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Autor Thema: Philip Roth - Jedermann  (Gelesen 1491 mal)

Murmelaugenfrau

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Philip Roth - Jedermann
« am: 23. August 2006, 08:47:39 »

Hallo ihr lieben Bücherverschlinger,

ich lese und lese und lese. Dieses Mal habe ich genossen, habe jede einzelne Zeile in mir ruhen lassen.
Und obwohl die Zeit in diesem Buch rasend vergeht, stand um mich alles still.

Jedermann



Ein Mensch stirbt. Und was bleibt? Eine Lebensgeschichte, die uns alle trifft, denn sie beschreibt ein zu normales Leben. Dabei Höhen und Tiefen, ohne zu sehr in die Tiefe zu gehen. Dieser Jedermann hat die erste Begegnung mit dem Tod in den Jugendjahren. So zieht sich eine Krankheit nach der anderen durch sein Leben, windet sich in seinem Körper, beschert ihm immer wieder schwere Operationen. Doch was ihn mehr noch leiden lässt sind seine Gedanken: ein wenig bedeutungsvolles Leben, drei gescheiterte Ehen mit Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, sinnlose Tätigkeiten im Alter und letztendlich die Angst vor dem Nichts.

Was den Menschen ein Leben lang bewegt ist hier in Kürze beschrieben. Der beklemmende Weg ins Nichts zerrt an des Lesers nerven, kann man sich doch allzu gut damit identifizieren - schließlich wird hier gezeigt, was wir alle sind: vergänglich. Ein Experiment für junge Menschen, sich mit dem Altern zu befassen. Für Ältere ein Wiedererkennen des eigenen Zustands?!

Fazit: treffende Sprache, ein Thema, dass uns alle betrifft. Und was bleibt letztendlich? Lesen!
 :tipp:

Gruß
Lu
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creative

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Re: Philip Roth - Jedermann
« Antwort #1 am: 23. August 2006, 18:43:38 »

Danke @Murmelaugenfrau für die Vorstellung des Buches! Ich habe schon vor Erscheinen des Buches ein Augenmerk darauf gelegt und hoffe, es bald in der Bücherei ergattern zu können!
Nachdem mich Verschwörung gegen Amerika nicht so sehr überzeugt hat, lege ich nunmehr alle Hoffnung in dieses Buch!

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creative

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Re: Philip Roth - Jedermann
« Antwort #2 am: 28. September 2006, 07:17:36 »

So, ich habs nun auch gelesen und ich fand es ganz wunderbar!

Das Buch beginnt mit dem Begräbnis des "Jedermanns". Viele Leute sind nicht gekommen, einige kamen aus ehrlicher Trauer, andere schlicht aus Anstand, doch jeder der Anwesenden steht symbolisch für eine Phase seines Lebens.

Der namenlose Protagonist, mittlerweile über 70 Jahre alt, von Krankheit gezeichnet, schaut auf sein Leben zurück. 3 Ehen hat er hinter sich gebracht, 2 Söhne, die ihn verachten, 1 Tochter die nun sein Lebenshinhalt ist. Er hat betrogen, gelogen und verraten, alle Möglichkeiten, die das Leben bietet, ohne Rücksicht auf Verluste ausgenützt.

Umso schwerer fällt es ihm nun, mit den Einschränkungen durch Krankheit und Alter zurecht zu kommen. Er überdenkt sein Leben - nachher ist man immer schlauer - erkennt seine Fehler und Vergehen, möchte manches wieder gut machen bzw. manches ungeschehen machen. Er erkennt, dass es das Leben an sich gut gemeint hat mit ihm, dass er aber durch seine eigene Schuld vieles zerstört hat. Und doch wage ich zu behaupten: Hätter er nochmals die Gelegenheit, würde er es genau so wieder machen! 

