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Autor Thema: Siri Hustvedt - Was ich liebte  (Gelesen 2580 mal)

SiberianSkies

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Siri Hustvedt - Was ich liebte
« am: 01. September 2006, 08:17:01 »





Inhalt:
Dieses Buch erzählt die Geschichte zweier Künstlerfamilien in New York. Leo Hertzberg, Kunsthistoriker, und Bill Wechsler, ein noch unbekannter Maler, lernen sich kennen, als Leo ein Bild von Bill kauft. Die beiden verbindet bald eine intensive Freundschaft, und die beiden Familien ziehen kurz darauf in das selbe Haus. Beide bekommen einen Sohn, beide müssen sich im Laufe der Jahre sowohl mit den Schicksalen ihrer Ehe als auch mit denen ihrer Söhne auseinandersetzen.

Meine Meinung:
Siri Hustvedt erzählt in diesem Buch die faszinierende Geschichte der beiden Familien in der New Yorker Kunstszene. Vor allem Kunstinteressierte dürften an diesem Buch viel Freude haben, da die Kunst immer im Bezug zu den Leben der Protagonisten steht und einen hohen Stellenwert einnimmt. Auch ich, die ich mit Kunst eigentlich nicht so viel zu tun habe, war von der Atmosphäre der Szene und ihren interessanten Figuren sehr eingenommen und habe mich bei den Gesprächen über Kunst und den Beschreibungen verschiedener Werke Bills kein bisschen gelangweilt. Das Buch wird aus der Sicht Leo Hertzbergs erzählt und ich finde, dass ihr die männliche Perspektive gut und überzeugend gelungen ist.

Was das Buch auszeichnet sind Hustvedts klare, eindringliche Sprache, ihre lebendigen Figuren sowie ihre Fähigkeit, Tragik, Erotik, Freundschaft, Liebe und alles andere was zum Leben gehört überzeugend und gar nicht kitschig darzustellen. Man ist sofort von der Geschichte und ihrer Atmosphäre gefesselt, das Buch liest sich leicht und bietet einen intelligenten und sehr einfühlsamen Einblick in das Leben der beiden Familien, ihre Schicksalsschläge, ihre Beziehungen untereinander und das Milieu, in dem sich alles abspielt.
Das Buch bekommt von mir natürlich

5ratten
« Letzte Änderung: 01. September 2006, 11:14:53 von SiberianSkies »
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Austen

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Re: Siri Hustvedt - Was ich liebte
« Antwort #1 am: 01. September 2006, 08:51:47 »

Ich habe vor ca zwei Jahren "Was ich liebte" gelesen, das Buch war damals eines meiner Highlights. Die Beziehungen der Protagonisten, die Schwierigkeiten mit dem Jugendlichen, teilweise war es wie ein Krimi zu lesen. Jedenfalls habe ich dann kurz danach "Die unsichtbare Frau" und "Die Verzauberung der Lily Dahl" von Siri Hustvedt gelesen, waren beide auch sehr gut, besonders die Verzauberung. Ich mag einfach ihren Schreibstil.
liebe Grüße
Austen
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Valentine

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Re: Siri Hustvedt - Was ich liebte
« Antwort #2 am: 01. September 2006, 10:44:19 »

Ein wunderbares Buch, das ich vor einiger Zeit mit viel Gewinn in einer Leserunde gelesen habe.

