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  • Thomas Mann - Buddenbrooks: 19. August 2006

Autor Thema: Thomas Mann - Buddenbrooks  (Gelesen 3904 mal)

Alexa

  • Teetrinkendes Bücherfresserchen - mangels Zeit ständig in der Warteschleife
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Thomas Mann - Buddenbrooks
« am: 19. August 2006, 14:11:57 »

Hallo,




Klappentext:
"Mein in Deutschland populärstes Buch sind ja ohne Zweifel die Buddenbrooks, und es kann sein, daß in meinem eignen Lande mein Name immer vorzugsweise mit diesem Werk verbunden bleiben wird." Thomas Mann an Bedrich Fucik, 15. April 1932

Teilnehmer:
booki
Christiane
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Eine kurze Bitte: Damit das ein bisschen angenehmer zu lesen ist, postet erst, wenn ihr angefangen habt. Die Beiträge "Buch liegt bereit, ich fange heute Abend an" ziehen das ganze immer so sehr in die Länge.

Interessant für Leserunden-Neulinge ist sicherlich die Leserunden-FAQ. Dort findet ihr auch Informationen z.B. zu Spoilern etc.

Viel Spaß!
« Letzte Änderung: 19. August 2006, 21:05:55 von fairy »
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Lew Tolstoi - Anna Karenina
Nele Neuhaus - Unter Haien

booki

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Re: Thomas Mann - Buddenbrooks
« Antwort #1 am: 19. August 2006, 16:12:38 »

Hallo ihr Lieben,
habe heute morgen mit dem Buch angefangen und habe den ersten Teil beendet und befinde mich momentan in der Mitte des zweiten Kapitels. Ehrlich gesagt, fällt es mir schwer, in die Geschichte reinzukommen, aber vielleicht liegt es ja doch nur an meiner Laune :rollen:  Den Schreibstil empfinde ich als sehr zäh, aber das ist wohl auch kein Wunder, wenn man einen Tag vorher die Bienenhüterin beendet hat :zwinker:
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Zeruya Shalev- Mann und Frau

Nymphetamine

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Re: Thomas Mann - Buddenbrooks
« Antwort #2 am: 19. August 2006, 19:56:32 »

@Bianca
Besten Dank fürs öffnen :bussi:

@booki
Auuuu, Die Bienenhüterin und danach Thomas Mann :rollen:

Ich bin jetzt knapp auf Seite 50 und kann zwar noch nicht viel über die Geschichte selbst sagen, aber was mir angenehm aufgefallen ist war jenes, dass nicht nur das gesprochene sondern auch das erzählte Wort sehr angenehm geschrieben ist. Alles wirkt wie aus einem Guss. Mann weis von was er schreibt und manchmal hat es sogar den Anschein als ob er sich an den Schreibtisch gesetzt und einfach ohne groß nachzudenken angefangen hätte zu schreiben. Alles in einem Rutsch... Das ist etwas was ich eigentlich so noch nie gelesen habe. Ein Buch ohne lästige Recherche-Lücken und ohne gekünsteltes Tätatä.
Feingliedrig und spitz kommt der Schreibstil Manns daher, etwas sperrig und umständlich aber dennoch, führ mein Dafürhalten, sehr sympathisch.
Ich kann aber jetzt noch nicht all zu viel sagen und ich bin mir auch nicht sicher ob ich das Buch nach der Hälfte nicht einfach frustriert ins Regal stellen werde...
Ich lass mich überraschen.

NtM
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Christiane

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Re: Thomas Mann - Buddenbrooks
« Antwort #3 am: 20. August 2006, 10:55:41 »

Guten Morgen   pchallo

ich bin echt noch nicht weit gekommen. Bin gerade mal auf Seite 39. Der Schreibstil gefällt mir aber auch ganz gut. Ich kann zwar nicht so gut wie NtM ausdrücken warum, aber ich fühle mich irgendwie wohl beim Lesen (auch wenn das etwas seltsam klingt  :rollen:).

