Steven Erikson – Die Gärten des Mondes
„Die Gärten des Mondes“ ist kein „typisches“ Fantasy-Buch mit Elfen, Orks und Zwergen. Darujhistan, die letzte freie Stadt auf dem Kontinent Genabackis, soll bald auch dem malazanischen Imperium angehören. Es beginnt ein Krieg im Untergrund. Ein kleiner Trupp Soldaten wird in die Stadt eingeschleust um Sabotage-Akte durchzuführen und den Stadtrat außer Kraft zu setzen. Übernatürliche Wesen, Tiste Andi, tauchen auf und sogar die Götter selbst greifen in den Konflikt ein.
Die Geschichte besteht aus einem kurzen Prolog und sieben "Büchern", die nochmal in Kapitel unterteilt sind. Die einzelnen Bücher und Kapitel beginnen immer mit einem kleinen Auszug aus einem Gedicht oder einer Sage Genebackis, die mehr oder weniger direkt mit der Handlung in Zusammenhang stehen.
Nach dem kurzen Prolog geht es direkt mitten in der Geschichte los. Zu Anfang fällt es schwer einen Überblick über die vielen Namen und Orte zu bekommen und die einzelnen Handlungsstränge zeitlich zu sortieren. Natürlich helfen hier die in Fantasy-Büchern obligatorische Karte und ein ausführliches Personenverzeichnis – nutze ich beides allerdings sehr selten.
Nur langsam versteht man, oder glaubt zu verstehen, wer hier auf welcher Seite steht und wer gegen wen intrigiert. Der Autor lässt einen als Leser immer gerade so viel wissen, dass man das Gefühl hat, auf der nächsten Seite das Puzzle zusammensetzen zu können – das hat bei mir dazu geführt, dass ich das zum Ende hin Buch kaum noch aus der Hand legen konnte.
Dazu kommt, dass es ständig etwas neues zu entdecken gibt. Drachenkarten, die benutzt werden um die Zukunft vorauszusagen, damit zu spielen, oder sogar beides gleichzeitig. Die Tiste Andi - unheimliche, übernatürliche Wesen. Und natürlich die unzähligen Bewohner Darujhistans. Seargent Elster mit seinem Trupp Saboteure, der versucht seinen Aufrag auszuführen, obwohl er nicht mehr wirklich an seine Befehlsgeber glaubt. Crokus, den Träger der Münze mit seinem unglaublichen Glück. Den Alchemisten, der vielleicht doch mehr ist als nur ein Alchemist. Der unscheinbare Kruppe, der ständig in Selbstgespräche vertieft ist und von sich selbst immer in der dritten Person spricht. Die sich untereinander bekriegenden Diebes- und Assassinengilden. Und, und, und...
Gut gefallen hat mir, dass die Haupthandlung des Buches abgeschlossen ist. Natürlich bleiben Fragen offen, man kann die größere Geschichte darüber schon erahnen, bleibt aber nicht mitten in der Handlung stecken.
Die stellenweise zu moderne Sprache hat mich etwas gestört, vor allem in den Dialogen. Nicht durchgängig, aber der ein oder andere Begriff passt einfach nicht. Das kann natürlich auch an der Übersetzung liegen.
Abzüge gibt es sonst nur für den etwas holprigen Anfang – und natürlich muss auch noch ein bisschen Luft nach oben gelassen werden, die Götter spielen ja noch ein paar Bücher lang.

PS: So ein 800-Seiten-Buch sollte man übrigens nicht beim Essen in der linken Hand halten. Da verstaucht man sich schnell das Handgelenk.