Neben der Kunst fand ich auch die Thematik der Kindererziehung sehr interessant, die Frage, ob der Sohn (Mark?) sowieso "so" geworden wäre oder ob es an der Erziehung lag.
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The best piety is to enjoy--when you can. You are doing the most then to save the earth's character as an agreeable planet. And enjoyment radiates. It is of no use to try and take care of all the world; that is being taken care of when you feel delight--in art or in anything else. Would you turn all the youth of the world into a tragic chorus, wailing and moralising over misery?
George Eliot: Middlemarch

SiberianSkies

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Re: Siri Hustvedt - Was ich liebte
« Antwort #3 am: 01. September 2006, 11:16:14 »

@Valentine
Ja, das fand ich auch sehr interessant, vor allem weil ja Bills Bruder schizophren ist, und ich habe mich gefragt ob es vielleicht auch eine erbliche Sache sein könnte bzw. ob das auch mitspielt.
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Austen

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Re: Siri Hustvedt - Was ich liebte
« Antwort #4 am: 02. September 2006, 09:51:48 »

Valentine, sicher spielt die Erziehung eine Rolle, doch bei einem Jugendlichen dieses Alters (wie alt war er eigentlich genau, das habe ich schon vergessen. ) spielen so viele Faktoren eine Rolle, die man als Elternteil kaum beeinflussen kann, die Freunde, die Schule, die Lokale, in die sie gehen,  nicht zu vergessen heutzutage das Internet.
Erziehung ist bei Jugendlichen eine Gratwanderung zwischen Loslassen, Vertrauen und einem Versuch in die richtige (doch was ist schon richtig) Richtung zu führen. Und was sie dann daraus machen, dafür sind sie halt schon selbst verantwortlich. Ich spreche aus Erfahrung, meine Töchter sind 15 und 17 Jahre alt...
liebe Grüße
Austen
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Chromos

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Re: Siri Hustvedt - Was ich liebte
« Antwort #5 am: 06. September 2006, 22:25:34 »

so, habt mich überzeugt, das Buch kam heute reingeflattert :zwinker:
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tina

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Re: Siri Hustvedt - Was ich liebte
« Antwort #6 am: 28. März 2007, 23:37:52 »

Was ich liebte - Siri Hustvedt

Kurzbeschreibung:

Leo Hertzberg erzählt die Geschichte seines Lebens. Sie beginnt in der Begegnung mit dem Maler Bill Wechsler, mit welchem Leo eine lebenslange Freundschaft verbindet. Aus der Rückblende werden die besonderen aber auch alltäglichen Seiten des Lebens mit den Lebenspartnern den Freunden und den Kindern aufgezeigt. Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt, von denen jeder einer ganz bestimmten Lebensphase Leos entspricht.

Am Anfang des Buches wird der Leser mit den Grundlagen von Leos Leben konfrontiert. Den Menschen, welche in seinem Leben eine große Rolle spielen, aber ebenso auch der Kunst, die für Leo ebenfalls existentiell ist. Das war ein Punkt, der mir persönlich nicht so sehr zusagte. Die Beschreibungen der Kunstgegenstände bis ins kleinste Detail waren für mich eher langatmig und uninteressant. Trotzdem bewegt mich die Geschichte zum weiter lesen. Es waren keine herausragenden Ereignisse, die mich faszinierten, sondern die alltäglichen großen wie auch kleinen Sorgen und Freuden, die einen Tag für Tag bis ans Lebensende begleiten und den Menschen, den sie betreffen für den Rest seines Lebens prägen.
Es ist ein Buch über die Liebe und deren Macht und Stärke, die sie auf uns hat. Die Liebe, die uns dinge ertragen lässt, von denen wir immer dachte, dass man sie nicht bewältigen kann. Es ist die Liebe zum Lebenspartner, dem Freund fürs Leben und dem eigenen Kind. Die Liebe zu Kunst, Vertrauen und Hoffnung, so irrational dies auch manchmal erscheinen mag. Es ist eine Laudatio für die Kraft, Stärke und Treue, die wahre Liebe in uns bewirken kann.
Wer bei diesem Buch einen Liebesroman oder gar lustige Szenen erwartet, der liegt hier völlig falsch; wer sich aber gerne auf ein Buch über das Leben einlässt ohne Schönfärberei, der ist mit diesem Buch an der richtigen Adresse.