Ein Buch über das Altern, über Tod und Vergänglichkeit, über ungenutzte Chancen, über Freunde, Liebe, Werte. Themen, die schon oft behandelt wurden doch m.E. noch nie in einer so brillanten Form!
Traurig und schön, sehr traurig und sehr schön!

5ratten    :tipp:
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tina

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Re: Philip Roth - Jedermann
« Antwort #3 am: 27. August 2007, 11:37:18 »

Philip Roth – Jedermann



OT: Everyman
OA: 2006
172 Seiten
ISBN: 3446208038

Kurzbeschreibung:

Ein kranker Mann am Ende seines Lebens angelangt, begibt sich mental auf die Reise durch sein gelebtes Leben und beginnt zu erforschen und sein Fazit zu ziehen.


Dieses Buch behandelt die Themen Alter, Tod, Liebe, Erotik und Lebenssinn. Passt es zusammen? Aber sicher, denn letztendlich wird sich eines Tages für jeden von uns dieser Kreis der Begriffe schließen und dann werden auch wir unsere Bilanz ziehen.
Der Protagonist, dessen Name uns nie verraten wird; nennen wir ihn also „Jedermann“, sowie der Name des Juweliergeschäfts seines Vaters lautete, steht am Ende seines Lebens und mit einem Mal kommen Zweifel. Das Buch beginnt mit seiner Beerdigung und sofort bekommt der Leser vermittelt, dass es sich bei dem Protagonisten um alles andere, als um einen einfachen Menschen handelt. Es wird dem Leser sehr schwer gemacht für den Protagonisten Sympathie zu empfinden, denn er erweist sich zuerst als egoistischer, oberflächlicher, notorischer Fremdgänger, dem anscheinend im Leben nichts wertvoll ist, außer seinen Egoismus. Wenn aber der Moment im Leben kommt, in dem die eigene Lebenszeit knapp wird, dann kommt auch die Rückschau und die Zweifel an dem eigenen Tun und Handeln der Vergangenheit gewinnen immer mehr Gewicht. Fragen darüber, ob wir im Leben immer richtig und rational gehandelt haben, welche Scherbenhaufen wir auf unserem Weg hinterlassen haben und welche Menschen wir zutiefst verletzt haben, treten in den Vordergrund und die Gewissheit, dass es zu spät ist um anderes zu handeln, Dinge zu ändern und Lebenseinstellungen zu überdenken. Da ergibt sich auch für den Leser die Frage. „Wie sieht es mit meinem Leben aus? Wenn ich heute oder morgen diese Welt verlassen müsste, würde ich dann zufrieden auf mein Leben zurückblicken, habe ich mein Leben sorgsam genutzt oder habe ich Menschen, die unersetzlich und wichtig sind, die eigentlich dem Leben seinen Sinn geben, einfach gedankenlos weggeworfen?“ Natürlich wird man immer und immer wieder in seinem Leben Fehler begehen, eklatante Fehler sogar, aber wichtig ist, kann ich am Ende meines Lebens damit abschließen, oder überwiegt die Qual, alles in den Sand gesetzt zu haben.
Auch wenn der Protagonist uns nicht immer sympathisch ist, so ist er doch aufs tiefste menschlich. So menschlich, dass sich bestimmt der ein oder andere in diesem „Jedermann“ wieder findet und dieses Spiegelbild ist nicht immer schmeichelhaft, aber wer gibt schon gerne zu in seinem Leben ein stellenweise unsympathischer Zeitgenosse gewesen zu sein?
Gerade durch den namenlosen Protagonisten entsteht eine Nähe, denn jeder hat die Möglichkeit dieser Person einen x-beliebigen Namen zu geben, unter anderem auch den eigenen.