Ich habe nur Anfangs etwas das Problem gehabt die vielen Personen auseinander zu halten. Und wenn später mal über Thomas und Christian berichtet wird, hoffe ich noch unterscheiden zu können wer sich als Kind wie verhalten hat. Aber vieleicht gibt es ja da auch eine Gedankenstütze  :zwinker:

Ansonsten hoffe ich nicht das Buch irgendwann frustriert wegstellen zu müssen. Wenn ich es jetzt nicht lese, lese ich es wahrscheinlich so schnell gar nicht mehr.
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La lune

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Re: Thomas Mann - Buddenbrooks
« Antwort #4 am: 20. August 2006, 13:20:09 »

Einen schönen Sonntag!

Ich bin auch noch nicht gerade weit gekommen... gestern war hier so viel los, dass ich nicht so die Muße hatte.

Th. Mann macht einem das Einlesen nicht so leicht, oder? Ein wenig ermüdend finde ich die langen Beschreibungen des Hauses, bzw. der Zimmer und der Kleidung der einzelnen Personen. Und ja, bei den verschiedenen Personen den Überblick über verwandschaftliche und sonstige Beziehungen zu behalten ist auch erstmal nicht so einfach.

Schön aber die Beschreibung der Charaktere mit feinen und nie überzeichneten Bildern. Eher so nebenbei vermittelt Mann einen ersten aber auch schon  klaren Blick auf die Eigenschaften seiner "Darsteller".

LG
La lune   :winken:
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booki

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Re: Thomas Mann - Buddenbrooks
« Antwort #5 am: 20. August 2006, 18:43:12 »

Einen schönen Sonntag!

Ich bin auch noch nicht gerade weit gekommen... gestern war hier so viel los, dass ich nicht so die Muße hatte.

Th. Mann macht einem das Einlesen nicht so leicht, oder? Ein wenig ermüdend finde ich die langen Beschreibungen des Hauses, bzw. der Zimmer und der Kleidung der einzelnen Personen. Und ja, bei den verschiedenen Personen den Überblick über verwandschaftliche und sonstige Beziehungen zu behalten ist auch erstmal nicht so einfach.


LG
La lune   :winken:

Ja, sehe ich irgendwie auch so, ich hoffe, ich lese mich schnell ein, sonst wird das schnell ermüdend... :rollen:
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Zeruya Shalev- Mann und Frau

Nymphetamine

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Re: Thomas Mann - Buddenbrooks
« Antwort #6 am: 20. August 2006, 21:53:12 »

Hallo

Ich bin jetzt bei Teil vier angelangt und es hat sich schon so einiges getan. Das vorhergehende Kapitel war voll und ganz auf Töchterchen Tony zugeschnitten.
Man merkt bereits das Mann die Weichen für zukünftige Ereignisse stellt.

Zitat von: Tony und ihr Grüner Marsmensch
Bis Seite 169
Es kommt natürlich wie es kommen muss. Ein Bekannter ihres Vaters (Grünlich) schickt sich an um das Mädchen zu werben. Ihr wird es zu viel und sie wird, in der Hoffnung des Vaters das sich Tony doch noch darauf besinnt welch gute Partie der Werbende abgeben würde, auf Sommerfrische geschickt.
Und was ist?
Genau, es macht Bum und sie verliebt sich in den Sohn des Oberlotsen. Ein ärmlicher Student dessen Bestreben Arzt zu werden in greifbarer Nähe liegt. Natürlich versprechen sich beide die ewige Liebe aber am Ende heiratet sie ja dann doch Grünlich. Dem Leser entfleucht ein tiefes Seufzen da die Liaison zwischen dem Studenten und dem Töchterchen Boddenbrook auf Liebe gründet während die Bande mit Grünlich eine reine Vernunftehe ist bahr jeglicher Zuneigung.