3ratten +   :marypipeshalbeprivatmaus:


Tina
« Letzte Änderung: 14. Dezember 2011, 01:15:30 von tina »
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Re: Siri Hustvedt - Was ich liebte
« Antwort #7 am: 01. April 2007, 18:59:48 »

Ich kann der Beurteilung von Tina nur zustimmen und nur wenig hinzufügen.

Das Buch ist in 3 Teile geteilt, und jeder Teil unterscheidet sich sehr deutlich von den anderen.

Besteht der erste Teil hauptsächlich aus Schilderungen der New Yorker Kunstszene und diverser Beschreibungen von Kunstwerken, so handelt Teil 2 vom Schicksal des Paares Leo und Erica. In Teil 3 spielt Mark mitsamt seinem  Zugrundegehen die Hauptrolle.

Mich persönlich sprach Teil 2 am meisten an und ich hätte mir gewünscht, mehr zu erfahren über Leo und Erica und das Scheitern ihrer glaublich doch so perfekten Ehe. Diesen Teil fand ich sehr einfühlsam, sensibel und eindrucksvoll beschrieben.

Für mich bestand die Hauptthematik darin,wie man mit dem Verlust eines Kindes zurechtkommt. Im Fall von Leo und Erica war es Schicksal, "höhere Gewalt"- der man vollkommen machtlos gegenübersteht und es sich erweist, wieviel eine - offenbar gut funktionierende Ehe - wirklich aushält.
Im Fall von Mark ist man ebenso machtlos, doch dieses Schicksal trifft einem wohl noch härter, muss man doch hilflos und machtlos zusehen, wie er vor die Hunde geht. Leider verlor sich die Autorin in den fast ausufernden, oft wiederholten Schilderungen rund um Mark und  der Drogenproblematik und wurde die für mich interessante Thematik etwas aus den Augen verloren.

Ein Buch, das mich als Mutter enorm anspricht, von mir eine Empfehlung!

4ratten
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Doris

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Re: Siri Hustvedt - Was ich liebte
« Antwort #8 am: 30. Juni 2008, 22:01:05 »

Dieses Buch hat mich auf eine besondere Weise berührt. Die Autorin hat mit ihrem nüchternen, schnörkellosen Stil mit viel Tiefgang die Liebe von Leo zu seiner Familie erzählt und genauso die Ausdrucksstärke von Bills Kunstwerken zur Geltung gebracht. Obwohl ich mich nicht besonders für Kunst interessiere und mit gewissen modernen Richtungen meine Probleme habe, gefielen mir die Schilderungen der Stücke gut. Auch das Künstlermilieu wird fesselnd dargestellt. Im Mittelpunkt steht jedoch die Bedingungslosigkeit der Liebe und Freundschaft, die Leo für die Personen in seinem direkten Umfeld empfindet.

Die meisten Figuren machen im Lauf des Buch eine beeindruckende Entwicklung durch und erscheinen abgesehen von wenigen Ausnahmen sehr echt. Von manchen der Protagonisten hätte ich gerne mehr erfahren.

Kleine Abstriche mache ich, weil sich die Handlung für meinen Geschmack zeitweilig zu sehr auf Mark konzentrierte und am Ende alles ein wenig zu rasant wurde.

4ratten und  :marypipeshalbeprivatmaus:
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Yvaine

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Re: Siri Hustvedt - Was ich liebte
« Antwort #9 am: 01. Juli 2008, 07:57:02 »

@Creativ @Dorsi

Mir ging es da ganz ähnlich wie Euch ....  ich kann Eure Zeilen fast komplett mitunterschreiben.
Auch mich hat diese Geschichte sehr berührt ... sowohl aus dem Gedanken heraus wie der Tod des gliebten Kindes den einzelnen Elternteil verändert und wie sich das insgesamt auf die Menschen in seinem Umfeld auswirkt, als auch aus dem Gedanken heraus, wie wird man als Paar damit fertig oder eben nicht fertig und wie völlig machtlos man dem Untergang des eigentlich so begabten Mark zusehen muß. Mich hat aber nicht gestört daß es dann stellenweise häufiger um Mark ging ... denn er war im Laufe des Buches das innere zentrale Thema um das sich die anderen gedreht haben - in der Geschichte und in ihrem Seelenleben, diese Wiederholungen dürften dann auch die innere Verfassung der Eltern und der ihm nahestehenden Personen wiedergespiegelt haben, ein Teufelskreis, der einen in Gedanken verfolgt.

