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Autor Thema: Literatur in "fremden" Ländern- Teil 2: good old germany oder Deutschland  (Gelesen 4311 mal)

K.May

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Willkommen zur zweiten Rundes unserer kleinen Reise und in unser aller Heimatland (Schweizer und Österreicher müssen sich leider hinten anstellen!)! :breitgrins:

Wo fange ich an?
Hmm, jeder oder die meisten kennen einen größeren Teil der bekannten Lektür. Wohl hauptsächlich die Klassiker wie Goethe, Schiller, Brecht, Mann etc. . Seltsamerweise hat es mit diesen Klassiker oder bekannteren Persönlichkeiten irgendwann "aufgehört". Naja, vielleicht müssen erstmal wiede welche sterben, um dann zu Klassikern zu werden.

Was gibt es sonst noch zu Deutschland zu sagen?
Im Bereich Fantasy und Horror sind wir ganz passabel (auch weltweit oder?) vertreten, bei den Krimis hapert es etwas, dafür sind unsere wissenschafltichen Werke wieder ganz gut - ordentlicher Durchschnitt also.


Im Vergleich zu anderen Ländern kommt mir aber die deutsche Literatur etwas zu ernst/belehrend vor.
Wenn man das so in einem Satz ganz grob sagen darf. :zwinker:

Ihr seid dran! :smile:
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"Der Mann, der den Berg abtrug, war derselbe, der anfing, kleine Steine wegzutragen."
Konfuzius
 

sandhofer

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Hallo zusammen!

[...] in unser aller Heimatland [...] hauptsächlich die Klassiker wie Goethe, Schiller, Brecht, Mann etc. [...]

Ich finde solche Aussagen immer irgendwie ... putzig ... Ist nicht böse gemeint, aber ... Deutschland, Österreich und die Schweiz sind auf ihre Klassiker immer unheimlich stolz - leider jedes Mal erst, wenn sie tot sind ...

Erschwerend kommt hinzu, dass z.B. Goethe und Schiller zu einer Zeit lebten, als "Deutschland" allenfalls das Heilige Römische Reich Deutscher Nation bezeichnen konnte - ein Papierkonstruktion, die den Hessen z.B. nicht daran hinderte, überall an den Grenzen Zollhäuser hinzustellen (auch gegen benachbarte deutschsprachige Länder), andere Währung, Masse und Gewichte zu führen etc. etc. So war Goethe eben gebürtiger Frankfurter, Schiller ein Untertan des Herzogs von Württemberg. Und es dauerte lange, bis er sich nach seiner Flucht wieder mal von Jena nach Stuttgart traute, da er riskierte, dort verhaftet zu werden ...

Auch als später "Deutschland" als politische Einheit feststand ... Brecht wurde 1935 die deutsche Staatsbügerschaft aberkannt. Mann - wenn Du Thomas meinst: Er starb als US-amerikanischer Bürger in der Schweiz, da er nicht mehr in seine "Heimat" zurückkehren wollte (wenn ich mich recht erinnere). Wenn Du Heinrich meinst: Er nahm 1936 die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft an. Ihre Mutter übrigens war Brasilianerin ...

Es ist halt ein Kreuz mit den Menschen. Sie passen so schlecht in irgendwelche Schubladen, wo irgendwelche Staaten sie hineinpressen möchten. Und die Schublade "Heimatland" ... nun ja ...

Grüsse

Sandhofer
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Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

nikki

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[...] auf ihre Klassiker immer unheimlich stolz - leider jedes Mal erst, wenn sie tot sind ...


Ist das nicht ein auf die ganze Künstlerschaft übertragbares Modell? Man denke nur an die Maler.

Es ist halt ein Kreuz mit den Menschen. Sie passen so schlecht in irgendwelche Schubladen, wo irgendwelche Staaten sie hineinpressen möchten. Und die Schublade "Heimatland" ... nun ja ...

Da stimme ich dir vollkommen zu. Dazu kommt, dass die der Nationalstaat eigentlich ein relativ junges geschichtliches Konstrukt ist (19. Jhd). Leider erleben die Ideen des Nationalismus und die damit verbundenen Symbole noch immer Hochkonjuktur und der Wert des Reisepasses scheint noch immer über dem des Menschen zu stehen.

Aber ich glaube, diese Diskussion war nicht K.May's Absicht, denn sonst dürfte man auch schwer über indische, französische, englische usw. Literatur reden. Der Mensch definiert sich noch immer durch Abgrenzung zu anderen, und die nationale Zugehörigkeit wird hier (leider) noch immer als Hauptkriterium verwendet. Dies wird einem v.a. hier bei uns in Österreich durch den Wahlkampf mehr als deutlich vor Augen geführt, finde ich zum Kotzen. Auch wenn man sich zu einem einfachen Halbmarathon anmelden will, muss man seine Nationalität angeben, wen interessiert's?