 4ratten

Tina
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Ein Optimist ist ein Mensch, der weiß, wie kompliziert die Welt sein kann - ein Pessimist entdeckt das jeden Morgen aufs neue
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Klassikfreund

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Re: Philip Roth - Jedermann
« Antwort #4 am: 27. August 2007, 11:42:14 »


Ein Buch über das Altern, über Tod und Vergänglichkeit, über ungenutzte Chancen, über Freunde, Liebe, Werte. Themen, die schon oft behandelt wurden doch m.E. noch nie in einer so brillanten Form!
Traurig und schön, sehr traurig und sehr schön!

5ratten    :tipp:

Genauso würde ich das Buch auch sehen und bewerten.

Gruß, Thomas
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Samia

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Re: Philip Roth - Jedermann
« Antwort #5 am: 13. Juni 2008, 17:33:34 »

Ein wirklich außergewöhnlich gutes Buch.
Ein doch alltägliches aber von jedem auf irgendeine Weise verhasstes Thema, über das man nicht gerne spricht.
Gefühlvolle und doch sehr klare Sprache. Unheimlich aufwühlend aber an vielen Stellen auch erheiternd durch schlichte Einfachheit.

 :klatschen: Ein Buch das man aufschlägt, und sich in eine andere Welt, vorallem in eine andere Gefühlswelt versetzt fühlt. Man leidet und fühlt mit.

 5ratten
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MacOss

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Antw:Philip Roth - Jedermann
« Antwort #6 am: 14. Oktober 2009, 21:01:15 »


  Philip Roth (geb. 1933)
Jedermann
Originaltitel: Everyman
Erstveröffentlichung: 2006
aus dem Amerikanischen von Werner Schmitz
Verlag: Rowohlt
Taschenbuch
157 Seiten

Ich habe meinen Vorrednern nicht viel hinzuzufügen. Ich habe Philip Roths "Jedermann" vor wenigen Minuten zugeschlagen, bin beeindruckt, und das Buch wird mich bestimmt noch eine Weile beschäftigen.

Inhalt:
Das Leben des namenlosen Protagonisten ist bereits zu Beginn des Buches beendet. Es setzt mit seinem Begräbnis ein, zu dem sich seine Tochter und seine Söhne sowie seine zweite Frau eingefunden haben. Danach erst wird seine Lebensgeschichte vor dem Leser ausgebreitet. Die Geschichte eines Lebens, das bereits früh von Krankheiten und körperlichen Gebrechen geprägt war, von sexuellen Obsessionen, vom Scheitern als Ehemann und Vater, und schließlich vom Älterwerden und der Trostlosigkeit, der Trauer und der Einsamkeit im Alter, wenn der körperliche Verfall einsetzt, Freunde und ehemalige Kollegen sterben und dem "Jedermann" bewusst wird, dass auch er bald sterben wird.

Meine Meinung:
"Jedermann" ist ein eindringliches, beeindruckendes, aber auch höchst deprimierendes Buch, das mir schon ein wenig Angst vorm Älterwerden macht. Was man hier zu lesen bekommt, ist kein optimistischer Ausblick aufs Alter, auf einen möglichen "zweiten Frühling" unter dem Motto "Aktiv im Alter", sondern die Schilderung eines Mannes, der im Laufe seines Lebens einiges erreicht hat, jedoch am Ende erkennen muss, dass er gescheitert ist, seine Ehen zerstört hat, seine Söhne, die keinen Kontakt zu ihm haben wollen, "verloren" hat und schließlich einsam, alt und krank auf seinen Tod zusteuert. So heißt es treffend im Buch: "Das Alter ist kein Kampf; das Alter ist ein Massaker."

Und ich als Leser ertappe mich bei der Lektüre immer wieder dabei, nach Parallelen oder Anzeichen einer ähnlichen Entwicklung bei mir zu suchen, und erkenne schließlich, dass das Leben, das unser "Jedermann" da führt,  jedem von uns so oder ähnlich widerfahren könnte, wenn wir nicht aufpassen. Und das sind dann die Momente, in denen ich mir vornehme, immer ein anständiger Mensch zu sein, meine Mitmenschen nicht zu enttäuschen und schließlich bald mit dem gesünderen Leben zu beginnen...