Und das hat mich ja dann doch etwas traurig gestimmt. Vor allem der Satz am Ende von Abschnitt 14 in Kapitel 3.
Ach, Bethsy, sie ist zufrieden mit sich selbst; das ist das solideste Glück, das wir auf Erden erlangen können.
Auch wenn ihre Eltern vorgegeben haben nur das Beste für sie zu wollen war das Ganze ja dann doch leider nur ne Imagefrage. Grünlich hatte einfach den nötigen Hintergrund. Vermögen, seine Geschäfte laufen prächtig und er ist auch schon fast unverschämt gut erzogen. Da bleibt für Tonys eigenen Willen kaum Platz.
Ich bin jetzt nicht so naiv zu glauben das die Tochter jemals einen Ausweg gehabt hätte. Ich finde es nur schade das eben auch die Eltern nach wie vor Eheschließungen nach der Fasson von anno 1517 vornehmen. Wo ja Töchter ein recht begehrtes Heiratsgut wahren. :rollen:

Und all dem stellt Mann, am Ende von Kapitel 3, die kleine Episode mit Anna gegenüber. Anna eine Blumenverkäuferin die bereits seit 18!! Monaten mit Thomas Mann...ähm ich meinte natürlich Buddenbrook zusammen ist. Ist das zu fassen?
Natürlich ist dieses Tätatä streng geheim, da nämlich auch hier die Eltern wieder gehörige Einsprüche geltend machen würden. Aber dennoch finde ich es interessant das Mann dem Männlichen Hauptcharakter doch noch einiges an Handlungsfreiraum lässt. Er darf sich im verborgenen eine kleine Geliebte halten, die er -voll des Entschlusses- nach seiner Rückkehr aus Amsterdam ehelichen will, bzw. schleppen ihm die Eltern kein reiches Gör vor die Füße die er jetzt zu heiraten "hat".
Natürlich ist all dies nur eine kleine Beobachtung die nichts zu bedeuten hat, und wie oben schon geschrieben bereitet Mann gerade erst das Fundament für sein Drama vor.

Ich rechne nämlich fest damit das zumindest Tonys angehender Arzt noch mal eine gewichtige Rolle in diesem ganzen Geschehen spielen wird.

Und das ist es auf das ich mich schon freue.

Auch wenn es zwischenzeitlich kleinere kritische Einwürfe gegenüber der Aristokratie gibt, bleibt auch bis Kapitel 4 der Erzählfluss stets ruhig. Vielleicht manchmal auch schon zu ruhig... Wohingegen ich auch wieder anmerken muss das Th.Mann niemand ist der Worte "verschwendet". Jedes Wort scheint wohlgewogen und abgezählt zu sein und das ist wohl ein Mitgrund warum es mir bis jetzt noch immer sehr viel Spaß macht das Buch zu lesen.


@Christiane
Es klingt keines Falls seltsam, im Gegenteil. Es trifft sogar ganz genau das was auch ich beim lesen des Buches empfinde. Es scheint irgendwie alles so "rund" zu sein.
Bei anderen Romanen währe wohl gerade dies ein Kritikpunkt, weil alles vielleicht ein wenig zu gefällig daherkommt. Keine Ecken und Kannten. Aber seltsamer Weise passt dieser Stiel sehr gut zu diesem Buch.

NtM
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booki

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Re: Thomas Mann - Buddenbrooks
« Antwort #7 am: 21. August 2006, 14:24:22 »

Wow Ntm, du bist aber schon weit.  :rollen:
Also ich kann mich irgendwie kaum auf das Buch konzentrieren und heute Abend bin ich auch noch  auf einem sicher langweiligen Geburtstag, ich hoffe ich finde danach Zeit, um etwas aufzuholen. Denn schließlich eilt es ja sozusagen bei mir...
« Letzte Änderung: 21. August 2006, 14:47:38 von booki »
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Zeruya Shalev- Mann und Frau

La lune

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Re: Thomas Mann - Buddenbrooks
« Antwort #8 am: 21. August 2006, 14:37:50 »

Hoffentlich habe ich mir da nicht zu viel vorgenommen... Wär ja schon etwas peinlich als Einstieg nicht so gut dran zu  bleiben.
Aber ich geb mir Mühe. Irgendwie rennt die Zeit so schnell davon mit Haushalt, Kindern, Hund und Pferden....