Spontan fallen mir ein: Daniel Kehlmann, Martin Walser, Sasa Stanisic, Maxim Biller, Christian Kracht, Grass

Lg
nikki
« Letzte Änderung: 28. September 2006, 22:16:50 von nikki »
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Ich lese gerade:
Lion Feuchtwanger - Der jüdische Krieg

dora

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Willkommen zur zweiten Rundes unserer kleinen Reise und in unser aller Heimatland (Schweizer und Österreicher müssen sich leider hinten anstellen!)! :breitgrins:

Hallo,
hm,..ist zwar nicht mein Heimatland  und sowieso mag  ich dieses Wort nicht, es ist für mich der Inbegriff für Nationalismus, Xenophobie, Krieg..., doch denke ich , dass Deutschland  so einiges an zeitgenössischen Literaten zu bieten hat: Wolfgang Hilbig, Hans-Ulrich Treichel, Wilhelm Genazino... tja, jetzt fallen mir nur noch Schweizer und Österreicher ein :zwinker:

liebe Grüsse
dora

P.S. Vielleicht eine dumme Frage, aber wieso "good old germany"? Ich habe den Ausdruck noch nie gehört. :redface:
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caro

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Der Mensch definiert sich noch immer durch Abgrenzung zu anderen, und die nationale Zugehörigkeit wird hier (leider) noch immer als Hauptkriterium verwendet.
Unverständlicherweise - ...und es ist traurig, meiner Meinung auch in gewisserweise Realitätsfremd. 

Auch wenn man sich zu einem einfachen Halbmarathon anmelden will, muss man seine Nationalität angeben, wen interessiert's?
Vorallem interessiert es den Staat. Jedenfalls ist mir privat noch niemand über den Weg gelaufen, der als erstes nach der Nationalität gefragt hätte. 
 
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nikki

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Hallo Caro!

Jedenfalls ist mir privat noch niemand über den Weg gelaufen, der als erstes nach der Nationalität gefragt hätte. 
 

Es hat dich noch nie jemand gefragt, woher du kommst? Denn das ist für mich die Frage nach meiner Nationalität. Natürlich muss das nicht sofort etwas schlechtes bedeuten. Neugierde ist eine tolle Eigenschaft. Nur, die Zugehörigkeit zu einer Nation ist eine Zuschreibung, die oft wichtiger zu sein scheint als der Mensch selbst. Damit komme ich nicht klar.

Der Mensch definiert sich noch immer durch Abgrenzung zu anderen, und die nationale Zugehörigkeit wird hier (leider) noch immer als Hauptkriterium verwendet.
Unverständlicherweise - ...und es ist traurig, meiner Meinung auch in gewisserweise Realitätsfremd. 
 

Sorry, ich verstehe nicht, was du sagen willst. Was ist unverständlich und was traurig?

Lg
nikki
« Letzte Änderung: 29. September 2006, 00:35:41 von nikki »
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Tantus

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Bernhard Schlink und auch Patrick Süskind dürften (zumindest mit jeweils einem Werk) im Ausland doch auch ziemlich be- und anerkannt sein, oder?
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dubh

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[...]

Es ist halt ein Kreuz mit den Menschen. Sie passen so schlecht in irgendwelche Schubladen, wo irgendwelche Staaten sie hineinpressen möchten. Und die Schublade "Heimatland" ... nun ja ...
Dankeschön, sandhofer! Ein sehr schöner Beitrag... :smile:

Es hat dich noch nie jemand gefragt, woher du kommst? Denn das ist für mich die Frage nach meiner Nationalität. Natürlich muss das nicht sofort etwas schlechtes bedeuten. Neugierde ist eine tolle Eigenschaft. Nur, die Zugehörigkeit zu einer Nation ist eine Zuschreibung, die oft wichtiger zu sein scheint als der Mensch selbst. Damit komme ich nicht klar.
Ja, genau damit komme ich auch nicht klar! Es ist interessant zu wissen, wo andere Menschen leben und welche Sprache sie sprechen - und dazu kann man die Frage stellen, WOHER man kommt. Aber welchen Pass derjenige/diejenige besitzt ist doch völlig unerheblich.

Und ganz ehrlich: ich habe keinen Anteil an irgendwelchen Durchschnittswerten - ich lese Bücher, aber schreibe keine. Über gute Bücher freue ich mich, aber eine Wir-Schublade kann ich für mich nicht erkennen.

Um noch was zur ursprünglichen Thematik beizutragen: gute, deutsche  :zwinker: Krimiautoren fallen mir auch nicht viele ein, aber ein paar richtig gute:
Ulrich Ritzel, Wolfgang Schorlau, Thea Dorn, Horst Eckert, Anne Chaplet, ...

Schöne Grüße
dubh
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sandhofer

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Hallo zusammen!

