Petra Durst-Benning - Die Zuckerbäckerin

Vorurteile haben in meinem Leben keinen Platz, auch nicht beim Lesen. So habe ich mich schon mehrmals an das Genre des neueren historischen Romans gewagt, und sowohl gute als auch schlechte Leseerfahrungen damit gemacht. Mein einstiges Misstrauen gegen Romane, die vermutlich zur leichteren Erkennbarkeit auf "blablabla - IN" enden, habe ich nie ganz ablegen können, und Petra Durst-Benning liefert mit "Die Zuckerbäckerin" ein wunderbares Beispiel, wieso ich auch in Zukunft Vorsicht werde walten lassen.
Nach 100 Seiten (also gut 25%) habe ich den Roman nun abgebrochen. Dabei versuche ich, mich nicht über die schon investierte Lesezeit zu ärgern, sondern im Gegenteil das positive Gefühl zu avancieren, dass ich keine Minute mehr an dieses seichte Dahingeplätschere einer Story verschwenden muss.
Warum also gefällt mir der Roman so überhaupt nicht (um eine positive Formulierung zu wählen)?
Das beginnt bei der Sprache, dem Stil der Autorin. Ich will jetzt nicht sagen, dass Petra Durst-Benning nicht schreiben kann, und rechne dabei den Umstand ein, dass es sich hier um ihren erst zweiten Roman handelt, bzw. auch jeder Schreibende mal ins Klo greifen kann. Eine weitere Chance, ihr Können bei mir unter Beweis zu stellen, wird sie allerdings nicht bekommen.
Die Einfachheit der Sätze, der spärliche Wortschatz, die inflationäre Verwendung von Ausrufezeichen und Dialoge, die einem in ihrer Seichtheit die Tränen in die Augen treiben, erinnern im besten Fall in mittelmäßig geglückte Aufsätze von uninteressierten Schülern. Dies zu lesen, macht nicht nur keine Freude, das Stirnrunzeln ob gewisser besonders furchtbarer Formulierungen stört auch den Lesefluss ungemein.
Und als wäre es nicht genug, dass es hier holpert und da poltert, verpassen Charakterzeichnung und Plot dem Roman den Todesstoß. Eleonore und Sonia, das ungleiche Schwesternpaar, die eine ernst- und tugendhaft, die andere unstet und unangepasst. Das erfährt der Leser natürlich nicht durch ihre Handlungen und Aussagen, eine ganze Reihe von Adjektiven und Beschreibungen stoßen ihn so gewaltsam darauf, dass er am liebsten schreien möchte: "Ich habe es verstanden. Die eine hui, die andere pfui!"
Die gute Königin Katharina rettet die beiden Diebinnen und gibt ihnen eine Anstellung in der Hofküche. Und nicht nur das: die wunderbare, gute Landesmutter ist so edelmütig, dass es einem zum Hals heraushängt, und sie will allen Armen helfen, wozu sie die Hilfe der beiden braucht. Diese Hilfe besteht darin, dass Eleonore ihr beschreibt, wie sich Armut anfühlt, und zwar so einfältig, dass sich der Leser nur wundern kann, wie genau Katharina aus diesem Palaver irgendwelche Informationen gezogen hat.
Und dann noch Leonard. Der ernste, vermutlich auch über jeden Verdacht erhabene Kesselheizer (oder so), der sich stante pede in Eleonore verliebt und umgekehrt, und sie nach zwei gewechselten Worten bittet, ihn zu heiraten.
Hätte ich dem Titel nach noch gehofft, zumindest einiges über opulenten Gerichten und ihrer Zubereitung zu lesen, wurde ich auch da enttäuscht. Gut, vielleicht kommt das noch. Bis Seite 100 jedenfalls könnte die Hofküche auch der Pferdestall oder eine Lichtung im winterlichen Wald sein, so wenig wird da gerührt, gebraten, gebacken, angerichtet oder serviert.
Ratten will ich dafür keine vergeben.