Auch wenn sich das alles sehr bedrückend anhören mag - das Buch hat mir sehr gut gefallen. Schließlich hat es mich zum Nachdenken gebracht. Das ist schon mal eine Menge wert. Außerdem ist es in einer sehr schönen, schlichten und gut verständlichen Sprache geschrieben und ließ sich nicht zuletzt wegen des geringen Umfangs schnell lesen.

Meine Wertung: 4ratten
« Letzte Änderung: 25. Oktober 2010, 20:23:13 von MacOss »
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cori

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Antw:Philip Roth - Jedermann
« Antwort #7 am: 15. Oktober 2009, 10:01:06 »

Danke für Euer schwärmen... ich bestell mir das gleich!
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MacOss

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Antw:Philip Roth - Jedermann
« Antwort #8 am: 15. Oktober 2009, 10:24:02 »

Das Buch gefällt Dir bestimmt. :smile:
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bibliomonster

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Antw:Philip Roth - Jedermann
« Antwort #9 am: 20. November 2009, 14:19:28 »

Ich habe das Buch gerade beendet und bin, wie meine Vorredner, ziemlich niedergeschlagen. Philip Roths Everyman erzählt von einem Leben, welches mit der kindlichen Unsterblichkeit beginnt und schließlich mit einem verhassten und beängstigenden Alter(n) endet. Everyman erzählt auf unpathetische Weise von der Angst zu sterben, für immer zu verschwinden und vergessen zu werden.

Und ich als Leser ertappe mich bei der Lektüre immer wieder dabei, nach Parallelen oder Anzeichen einer ähnlichen Entwicklung zu suchen, und erkenne schließlich, dass das Leben, das unser "Jedermann" da führt,  jedem von uns so oder ähnlich widerfahren könnte, wenn wir nicht aufpassen.

Dieses Leben könnte uns nicht nur widerfahren, es wird uns widerfahren. Wir können aufpassen wie wir wollen, uns immer gesund ernähren und anständige Menschen sein - gegen Krankheiten sind wir machtlos und Fehler sind menschlich...

Was hat mir Roths Roman also vermittelt (abgesehen davon, dass ich meiner als Kind geglaubten Unsterblichkeit nachtrauere)? Das Leben ist kostbar. Lass es uns genießen - aber so, dass wir am Ende nichts bereuen müssen! :winken:
« Letzte Änderung: 21. November 2009, 05:48:34 von bibliomonster »
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Klassikfreund

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Antw:Philip Roth - Jedermann
« Antwort #10 am: 20. November 2009, 15:34:06 »

Was macht Ph. Roth hier. Der gehört ja wohl zur Weltliteratur!

Gruß, Thomas
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Valentine

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Antw:Philip Roth - Jedermann
« Antwort #11 am: 20. November 2009, 19:50:05 »

Dahin ist er jetzt auch umgezogen  :winken:
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Until I feared I would lose it, I never loved to read. One does not love breathing.
Harper Lee, To Kill a Mockingbird

Wer lesen kann, hat ein zweites Paar Augen, und er muss nur aufpassen, dass er sich dabei das erste Paar nicht verdirbt.
Erich Kästner

cori

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Re: Philip Roth - Jedermann
« Antwort #12 am: 16. März 2010, 09:41:04 »

@MacOss: Das Buch gefiel mir außerordentlich gut!

Gut, typisch amerikanisch! Das 11.September Syndrom im Kopf, ständige und zwar es geht nur um das....Krankheitensyndrom, Werbeagenturklischee, junge Frauen vögeln - Klischee, 3 Mal verheiratet sein - Klischee und und und. Das Buch strotzt vor Klischees und trotzdem MUSS man es nicht lesen, sondern "fressen". Komisch, normalerweise nervt mich sowas ungemein. Aber, das - große Klasse.

Ich gebe:  4ratten
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