Nur mal so nebenbei: Ich finds immer wieder spannend zu sehen, über welche Bücher in diesem Forum schon Rezis verfasst wurden.


InhaltMolina und Valentin sitzen in einem argentinischen Gefängnis ... ersterer wegen Verführung Minderjähriger und zweiterer wegen politischen Extremismus. Zwei Personen treffen gezwungenermaßen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein können. Molina ist ein Homosexueller, der sich als Frau fühlt. Valentin ist ein linksextremer Terrorist, der im Gefängnis regelmäßig gefoltert wird.
Um der Trostlosigkeit ihrer Lage wenigstens für kurze Zeit zu entkommen, erzählt Molina die Handlung von Filmen, die er irgendwann einmal gesehen hat. Eingesperrt auf engstem Raum nähern sich die beiden einander immer mehr an ... sowohl geistig als auch körperlich.
Meine MeinungIch stehe diesem Werk etwas zwiespältig gegenüber. Eigentlich hat es mir richtig gut gefallen. Die Handlung wird alleine durch den Dialog zwischen Molina und Valentin wiedergegeben, ab und zu ergänzt durch Polizeiberichte. So erfährt man quasi hautnah, was die Protagonisten beschäftigt, ohne jedoch ihre Gedanken lesen zu können oder etwas über ihre Umgebung zu erfahren. Dadurch entsteht ein ganz eigenes Gefühl der Verbundenheit zu den Personen. Besonders Molina ist mir ans Herz gewachsen, ein ziemlich spleeniger Typ, der sich unendlich für kitschige Filme begeistern kann. Im Gegensatz dazu Valentin, der erst einmal etwas trocken daher kommt, im Laufe des Buches aber auch andere Seiten von sich zeigt.
Sehr gut gefallen hat mir auch die Entwicklung der zwei Hauptcharaktere. Durch ihre Gespräche beginnen sie, die Lebensweise und die Einstellung des anderen zu verstehen und sich damit auseinander zu setzen.
Auch die Filme, die Molina erzählt, passen zu dem Konzept des Buches. Es wurde nie langweilig, Molina zuzu"hören", wenn er in Erinnerungen schwelgte und zwar die Handlung nicht mehr so genau wusste, dafür aber die Frisur der Frau bis ins Detail beschreiben konnte.
Was mich aber maßlos genervt hat, waren die teils seitenlangen Fußnoten. Diese sind vom Autor eingefügt und behandlen oft das Thema Homosexualität und deren Entstehung. Was genau er damit bezwecken wollte, ist mir schleierhaft. Mich haben sie nur aus der Handlung gerissen ohne irgendeine Bereicherung darzustellen. Zum Schluss hin habe ich sie einfach nicht mehr beachtet, aber genervt haben sie mich trotzdem noch.
Fazit: eine gute, wenn auch etwas kitschige Geschichte, deren tieferer Sinn mir wahrscheinlich nicht ganz klar geworden ist. Trotzdem ein Buch, dass ich weiterempfehlen würde, schon allein wegen Molina.

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