Mit dieser Diskussion im Hinterkopf habe ich das Buch nochmals gelesen, aber ich bleibe bei meiner Kritik. Inzwischen habe ich nämlich auch
Oskar und die Dame in rosa gelesen, die mir eindeutig besser gefallen hat. Vielleicht kann ich meinen Kritikpunkt etwas besser erklären: die Charaktere sind nicht wirklich flach, natürlich durchlaufen sie Veränderung und sind von Schmitt gut durchdacht. Aber angesichts all der ungewöhnlichen und bedeutungsschweren Dinge, die sich ereignen, reicht es mir nicht. Die Veränderungen sind zu vorhersehbar, zu wenig raffiniert. In
Oskar ist die Handlung deutlich reduzierter, die Entwicklung, die der kleine Junge durchmacht, aber mit mehr Einfallsreichtum dargestellt. Besser kann ich mein „Bauchgefühl“ nicht beschreiben.

Vielleicht sind mir nicht die Charaktere zu "flach" sondern die Handlung zu actionreich?

Übrigens bin ich der Meinung, dass Schmitt mit seiner Trilogie zu den großen Weltreligionen kein erklärendes Werk schaffen wollte, wie es etwa Sophies Welt für die Philosophie darstellt. Die Protagonisten schöpfen Kraft aus einer Religion, ohne dass näher auf Glaubensrichtlinien oder Entstehung eingegangen wird (für
Milarepa vermute ich das lediglich, liege ich richtig?). Und damit stellt Schmitt einfach das verbindende Element in den Vordergrund: eben dass durch Glauben Kraft geschöpft wird. (Schade nur, dass diese Erkenntnis wahrscheinlich für die Menschen, die Schmitt lesen, nichts Neues ist, diejenigen, die es erkennen müßten aber wohl kaum Schmitt lesen.)
Viele Grüße
Breña