Nach einem wenig begeisterten ersten Schmittschen Tête à tête mit
Mein Leben mit Mozart hat mich nun nach
Oscar et la dame rose auch dieses wunderbare Büchlein völlig in seinen Bann gezogen. Und das, obwohl auch dies mal wieder ein Buch (nach
Lea - Pascal Mercier) ist, das die Themen des allein gelassen Werdens und des "freiwilligen Beendens seiner Tage", wie Schmitt es so schön ausdrückt.
Moïse beginnt in dem Moment, in dem er von seinem Vater verdächtigt wird, lange Finger an der Haushaltskasse zu machen, seinen Vater tatsächlich zu bestehlen. Aber nicht nur ihn, sondern auch Monsieur Ibrahim im Laden nebenan. Dadurch entwickelt sich eine Beziehung zwischen den beiden, die unterschiedlicher zu der zum eigenen Vater gar nicht sein kann. Sie ist von Zuneigung und Wärme geprägt und bringt damit den Jungen ins Leben und zum Erwachsenwerden. Zum wirklichen Erwachsenwerden, nicht zur "Taufe des Mannes zwischen den Beinen einer Frau", mit welcher die Erzählung beginnt.
Es ist ein bloßes Skizzieren der Geschichte. Aber es ist genau das, was so vieles ungesagt im Raum hängen lässt.
Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran - das ist kein Büchlein, das man schnell mal eben weglesen sollte. Nein, meiner Meinung nach braucht man viel Zeit dafür. Zeit, um das wahrzunehmen, das eben nicht geschrieben steht oder nur angedeutet wird, um all die Symbolik zu entdecken und zu dechiffrieren.
Ganz zart, ganz leise wird die Vater-Sohn-Beziehung beschrieben, die sich zwischen Moïse und Ibrahim entwickelt, die ihn zu Momo, zum Kind Ibrahims, werden lässt. Und das alles nur,
um ihn wenig später wieder zu verlassen, diesmal aber als mental und auf dem Papier erwachsenem, selbständigem Mensch, der für sich selber sorgen kann. Moïse hat verziehen und ist nicht am Selbstmord von Ibrahim zerbrochen. Vielmehr hat er auch gewonnen, nämlich seine Mutter, wenn auch in etwas bizarrem Verhältnis, das aber zu dem Wandel Moïse --> Momo passt.
Fazit: Für dieses Schätzchen braucht man viel Zeit und Ruhe, und dann ist es mir volle

wert. Wunderschön!