiß, was passieren wird. Ich finde es toll, dass das hier bei mir nicht der Fall ist (und ich hüte mich auch davor, bei Wikipedia vorbeizuschauen.)
Bolkonski ist mir unsympathisch. Wie er sich nahezu "gezwungen" fühlt, sich anderweitig zu vergnügen, da seine Frau seinen Ansprüchen nach allen Schwangerschaften nicht mehr genügt, wo er doch in der Blüte seiner Jahre steht - kein netter Zug. Wobei auch er wohl nicht der Inbegriff männlicher Schönheit ist; wunderbar, wie Tolstoi in Nebensätzen etwas über Bolkonskis "wohlgenärten Körper" und seine Rundungen schreibt. Er dürfte ganz schön fett sein, wenn ich die Andeutungen richtig verstehe. Da gönne ich es ihm richtig, dass er sich um eine eventuelle Trennung Sorgen machen muss, denn das Geld der Familie stammt wohl vor allem von Dolly. Wenn sie geht, steht er dumm (und arm) mit seinen Schulden da.
Schön beschrieben auch in
Kap. 3 seine Meinung zur Notwendigkeit, eine eigene Meinung zu besitzen: das ist
genau so wichtig wie einen Hut zu besitzen. Er wählt sie sich nicht, sondern nimmt, was ihm begegnet. Auch seine "Qualifikationen" für den schönen Posten, den er bei irgendeiner Behörde hat, sprechen nicht gerade für ihn: aus der richtigen Familie kommend und mit reichlich Kontakten ist es nur nötig, dass er
es sein lässt, sich gegen etwas zu stellen, allzu deutlich Neid zu zeigen, in Konflikt mit einem Übergeordneten zu gelangen oder sich gekränkt zu zeigen. Leistung wird nicht gefordert.
Zu Dolly habe ich noch keine spezielle Meinung. Sie erscheint mir ganz nett, aber ist etwas farblos in ihrer hilflosen Verliebtheit in ihren treulosen Mann.
Mich würde wirklich interessieren, wie das in dieser Zeit mit der Scheidung war. Kann man sich so einfach scheiden lassen? Mit 3 Kindern abzuhauen stelle ich mir außerdem schwierig vor. Es wird zwar irgendwo gesagt, dass sie ein eigenes Einkommen hat, aber ganz so viel dürfte das ja nicht sein.
Also ich denke Scheidung war damals noch nicht. Ich glaube die meinen auch nur eine Trennung keine Scheidung, aber so genau weiß ich das auch nicht.
Scheidung oder "nur" Trennung? Ganz klar ist mir das auch nicht, aber im 12. Kap. denkt Dollys Mutter an sie; Dolly hatte vor,
sich von ihrem Mann zu scheiden heißt es in meiner Übersetzung. Was die Finanzen betrifft, hatte ich den Eindruck (wie ich schon geschrieben hatte), dass eher Bolkonski von Dolly abhängig ist als umgekehrt.
Ich kann auch kein französich. Hast du bei deiner Ausgabe bei den französichen Textzeilen keine Fußnoten?
Welche französischen Zeilen? Bisher bin ich nur auf einen englischen Ausdruck und ein
deutsches Gedicht gestoßen. Entweder wurden die französischen Ausdrücke in meiner schwedischen Ausgabe übersetzt, oder sie kommen erst noch. Deutsch sind folgende Zeilen aus dem
11. Kap.:
Himmlisch ist's, wenn ich bezwungen
Meine irdische Begier;
Aber doch, wenn's nicht gelungen,
Hatt' ich auch recht hübsch' Plaisir!Lewin mag ich eigentlich, obwohl ich nur mit dem Kopf schütteln konnte, als er sich Kitty als "vollkommenes Wesen" (Kap. 6) vorstellt, dessen er natürlich völlig unwürdig ist. Er ist mit seinen Anfang 30 ein bisschen zu alt für eine solche Idealisierung einer Frau, finde ich. Auch seine völlige Verurteilung einer "gefallenen Frau" (Kap. 11) finde ich daneben, vor allem, da er selbst ja nicht ganz unbefleckt ist und sicher seinen Teil zum Fall von Frauen beigetragen hat.
Zu Wronski kann ich noch nicht viel sagen. Er ist bisher nur kurz aufgetaucht, aber ich bin misstrauisch Männern gegenüber die so perfekt wie er geschildert werden. "Reich, schön, begabt, gebildet, aus guter Familie" - zu viel des Guten?
Ich bin gespannt darauf, wie es weiter geht.