LG La lune   :smile:

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Nymphetamine

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Re: Thomas Mann - Buddenbrooks
« Antwort #9 am: 21. August 2006, 16:35:34 »

Keine Panik meine Lieben, ich habe Seit gestern auch keine einzige Seite gelesen, da ist mir ein "Thriller" von Patterson dazwischen gekommen. Oh mein Gott ist das teil trashig, also ne. Hätte mir nie gedacht dass das Niveau von Hoffman noch unterboten werden kann. :breitgrins:

NtM
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booki

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Re: Thomas Mann - Buddenbrooks
« Antwort #10 am: 23. August 2006, 00:56:19 »

So, ich glaube ich bin nun mitlerweile auf Seite 160, also kurz vor dem 4. Teil und muss sagen, dass es mir nun besser gefällt und ich mich wohl nun eingelesen habe.  :smile:
Mir gefällt gut, dass Mann auch vieles aus einer recht ironischen Sicht beschreibt, das macht das Ganze interessanter und ich musste ab und zu schmunzeln.

@Spoiler Ntm: Na ja, es war eben früher üblich, dass die Eltern ihren Töchtern rieten, reiche Männer, die um ihre Hand anhalten zu ehelichen. Und dass uns das auch in MANN´s Roman begegnet, war mir schon irgendwie klar... :smile:
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Zeruya Shalev- Mann und Frau

Christiane

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Re: Thomas Mann - Buddenbrooks
« Antwort #11 am: 23. August 2006, 07:53:28 »

Ich bin noch nicht mal auf Seite 100 angekommen   :entsetzt:

Allerdings liegt das weniger an den Buddenbrooks als an etwas privatem Streß. Ich kann aber schon sagen das ich mich auch eingelesen habe, denn obwohl ich das Lesen von Anfang an als angenehm empfand, flutscht es nun doch noch besser   :breitgrins:  Also... ich glaube fest daran das ich aufholen werde    :leser:
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ÜberdenWolken

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Re: Thomas Mann - Buddenbrooks
« Antwort #12 am: 23. August 2006, 09:29:52 »

Hallo ihr Lieben, ich nehme zwar nicht an dieser LR teil, aber ich habe das Buch schon vor einer ganzen Weile gelesen und wollte euch viel Spaß bei der Lektüre wünschen. Für mich ist es einer meiner absoluten Lieblingsschmöker geworden, nachdem ich mich anfangs sehr zäh durchgebissen habe. Als ich durch war, überkam mich eine ganz eigenartige Sentimentalität und ich war richtiggehend traurig, dass mich die Geschichte nicht mehr weiter begleitet. Sowas hat man nicht bei vielen Büchern... Viel Spaß euch!
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Literatur ist die Kunst, Außergewöhnliches an gewöhnlichen Menschen zu entdecken und darüber mit gewöhnlichen Worten Außergewöhnliches zu sagen

Boris Leonidowitsch Pasternak

Nymphetamine

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Re: Thomas Mann - Buddenbrooks
« Antwort #13 am: 24. August 2006, 22:54:44 »

 Tja, es scheind das mit dem Urlaub auch die Zeit zum lesen geendet hat. Seite 180 und keine Chance vor Samstag was zu lesen :grmpf:
Und dann auch noch bei sooo einem guten Buch :heul:


EDIT:
Hallo

@booki
Ist mir schon klar das es solche Ehen damals (zt.leider auch heute noch) gegeben hat. Mich hat aber nur etwas das Verhalten der Eltern irritiert die, aus meiner Sicht, Tony in gewisser weise suggerierten "Überlegs dir, und wenn du nicht willst musst ja eh nicht"
Ihr praktisch eine Auswahlmöglichkeit boten. Dem ganzen stand dann natürlich dieser etwas unsägliche Satz gegenüber der ja Sinngemäß lautete:
"Hauptsache sie ist mit sich selbst zufrieden, egal ob sie ihn liebt oder nicht", und dies war etwas was mich etwas traurig gemacht hat.

Aber, ich bin jetzt auf Seite 275, es hat sich ja gezeigt das der Konsul samt seiner Gemahlin tatsächlich in den besten Absichten zu handeln schienen.

