Der russische Adel der damaligen Zeit sprach fast ausschließlich französisch. Die Muttersprache galt als Sprache der Bauern.
Wurde nicht sogar von einer der Personen gesagt, sie (eigentlich er, da ein Mann) spreche richtig schlecht russisch?
Anatol ist mir extrem unsympathisch und genauso Anna, die Gastgeberin der ersten Feier, die permanent versucht andere Menschen zu manipulieren und keinem zugesteht, seine eigenen Meinung zu äußern.
Ich denke, dass ihre Hauptaufgabe als Gastgeberin darin besteht, das Ganze ohne Skandal über die Runden gehen zu lassen. Von daher finde ich ihr Verhalten dort in Ordnung. Weniger gut gefallen mir ihre Kuppelungsversuche. Ich frage mich, wieso sie dies unternimmt. Bestimmt hat sie einen Hintergedanken dabei, denn durch Selbstlosigkeit zeichnet sich in diesem Buch keine einzige Person aus.
Kap. 18:Habe ich die Tischordnung richtig verstanden? Die Männer sitzen an einem Ende, die Frauen am anderen? Oder sitzen sie sich jeweils an den Längsseiten gegenüber?
Kap. 21, ff:Au weia, welch ein Tod! Niemand, aber auch wirklich gar niemand (außer vielleicht Pierre, der absolut gar nichts versteht), interessiert sich für den Sterbenden. Einzig wichtig ist das Testament, um das ein fast slapstickhafter Kampf entbrennt.
Kap. 24:Sehr schön geschildert, die "selbstlose" Anna Michailowna, die Pierre zu seinem Erbe verhilft (und ihm sicherheitshalber deutlichst erklärt, was sie für ihn getan hat), und die dann "unter dem Siegel der Verschwiegenheit" ganz Moskau erzählt, was vorgefallen ist.
Tolstoi scheint keine hohe Meinung von dem russischen Adel zu haben; das kommt schon von Anfang an sehr deutlich durch. Mir gefällt's.
Kap. 25, ff:Wieder ein Wechsel des Schauplatzes: Lysyje Gory, das Gut von dem alten Bolkonski, 150 Werst (laut Wikipedia beträgt ein Werst 1066 m) von Moskau entfernt. Der Alte erweist sich als Haustyrann mit genau feststehenden Gewohnheiten, die durch nichts, aber auch gar nichts aus dem Lot gebracht werden dürfen. Alles hat sich ihm unterzuordnen. Er wird gefürchtet (und geliebt - etwas, das ich nun gar nicht nachvollziehen kann). Seine Tochter tut mir leid, und ebenso Lise, Andrejs Frau, die, solange er im Krieg ist, dort wohnen muss, weit entfernt von allen Freunden und Bekannten. Ich mache mir auch Sorgen, ob sie ihre erste Schwangerschaft überleben wird. Ihr Tod bei der Entbindung würde mich nicht überraschen.