So, ich setze meine "Rezension" mal lieber komplett in Spoiler, da ich denke dass ich in meiner Wut doch ein bisschen viel vom Inhalt preisgegeben habe... Um mit MRR zu sprechen: "Ein sreeeckliches Buuch!"
Schon lange hat mich kein Buch mehr so geärgert und enttäuscht wie dieser Roman, angekündigt und belobigt als “Verschwörungsthriller”, “historischer Krimi”, “bezaubernde Liebesgeschichte” und “niveauvoller Bestseller”. Er macht - in meinen Augen - so ziemlich alles falsch was man nur falsch machen kann. Wer ihn sich dennoch antun will, sollte hier nicht weiterlesen - zur Begründung werde ich nämlich ein wenig spoilern müssen.
Der Hospitaliter-Mönch Galcéran de Born, als “Perquisitore” berühmt für seine Fähigkeit, Rätsel zu lösen und knifflige Untersuchungen zu leiten, wird vom Papst persönlich mit einer prekären Aufgabe betreut: Er soll feststellen, ob sein Vorgänger, der französische König sowie dessen Minister tatsächlich von Mitgliedern des zerschlagenen Templer-Ordens ermordet wurden. Außerdem ist die Kurie auf der Suche nach den sagenhaften, aber unauffindbaren Reichtümern des Ordens - es geht sogar die Sage, die Templer seien im Besitz der Bundeslade gewesen.
De Born macht sich also in Begleitung seines Sohnes und der Jüdin Sara nach einem Abstecher nach Paris auf eine Schnitzeljagd entlang des spanischen Jakobsweges, um dort in den alten Templer-Besitztümern nach Spuren zu forschen. Doch der Jäger ist gleichzeitig der Gejagte, und die Templer machen es ihm nicht leicht.
Dieser historische Roman ist genau von der Art, wie er nicht sein sollte: Eine abgedroschene Verschwörungstheorie wird zum xten Mal verbraten, um den Leser über fast 400 Seiten mit ach so geheimnisvollen und bis zum Ende unerklärten Andeutungen und Symboliken bei der Stange zu halten. Er leidet an allem, was einen Roman zu einem schlechten Buch machen kann: Lineare, langweilige Handlung ohne echte Höhepunkte, uninspirierter Stil, flache und unglaubwürdige Charaktere und logische sowie historische Fehler machen jeden Lesespaß zunichte.
Am meisten geärgert haben mich die Hauptpersonen, der Rittermönch De Born, sein pubertierender Sohn Jonas alias García sowie die “Zauberin” Sara. Vor allem De Born, der als Ich-Erzähler auftritt, ist an Unglaubwürdigkeit kaum zu übertreffen; einerseits ist er in Superheldenmanier fähig zu allem, weiß alles (besser), ist gleichzeitig Arzt, Architekt, Pädagoge, Theologoe, Linguist, Historiker und perfekter Schwertkämpfer, er kann ununterbrochen auf hochgeheimes und eigentlich längst verschollenes Wissen irgendwelcher “Initiierten” zurück greifen, von denen aber nicht erklärt wird, wer sich eigentlich dahinter verbirgt, er deutet keinen noch so kleinen Hinweis falsch, und unter Selbstzweifel hat er auch noch nie gelitten. Andererseits ist er im Umgang mit seinen Mitreisenden ein totaler Stoffel, die Dialoge und Interaktionen sind so derartig überzogen dargestellt, dass man sie ihm einfach nicht abnimmt. Ob er sich nun im Streit mit seinem Sohn aufführt, als ob er selbst die Pubertät noch nicht hinter sich gelassen hätte, melodramatisch zwischen seiner Liebe zu seinem Orden und seiner Lust, mit Sara ins Bett zu hüpfen schwankt, beim der kleinsten Aufregung in Ohnmacht fällt oder beim geringsten Anlass aus der Haut fährt - alles was er tut wirkt unglaubwürdig und aufgesetzt.
Daneben bleiben die beiden Nebenprotagonisten blass, was vielleicht auch besser so ist. Wobei die Geschichte um Jonas/García (die Doppelbenamsung wird auch nicht zufriedenstellend erklärt) allerdings dringend ausgeführt gehört hätte. Zwar weiß der Leser von Anfang an, dass Jonas irgendwie eng mit De Born verwandt ist, dann wird aber über mehr als 100 Seiten ein völlig überflüssiges Getue um diese Tatsache gemacht. Irgendwann scheint das Ganze dann ohne weitere Folgen geklärt zu sein; Jonas kriegt halt irgendwie mit dass der Ritter sein Vater ist, wundert sich aber nicht weiter darüber, fragt auch nicht weiter nach wie er denn wohl zu einem ausgesetzten Säugling im Kloster werden konnte. Und als sich herausstellt, dass auch die Mutter nicht für weitere Erziehungsmaßnahmen zur Verfügung steht, sucht der Herr Vater (der immerhin 15 Jahre auf das Wiedersehen mit der ehemaligen Geliebten gewartet hat) sich halt flugs eine Neue.
Die Geschichte selbst ist auch nicht besonders aufregend. Schnitzeljagdartig zieht man von Templerstation zu Templerstation, und De Born versucht dank seines überlegenen Wissens die geheimen Verstecke des Schatzes zu finden. Selbstverfreilich ist er dabei ohne größere Schwierigkeiten erfolgreich - oder die Templer haben sich Jahrhunderte lang bemerkenswert deppert angestellt. Für diese Theorie spricht auch, dass unser Super-Ritter Tür an Tür mit der sagenumworbenen Bundeslade sowie unermesslichen Schätzen eingekerkert wird - und es natürlich ohne größere Blessuren schafft, da wieder rauszukommen. Auch die immer wieder kolportierte Gefahr durch die Schergen des Papstes ist eigentlich keine: Erstens wird nicht ausreichend erklärt, warum diese eigentlich hinter dem Ritter und seinem Novizen her sind - schließlich ist de Born im Auftrag des Papstes unterwegs -, und ihr seltenes Auftreten ist so motivationslos und übertrieben pathetisch, dass man sich wirklich fragt, warum sie in de Born und Jonas eine solche Todesangst hervorrufen.
Schließlich die immer wieder auftauchenden logischen und inhaltlichen Fehler, die selbst mir bei zugegebenermaßen nicht besonders gründlichem Lesen aufgefallen sind. Warum sind Jonas und De Born einmal nur drei Monate, dann aber plötzlich zwei Jahre gemeinsam unterwegs? Wie schafft Jonas es in nur wenigen Wochen, so gut hebräisch zu lernen, dass er in der Lage ist verschlüsselte Texte zu enträtseln? Wieso können die beiden im Galopp durch einen undurchdringlichen, von Unterholz total verwachsenen Wald stürmen? Wie kam die Reisegruppe im Jahr 1317 an Kürbisgemüse als Verpflegung? Fragen über Fragen, und die nach der echten historischen Authentizität traue ich mich gar nicht zu stellen, bin ja schließlich kein Historiker.
Bleibt nur noch die Frage zu beantworten, warum ich dieses Machwerk überhaupt zu Ende gelesen habe. Naja… 1. hat es zum Glück nur knapp 400 Seiten, die sind schnell erledigt. 2. wollte ich meinen Verriss auf eine solide Grundlage stellen und 3. war Jonas mit seinem “Ich will Märtyrer werden!” - “Ach nein, ich will lieber Gralsritter werden!” - “Eigentlich will ich am liebsten Fischer oder Seemann werden!” ja schon irgendwie niedlich.