Ein Buch das ich schon vor einigen Jahren gelesen hab, von dem aber wenig in Vergessenheit geriet und daß mich wirklich bewegt hat. Ich denke ich werde es irgendwann nochmal etwas lesen.

Habt Ihr den dann noch weiter Bücher der Autorin gelesen? Ich wollte noch, hat sich aber nicht mehr ergeben (auf aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben ;) ) .
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Doris

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Re: Siri Hustvedt - Was ich liebte
« Antwort #10 am: 01. Juli 2008, 20:52:07 »

@Dorsi

Nett  :zwinker:


Habt Ihr den dann noch weiter Bücher der Autorin gelesen?

Bisher noch nichts, aber dieses würde mich interessieren. Ich bin nämlich ein Freund von solchen Familiengeschichten.
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Yvaine

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Re: Siri Hustvedt - Was ich liebte
« Antwort #11 am: 01. Juli 2008, 21:18:30 »

@Dorsi äh Doris


klingt doch wirklich nett :breitgrins:

;)

Sorry !


also

@Doris

Ja.. über das Buch hab ich auch vor einiger Zeit in einer Zeitschrift was gelesen. Würd mich auch interessieren. Ich les gar nicht so oft solche Familiengeschichten, aber "Was ich liebte" hat mir wirklich sehr gut gefallen, der ganz Stil hat mir sehr zugesagt, deshalb folgt sicher irgendwann ein neuer Versuch mit der Autorin :) 
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Re: Siri Hustvedt - Was ich liebte
« Antwort #12 am: 01. Juli 2008, 21:36:32 »

Bisher habe ich nur "Was ich liebte" und "Die Leiden eines Amerikaners" gelesen. Wie man meiner Rezi entnehmen  kann, hielt sich meine Begeisterung für Letzteres eher in Grenzen. "Die unsichtbare Frau" subt bei mir noch, aber mein bisheriger Favorit bleibt einstweilen "Was ich liebte"
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Doris

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Re: Siri Hustvedt - Was ich liebte
« Antwort #13 am: 01. Juli 2008, 22:04:09 »

@ creative
Wenn Du die beiden Bücher vergleichst, was war dann an Leiden eines Amerikaners anders bzw. hat Dir weniger gefallen? Der Stil, die Protagonisten oder einfach die Handlung?

Grüße
Dorsi  :breitgrins:
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Re: Siri Hustvedt - Was ich liebte
« Antwort #14 am: 02. Juli 2008, 06:25:32 »

@Dorsi  :breitgrins:

Die Handlung war ähnlich, auch stilistisch konnte man das Können der Hustvedt zumindest passagenweise erkennen. "Was ich liebte" empfand ich als eine Komposition, durchdacht, authentisch und hervorragend gezeichneten Charakteren. Genau das habe ich bei "Die Leiden eines Amerikaners" vermisst. Es tauchen viele Personen auf, die kaum einen Bezug zur Handlung hatten und genauso schnell wieder verschwanden. Die Protagonisten selber blieben mir bis zum Schluss fremd, zu ihnen konnte ich überhaupt keine Beziehung aufbauen, schon gar nicht "mitleiden".

Ich erinnere mich, dass das Buch sehr vielversprechend begann, doch nach und nach verloren sich die Handlungsstränge im Nirgendwo. Aber ich will hier niemanden vom Lesen abhalten, bildet euch selber eine Meinung!!
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