Zitat von: Bis Seite 275

Ich hatte anfänglich den Verdacht das der Konsul seine Tochter an eine Jüngling losschlagen wollte der ihm, geschäftlich, am dienlichsten währe. Aber das war ein Irrtum. Denn im späteren Verlauf der Handlung zeigt sich ja das Herr Grünlich mit den Buddenbrookschen Geschäften überhaupt nichts zu tun hat. Im Gegenteil, seine eigenen Geschäfte verfolgend verwirtschaftete er ja nicht nur sein Vermögen sondern auch noch die 80 000 an Mitgift die ja Tony in die Ehe mit einbrachte.
Erst als das Kind in den Brunnen gefallen war, 4 Jahre nach Eheschließung, kam das ganze Ausmaß der Tragödie ans Licht. Als der Vater, Jean Buddenbrook, bei Grünlich selbst und seinem Kreditgeber vorstellig wurde und jener sich (absichtlich) verplapperte.
Auch das Gespräch das Tony mit ihrem Vater vor dieser Unterredung führte roch für mich etwas nach geschäftsmäßigen Abwiegen, so nach dem Motto:
"Helfe ich meinem Schwiegersohn wird´s teuer und könnte nicht nur Ruf sondern auch die Firma schädigen. Aber es könnte gut gehen..."
Oder
"Nehme Tochter samt Enkelin zu mir ist der Ruf des Hauses Buddenbrooks zwar auch angeknaxt, und die Mitgift vertan, aber im Endeffekt kommt mir das dann billiger"

Da war es wieder dieses abwägen, wie auch schon vor der Eheschließung, und das war mir höchst unsympathisch. Aber es sollte ja anders kommen...

Erst da habe ich erkannt das die Eltern wirklich darauf bedacht wahren ihrer Tochter eine rosige Zukunft zu bieten. Ungeahnt der Tatsache welch verkommenes Spiel Grünlich mit ihnen allen trieb rieten sie ihr zu dieser Liaison. In der Hoffnung eine gute Partie für sie arrangiert zu haben, damit das Mädchen versorgt sei wenn sie beide nicht mehr auf dieser Welt weilen würden.
Und gerade dieser Punkt entschuldigt, zumindest bei mir, die beiden Elternteile wieder.


Ja, auch ein ganzer Generationenwechsel ist von Statten gegangen. Die Revolution der Arbeiterschaft überstehend, starb der alte Konsul Kröger sitzend in seiner Kalesche, gleich tat es ihm ja dann auch sein Schwiegersohn. Ebenfalls sitzend, ohne großes Aufhebens, einige Jahre später, einfach so.
Ich muss sagen das es ,ihr um Jean Buddenbrook wirklich leid getan hat, ich mochte ihn. Ein angenehmer Charakter, noch geprägt durch die alte Generation. ("Manch nur solche Geschäfte die dich am Abend ruhig schlafen lassen") 
Dieses Prinzip wurde ja von Thomas schön langsam aufgeweicht, das ja der Schreiberling Mann Sinngemäß mit "dem Frischen Wind der zu wehen begann", beschrieb. Kredite wurden genutzt um riskanter aber auch gewinnender zu wirtschaften.
Interessant wird, glaube ich, der Brüderzwist zwischen "Krischten" (Christian) und Thomas. Der Freigeist trifft auf den, zwar jugendlichen aber dennoch konservativ veranlagten Kaufmann. Und wie sich das vertragen wird??? Mal schaun...

Gerade diese Soziale, familiäre Anwandlung die Jean an den Tag legt als es um seine älteste Tochter geht. Die Tatsache das er sie trotz dieser Niederlage nicht nur nicht verstößt sondern sie auch noch mit offenen Armen in den Schoß der Familie zurückführt, macht ihn mir noch sympathischer. Fand ich wirklich toll.

Mit dem zunehmenden Alter der Kinder zeichnen sich nun auch recht angenehm die Charaktere.
Tony ist zwar Frau, aber dennoch hat sie sich etwas von einer "Gans" in ihrem Wesen behalten. Thomas hingegen gerät, natürlich nach langjährigem Einfluss, mit wachem Geist und dem jugendlichen Gespür für das Geschäft ganz dem Vater Jean nach.
Christian, der ja bis jetzt kaum auftrat und erst nach 8 Jahren England und Amerika so richtig in die Handlung eingeführt wird. Scheint, nach genossener Freiheit, der einzige zu sein der den althergebrachten Wertvorstellungen zuwiderläuft.

