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Autor Thema: Herbstgedichte  (Gelesen 1854 mal)

Bine1970

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Re: Herbstgedichte
« Antwort #15 am: 23. Oktober 2006, 15:41:48 »

 :winken: Juhu


Habe noch ein paar gefunden

Septembermorgen  

Auf dem Turm, im Morgenstrahl
steh ich lichterfüllt.
Nebel hält das weite Tal
Drüben noch verhüllt.

In  des Himmels lichtes Blau
Dröhnen Glocken schwer.
Unsichtbar, aus goldenem Grau
Schwingt die Antwort her.

Sieh der Nebel reißt und raucht!
Grün und bunt der Hang!
Blitzend aus der Tiefe taucht
 Jetzt der Turm, der klang
Gespeichert
:biene: 
liest u.a.
SLW 2012   Coverliste 3/10   

Da ich eher selten hier bin wünsche ich allen Geburtstagkinder alles liebe und gute

Phistomefel

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Re: Herbstgedichte
« Antwort #16 am: 23. Oktober 2006, 22:12:40 »

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland (Th. Fontane)

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll.
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: "Junge, wiste 'ne Beer?"
Und kam ein Mädel, so rief er: "Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn".

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: "Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab."
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Bündner mit Feiergesicht
Sangen "Jesus meine Zuversicht".
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
"He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?"

So klagten die Kinder. Das war nicht recht -
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtrauen gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was er damals tat,
Als um eine Birn' ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gehen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet's wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her,
So flüstert's im Baume: "Wiste 'ne Beer?"
Und kommt ein Mädel, so flüstert's: "Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew' di 'ne Birn."

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.
Gespeichert
"In Büchern liegt die Seele aller gewesenen Zeit"
(Thomas Carlyle)

dora

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Re: Herbstgedichte
« Antwort #17 am: 23. Oktober 2006, 23:24:46 »

hallo zusammen,
hier noch zwei Herbstgedichte

lyrikmail Nr. 1150  31.10.2005
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Laub am Boden

                 "Einen ganzen Sommer lang Sonnen-
                  schein und blauen Himmel...-
                  Sei glücklich, glücklich gewesen zu
                  sein"!                Jost Seyfried


Laub am Boden, Laub am Boden,
Gelb und rot und braun,
Dorn und Hagebutt am Strauche,
Leere Nester im Zaun!

Sommerende - Spätoktober...
Glauben muß ich's nun doch:
Daß wir lange auseinander
Eh' Dezember es noch!

Sturm am Himmel - Schneegestöber...
Frost im Herzen und Hohn;
Daß es anders einst gewesen,
Du bereust es ja schon!

Laub am Boden, Laub am Boden,
Gelb und rot und braun;
Und der nächste Windstoß kehrt es
Lachend hinter den Zaun.


Cäsar Flaischlen
(1864-1920)


* Quelle
Moderner Musen-Almanach auf das Jahr 1893 herausgegeben von
Otto Julius Bierbaum. Ein Sammelbuch deutscher Kunst. - München

Der Herbst

Dies ist der Herbst: der bricht dir noch das Herz!
Flieg fort! flieg fort! -
Die Sonne schleicht zum Berg
Und steigt und steigt
und ruht bei jedem Schritt.

Was ward die Welt so welk!
Auf müd gespannten Fäden spielt
Der Wind sein Lied.
Die Hoffnung floh 
Er klagt ihr nach.

Dies ist der Herbst: der bricht dir noch das Herz.
Flieg fort! flieg fort!
Oh Frucht des Baums,
Du zitterst, fällst?
Welch ein Geheimnis lehrte dich
Die Nacht,
Daß eis'ger Schauder deine Wange,
Die Purpur-Wange deckt?

Du schweigst, antwortest nicht?
Wer redet noch?

Dies ist der Herbst: der bricht dir noch das Herz.
Flieg fort! flieg fort!
"Ich bin nicht schön"
- so spricht die Sternenblume
"Doch Menschen lieb' ich
Und Menschen tröst' ich
sie sollen jetzt noch Blumen sehn,
nach mir sich bücken
ach! und mich brechen -
in ihrem Auge glänzt dann
Erinnerung auf,
Erinnerung an Schöneres als ich:
Erinnerung an Glück, an Menschenglück:
- ich seh's, ich seh's - und sterbe so".

Dies ist der Herbst: der bricht dir noch das Herz!
Flieg fort! flieg fort!


Friedrich Nietzsche
(1844-1900)
Gespeichert

Bine1970

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Re: Herbstgedichte
« Antwort #18 am: 24. Oktober 2006, 13:36:11 »

 :winken:

Das sind wieder sehr schöne Gedichte  :herz:

Hier noch eins:


Letzter Herbsttag

Der Herbsttag, bunt und leicht,
Ein Schmetterling hold,
Ein Pfauenauge,
streicht
durch den Himmel aus Blau und Gold.
Schau hin wie er blitzt!
O zärtliche Stille, nun sitzt
Er dir aufr der Hand.
Wie Wimpern regt
Er die Flügel, jetzt unbewegt,
Dass er Süßigkeit sauge,
Hat er die Schwingen zusammengelegt,
Dort
Ruht er an deines Herzens Rand...

Sprich kein Wort!
Heb nicht die Hand!
Gleich fliegt er fort


« Letzte Änderung: 24. Oktober 2006, 13:39:47 von Bine1970 »
Gespeichert
:biene: 
liest u.a.
SLW 2012   Coverliste 3/10   

Da ich eher selten hier bin wünsche ich allen Geburtstagkinder alles liebe und gute