Bernhard Schlink und auch Patrick Süskind dürften (zumindest mit jeweils einem Werk) im Ausland doch auch ziemlich be- und anerkannt sein, oder?

Leider, leider ...

So, wie von allen Brasilianern ausgerechnet Coelho Weltruhm erlangt zu haben scheint ...

Grüsse

Sandhofer
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Bernhard Schlink und auch Patrick Süskind dürften (zumindest mit jeweils einem Werk) im Ausland doch auch ziemlich be- und anerkannt sein, oder?

Leider, leider ...

So, wie von allen Brasilianern ausgerechnet Coelho Weltruhm erlangt zu haben scheint ...

Naja ... das würd ich jetzt nicht direkt vergleichen ;)

Gerade in den letzten Jahren habe ich wieder verstärkt zu deutschen Autoren gegriffen und ein paar schöne Entdeckungen gemacht, neben den genannten Bernhard Schlink, Patrick Süskind und Anne Chaplet auch (querbeet) Cornelia Funke, Susanne Mischke, Martin Walser, Hermann Hesse, Dieter Wellershoff, Tanja Kinkel, Ralf Isau und Erich Kästner.
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The best piety is to enjoy--when you can. You are doing the most then to save the earth's character as an agreeable planet. And enjoyment radiates. It is of no use to try and take care of all the world; that is being taken care of when you feel delight--in art or in anything else. Would you turn all the youth of the world into a tragic chorus, wailing and moralising over misery?
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sandhofer

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Hallo zusammen!

Bernhard Schlink und auch Patrick Süskind dürften (zumindest mit jeweils einem Werk) im Ausland doch auch ziemlich be- und anerkannt sein, oder?

Leider, leider ...

So, wie von allen Brasilianern ausgerechnet Coelho Weltruhm erlangt zu haben scheint ...

Naja ... das würd ich jetzt nicht direkt vergleichen ;)

Wieso nicht? Beide stehen besseren Romanciers ihres Landes im Wege und liefern ein völlig falsches Bild von dessen Literatur. Mir wäre es lieber, die Amis*) würden an Stelle von Schlink und Süskind jr. zum Beispiel Genazino kennen und Markus Werner. Ach so ... nee ... der ist ja Schweizer ...  :breitgrins:

Grüsse

Sandhofer

*) Und den Deutschsprachigen wäre eine vermehrte Lektüre von Süskind senior zu wünschen ...  :zwinker:
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Ich denke generell, dass man die literarische Szene eines Landes nicht nach 1-2 Autoren beurteilen darf und glaube auch weniger, dass diese Autoren den anderen tatsächlich im Wege stehen - vielleicht auf den ersten Blick, aber wenn man tiefer einsteigt, kommt man auch noch auf andere Schreiberlinge. Und die Einschätzung ist eh immer subjektiv ;)
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Hallo zusammen!

Ich denke generell, dass man die literarische Szene eines Landes nicht nach 1-2 Autoren beurteilen darf und glaube auch weniger, dass diese Autoren den anderen tatsächlich im Wege stehen - vielleicht auf den ersten Blick, aber wenn man tiefer einsteigt, kommt man auch noch auf andere Schreiberlinge. Und die Einschätzung ist eh immer subjektiv ;)

Ich gebe Dir natürlich völlig recht. Nur - wie Beispiel beweist - kennen eben viele nur die Spitze des literarischen Eisbergs ...

Grüsse

Sandhofer
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Das kann ich nicht abstreiten, jetzt haste mich :breitgrins:
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Ich denke generell, dass man die literarische Szene eines Landes nicht nach 1-2 Autoren beurteilen darf und glaube auch weniger, dass diese Autoren den anderen tatsächlich im Wege stehen - vielleicht auf den ersten Blick, aber wenn man tiefer einsteigt, kommt man auch noch auf andere Schreiberlinge. Und die Einschätzung ist eh immer subjektiv ;)

Deshalb ist es ja das Ziel dieses Threads viele schöne Authoren und Spezialitäten des Landes zusammen.

Sandhofer hat natürlich Recht, daß es viele Exil-Autoren gab/gibt und auch viele, die nicht mehr unbedingt was mit Deutschland zu tuen haben wollten. Aber im Herzen sind sie ja immer noch Deutsche (Pathos^10! :breitgrins:)!

Auch muss ich ihm zu stimmen, daß es dieses einheitliche "Deutschland" so wie wir es kennen, noch nicht allzu lange gibt, aber diese "älteren" Authoren immer als Deutsche gehandelt werden; von Schule und Studium angefangen bis zu uns.
Warum das so ist, weiß ich nicht genau? Vielleicht würde hier etwas Aufklärung not tuen...

Zu den Empfehlungen :

Fantasy - Onkel Markus Heitz eindeutig ( Die Zwerge etc.)
               Monika Felten
              und evtl. noch Hohlbein ( Chronik der Unsterblichen, Templer-Saga)


To be continued... :zwinker:



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