Somit bleibt das Buch für mich spannend und sehr lesenswert :smile:


EDIT:

Hallo

Bin jetzt auf Seite 342 und es hat sich wieder mal ein klein wenig was getan. Im Vordergrund der letzten 100 Seiten stand diesmal ganz eindeutig Thomas. Was alles geschehen ist will ich gar nicht groß Aufzählen oder Spoilern da es für die Handlung nun nicht weltbewegend ist bzw. Sich jeder denken kann wie denn der normale Fortlauf der Dinge ist.

Zitat von: Brüderlichkeit
Bis Seite 342
Sehr gut gefallen hat mir die Episode in der sich Thomas und Christian mal so richtig ausgesprochen haben. Thomas war ja sofort bereit seinem Bruder die 50 000 zu zahlen und ihn bei seiner Selbstständigkeit zu unterstützen.
Damit hat Mann wieder mal bewiesen was, aus meiner Sicht eigentlich das ganze Buch durchwirkt, er einen z.T. sehr humanistischen Unterton. Er ist nicht auf Spektakel oder dergl. aus. Nein, dass Leben ist es das er hier schildert ohne etwas zu erfinden oder zu überziehen. Der Autor wirkt dadurch um eine Ecke authentischer und ist für mich daher sehr angenehm zu lesen. :smile:

Eine Frage die ich vorhin schon mal vergessen und bis jetzt noch nicht gestellt hatte war:
Worin, glaubt ihr, lag der Beweggrund für Tony, am Ende dann doch noch in die Ehe mit Grünlich einzuwilligen??
Würde mich interessieren.
Mann hat so zwischendrin ne nette kleine Metapher mit dem Esstisch untergebracht. Wer darauf achtet wird merken das der Tisch nun, nach dem "alle" Kinder ihrer Wege gehen nun keine Zwischenplatte mehr hat damit mehrere Gäste an ihm bequem Platz finden würden. Denn übrig sind zu guter letzt ja dann doch nur noch die alte Frau Konsul und die frühergraute Mamsel.

Habt ihr euch schon mal darüber gewundert das die Namensgebungen zwar überwiegend Jüdisch ist jedoch allesamt evangelischer Konfession sind??

NtM
« Letzte Änderung: 27. August 2006, 21:45:45 von Nymphetamine »
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booki

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Re: Thomas Mann - Buddenbrooks
« Antwort #14 am: 27. August 2006, 22:45:53 »

Hallo,
ich bin auch ein wenig weitergekommen. Wie steht es mit dem Rest, außer Ntm, lest ihr noch mit?  :zwinker:

Grünlich ist mir als Charakter absolut zuwider, letztendlich hat er seine Frau ja nur geehelicht, um an das Geld zu kommen  :rollen:   

Zitat
Worin, glaubt ihr, lag der Beweggrund für Tony, am Ende dann doch noch in die Ehe mit Grünlich einzuwilligen??

Gute Frage, ich dachte mir, dass Tony es einfach ihren Eltern Recht machen wollte, da diese ja das Bündnis unterstützten. Denke ich jedenfalls...

Erstaunt war ich irgendwie aber schon, als der Konsul seine Tochter Tony wieder mit nach Hause nahm, ich war irgendwie davon überzeugt, dass er sie ihrem eigenen Schicksal überlässt, hauptsache sie steht weiterhin zu ihrem Mann. Habe ich mich in ihm getäuscht.

Obwohl es eine Lektüre für die Schule ist, gefällt es mir außerordentlich gut. Ist nicht bei jeder Schullektüre der Fall  :zwinker: Ich bin jedenfalls gespannt, wie es weitergeht und lese nachher noch ein paar Seiten, aber nicht allzu lange, weil morgen ja die Schule wieder beginnt :sauer:
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Zeruya Shalev- Mann und Frau