"Komm, gehen wir", meinte er.
Ich sah ihn nur dämlich an und machte eine Geste als wäre mir gerade ein Korb mit Eiern runtergefallen, jene die auch gestresste Dirigenten machen, fuchtelnd, energisch.
"Du spinnst", flüsterte ich.
"Warum?" Er stand auf und zog ganz sachte und leise Fußschellen aus der Innentasche seines Anzuges die er bähende meinen Begleitern anlegte, zu je einem Pärchen so das daraus ein konfuses Sackhüpfen würde, wenn sie denn aufwachten.
Klick, klick und klick und ein ungeduldiges, "na kommst du endlich", zeigten mir das er es wirklich ernst meinte. Nun gut.
Tür auf, wir raus, Tür zu. Weck wahren wir.
Der Mann war gut, sehr gut sogar...er hatte schon öfters Jobs für Celine übernommen..."Was machst du hier Frank?"
Er ist in so etwas wie eine Einmann- Spedition..."Sieht man das nicht? Ich arbeite."
Er transportiert heiße Ware..."Und in wessen Auftrag?"
Nein nein, er verhökert sie nicht oder so, er transportiert sie einfach nur..."Celine schickt mich um ein Packet abzuholen."
Deswegen nennt man ihn in der Szene auch nur The Transporter..."Ach, ein Euro für jeden Satz der mit Päckchen zu tun hat. Ich muss dich aber enttäuschen. Ich habe es nicht mehr."
Sein "offizieller" Name ist Frank Martin
und auch wenn es sein Anzug nicht vermuten lassen würde ist sein Job höchst illegal..."Celine glaubte so etwas schon zu ahnen."
Er wird von allerlei zwielichtigen Typen angeheuert um Drogen, Geld oder sogar auch Menschen von Punkt A nach Punkt B bringen zu lassen..."Es ist alles schief gegangen, Sala´zar hat Wind davon bekommen, und dann flog auch noch das ganze Café in die Luft."
Aber damit hat er kein Problem..."Ich soll ja auch nicht das Päckchen sondern DICH abholen. Für was anderes werde ich nicht bezahlt."
Regel 1. Stell keine Fragen...
"Was mich!? Warum das?"
Regel 2. Öffne niemals ein Packet...
"Du sollst noch einen Job für sie erledigen."
Regel 3. Brich eine der beiden Regeln und du bist tot...
Kapitel 14
Unser Gespräch wurde jäh durch das stoppen des Zuges beendet. Wir stiegen an einem kleinen Bahnhof aus und ich musste gestehen das ich nicht ohne eine leichte Belustigung dem abfahrenden Zug nachsah, bis er um die nächste Ecke gebogen war.
Ein ,"komm steig ein", riss mich aus meinen Gedanken. Ich stieg auf der Beifahrersitz des schwarzen BMW´s ein. Frank war gerade dabei sich seine schwarzen Lederhandschuhe anzuziehen, die die er immer trug um ordentlich -sprich auf alle Eventualitäten vorbereitet- fahren zu können. Er tippte den Deckel in der Mittelkonsole an und ein kleines Nummernfeld erschien. Er tippte 6 mal auf die Tastatur und der große Wagen lies ein markiges "schnurren" seiner 235 PS vernehmen. Gleich darauf sprang auch der CD-Player an und lies die ersten Töne von Smetanas
Moldau erklingen.
Wie ich schon sagte, Frank Martin war ein eigens Kapitel für sich.
Wir fuhren so 10 Minuten in denen keiner von uns beiden etwas sagte. Frank raste nicht, nein, das Risiko in eine Streife zu geraten und dann gefilzt zu werden war zu groß. So das er auch jetzt, zwar mit erlaubter Höchstgeschwindigkeit, aber dennoch recht bedächtig fuhr.
Ich hielt es nicht mehr aus:
"Und, was ist das jetzt für ein Job?"
"Sieh mich nicht an, ich gehöre nicht zu eurer Bande. Ich weis auch nicht viel darüber. Du meintest dass ein Café in die Luft flog. War es jenes wo ihr die Übergabe geplant hattet?"
>>Du bist gerade dabei Regel Nummer 1. Zu brechen<<, wollte ich schon zu ihm sagen aber dies alles war kein Geheimnis wenn man 2 und 2 zusammenzählte.
Mit einem, "ja", stimmte ich ihm zu, "ich habe nicht den blassesten Schimmer wer es gewesen sein konnte. Habe auch nichts mehr von der Sache gehört."
"Das
Lacroix davongekommen ist weist du schon?"
"Ja, hat mich ja persönlich verfrachtet. Hat Celine wirklich nichts durchblicken lassen?"
Er zuckte mit den Schultern.
Also musste ich stur abwarten. Aber dennoch interessierte mich, "und wo sollst du mich hinbringen?"
"Es hat geheißen ich soll dich vor deiner Wohnung absetzen."
Ich machte auf dem Sitz eine halbe Drehung nach links und blickte Frank entgeistert an.
"Bist du Wahnsinnig? Nebst Polizei werden da Sala´zar, unbekannte Bombenleger und der Tierschutzverein schon auf mich warten. Was denkt sich Celine eigentlich dabei, was soll ich dort überhaupt?"
"Ich soll dir von ihr lediglich ausrichten dass du alles Nähere in der kleinen Aktentasche auf deinem Bett finden wirst. Keine Angst die Wohnung und die Gegend drum herum sind sauber."
Also war es wieder einmal so weit, ich steckte mitten in einem Auftrag, wie in alten Zeiten...ich bin zu alt für diesen Job.
Während wir uns so unterhielten flog eigentlich die Innenstadt von Paris nur so dahin, und es schienen mir kaum 5 Minuten vergangen zu sein zwischen meiner misslichen Lage im Zug und der vorübergehenden Freiheit in der ich jetzt am Parkplatz vor meiner Wohnung stand.
"Ich wünsch dir alles Gute", meinte Frank während ich aus dem Wagen stieg, "und bevor ich's vergesse. Da vorne, siehst du den weißen Peugot?" Er deutete ungefähr auf die andere Straßenseite wo ein ziemliches Geschoss von einem Taxi stand. So mit Spoiler und fetten Doppelrohrauspuff.
"Das Taxi?" Fragte ich, ich war mir ja nicht ganz sicher.
"Ja. Das ist dein persönlicher Fahrer. Er wird bis Samstag auf dich aufpassen."
Fahrer, Samstag? Ich ahnte böses...
Wir verabschiedeten uns formlos, ich war ja immerhin nichts anderes als ein "Packet" für ihn. Ein Auftrag.
Ich ging das Stiegenhaus hoch in den zweiten Stock. Steckte den Schlüssel ins Schloss und machte auf. Alles ordentlich, nichts verwüstet oder durchsucht. Ich ging zuerst mal duschen, und auch ne Toilette wäre nicht verkehrt und es sollte sich erweisen das der Gang aufs stille Örtchen ein weiser Entschluss war, denn als ich in mein Schlafzimmer kam und die abgegriffene, im Laufe der Jahre wohlbekannte, Aktentasche öffnete hätte ich vor Schreck meine Darmflora kaum unter Kontrolle halten können.
Die Phiolen waren lokalisiert, ein simpler Raub, kaum Tote...bis wann?
BIS WANN?
Ich überflog nur kurz das Dokument und konnte nur noch stumm den Mund auf und zu Machen:
...Treffpunkt...
...am Samstag...
...21:00 Uhr CET...
...Rom...Und zusammenarbeiten soll ich mit dem Fahrer des Taxis?! Den Teufel werde ich tun ich arbeite doch nicht mit...