Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.

E-Mail: Passwort:

Autor Thema: Eric-Emmanuel Schmitt - Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran  (Gelesen 4194 mal)

Herbstzeitlose

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 193
Antw:Eric-Emmanuel Schmitt, "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran"
« Antwort #30 am: 11. Februar 2010, 21:30:23 »

Nach einem wenig begeisterten ersten Schmittschen Tête à tête mit Mein Leben mit Mozart hat mich nun nach Oscar et la dame rose auch dieses wunderbare Büchlein völlig in seinen Bann gezogen. Und das, obwohl auch dies mal wieder ein Buch (nach Lea - Pascal Mercier) ist, das die Themen des allein gelassen Werdens und des "freiwilligen Beendens seiner Tage", wie Schmitt es so schön ausdrückt.

Moïse beginnt in dem Moment, in dem er von seinem Vater verdächtigt wird, lange Finger an der Haushaltskasse zu machen, seinen Vater tatsächlich zu bestehlen. Aber nicht nur ihn, sondern auch Monsieur Ibrahim im Laden nebenan. Dadurch entwickelt sich eine Beziehung zwischen den beiden, die unterschiedlicher zu der zum eigenen Vater gar nicht sein kann. Sie ist von Zuneigung und Wärme geprägt und bringt damit den Jungen ins Leben und zum Erwachsenwerden. Zum wirklichen Erwachsenwerden, nicht zur "Taufe des Mannes zwischen den Beinen einer Frau", mit welcher die Erzählung beginnt.

Es ist ein bloßes Skizzieren der Geschichte. Aber es ist genau das, was so vieles ungesagt im Raum hängen lässt. Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran - das ist kein Büchlein, das man schnell mal eben weglesen sollte. Nein, meiner Meinung nach braucht man viel Zeit dafür. Zeit, um das wahrzunehmen, das eben nicht geschrieben steht oder nur angedeutet wird, um all die Symbolik zu entdecken und zu dechiffrieren.
Ganz zart, ganz leise wird die Vater-Sohn-Beziehung beschrieben, die sich zwischen Moïse und Ibrahim entwickelt, die ihn zu Momo, zum Kind Ibrahims, werden lässt. Und das alles nur,
Spoiler (Klick zum Anzeigen/Verbergen)

Fazit: Für dieses Schätzchen braucht man viel Zeit und Ruhe, und dann ist es mir volle 5ratten wert. Wunderschön!
Gespeichert

Jari

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 1270
  • Der Nervzwerg vom Dienst :)
    • Jaris Büchergebrabbel
Re: Eric-Emmanuel Schmitt, "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran"
« Antwort #31 am: 13. März 2010, 19:19:16 »

Mit elf Jahren geht Momo zum ersten Mal zu den Huren an der Rue de Paradis. Mit elf Jahren klaut Momo beim Araber an der Ecke. Der ist schliesslich nur ein Araber. Er ist nur ein Araber.
Doch Monsieur Ibrahim hat den Jungen längst durchschaut und wenn der Junge schon klauen muss, dann wenigstens bei ihm.
Zwischen dem einsamen Jungen und dem weisen Ibrahim entsteht eine tiefe Freundschaft, die aufgebaut ist auf gegenseitigem Respekt, Vertrauen und Humor.
 
Eric-Emmanuel Schmitts Werk "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" erzählt die Geschichte einer aussergewöhnlichen Freundschaft vor dem Hintergrund der Religionen. So kommen immer wieder religiöse Themen zur Sprache, jedoch ohne dass das Buch seinen Humor verliert.
Schmitt zeigt in diesem Buch die Religion nicht als Streitgrund, wie wir sie heutzutage hauptsächlich erleben, sondern als etwas Verbindendes. Dies macht auch das Besondere und Berührende an diesem Buch aus.
 
Das Buch lässt sich für mich mit einem Wort gut beschreiben: Mit "nett". Es handelt sich um eine nette Geschichte, mit netten Charakteren und einem netten Ende. Auch die Länge ist nett, das Buch lässt sich mit seinen 100 Seiten innerhalb kürzester Zeit weglesen.
Was mir weniger gefiel, war das "Möchte-gern-Philosophische", hinter jedem Satz erwartete ich etwas Tiefgründiges, über das ich stundenlang nachsinieren sollte und mich klüger und verständnissvoller aus der Lektüre hervorgehen lassen sollte.
 
Für diejenigen, die gerne tiefgründige Lektüre haben und auch gerne über Gott und die Welt nachdenken, ist Schmitt sehr empfehlenswert.



3ratten
Gespeichert
//Grösser ist doof//

Wickie

  • Teilzeitnorwegerin
  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 231
Re: Eric-Emmanuel Schmitt, "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran"
« Antwort #32 am: 09. April 2010, 20:44:33 »

 :winken:
Ich habe das Buch auf französisch für den SWL 2010 gelesen. Den Inhalt spare ich mir der wurde hier schon oft genug zusammengefasst.

Meinung:
Mir hat das Buch richtig gut gefallen. Besonders hat es mir die schöne Stimmung angetan die es Verbreitet, leicht melancolisch und doch nicht zu ernst oder traurig. Außerdem brachte es mich auch immer wieder zum Schmunzeln.
Dem Wunsch nach "mehr" kann ich mich nicht anschließen. Zwar hätte ich auch nichts dagegen gehabt etwas mehr Zeit mit Monsieur Ibrahim und Momo zu verbringen. Aber mir hat gerade die Tatsache, dass vieles nur angedeutet wurde richtig gut gefallen. Das lässt viel Platz für eigene Gedanken und Vorstellungen. Gerade zum beim Thema Religion wird nichts erklärt, dafür aber immer wieder Denkanstöße geliefert. Ein typisches Beispiel ist für mich die Erwähnung des Sufismus, ohne irgendeine Erklärung was es damit auf sich hat. Das macht neugierig und verleitet vielleicht den einen oder anderen zum selbst nachforschen. Das finde ich viel schöner als wenn alles auf dem Silbertablett serviert wird.
Besonders toll finde ich wie Schmitt sich in dem Buch für Toleranz stark macht. Mein Lieblingssatz ist in diesem Zusammenhang: "Je ne suis pas arabe, je viens du Coissant d'ore." (Ich bin nicht arabisch, ich komme vom Goldenen Halbmond) Schöner kann man das Schubladendenken kaum verurteilen.
Schön beschrieben ist auch wie sich die Freundschaft zwischen Monsieur Ibrahim und Momo vor dem Hintergrund der Religion entwickelt und wie Momo nach und nach seinen Platz im Leben findet.
Insgeamt bekommt das Buch von mir   4ratten
Gespeichert