Also, ich habe mir das Buch zu Gemüte geführt und schon nach den ersten paar Seiten bedauert, die deutsche Version genommen zu haben, da ich jetzt auf den nächsten deutschen Band im August warten muss, damit das Ganze im Regal auch einheitlich aussieht.
Inhalt: Wir befinden uns zur Zeit der napoleonischen Kriege auf Seiten der Engländer, deren Hauptstreitmächte sich in die Marine und das Fliegerkorps unterteilen. In der Marine herrscht Zucht und Ordnung und auf das Fliegerkorps wird eher herabgesehen, da sich deren Manieren nicht sehen lassen können. Aufgrund der Tatsache, dass man einen Piloten (da dessen Drache das wohl nicht gut heißen würde) nicht für jede Lappalie bestrafen kann, hat sich bei ihnen ein recht lockerer Lebensstil eingeschlichen, der sie in Verruf gebracht hat. Nicht verwunderlich, dass Laurence, ein Kapitän der Marine, eher entsetzt ist, als ein erbeutetes Drachenei auf seinem Schiff schlüpft und sich der kleine Drache ausgerechnet ihn als Lenker erwählt. Aber es ist Krieg und die Pflicht geht vor...
Meine Meinung: Herrlich. Ich habe lange keine Fantasy gelesen und muss sagen, dass ich es nach diesem Buch bereue. Die Übersetzung lässt sich schon wunderbar lesen und ich kann mir denken, dass es einige Stellen gibt, deren Humor im englischen Original besser rüber kommt. Temeraire ist als Drache nichts, was mir so völlig unbekannt wäre, aber er ist auch kein vollkommenes Klischee und die sich entwickelnde Beziehung zwischen ihm und Laurence lässt sich gut nachempfinden.
Es wechseln sich zwischenmenschliche Krisen ( die nur teilweise aus Laurence' vollkommener Andersartigkeit innerhalb des Korps resultieren) und durch den Krieg bedingte ab, was die Geschichte sehr auflockert. Für mich war alles sehr logisch und gut nachvollziehbar, auch wenn ich mir zwischendurch nie ganz klar darüber war, wie groß die Drachen denn jetzt genau sind. Es gab keine Stellen, an denen ich mich zum Lesen hätte zwingen müssen und ich hatte nie das Gefühl, dass Personen nur Mittel zum Zweck wären. Sie alle hatten Charakter und viele von ihnen konnte man verabscheuen oder gern haben oder sich auch nicht so ganz sicher sein. Die Identifikation mit Laurence ist sehr groß, weswegen ich an vielen Stellen entrüstet oder enttäuscht oder mitleidig war. Der einzige Negativpunkt wäre, dass die Autorin manchmal ein bisschen zu sehr versucht, Mitleid zu wecken, zumindest hatte ich den Eindruck. Aber es ist nicht so aufdringlich, wie bei vielen anderen und wirkt sich auch nicht auf meine Bewertung aus.
