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Autor Thema: Eiji Yoshikawa - Taiko  (Gelesen 3309 mal)

Thomas_R

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Re: Eiji Yoshikawa - Taiko
« Antwort #15 am: 12. Juli 2006, 12:12:36 »



Ich glaube, dass man gerade japanische Bücher von der Seiten- bzw. Bandanzahl nicht mit ihren europäischen Übersetzungen vergleichen kann. Ich habe eben im Katalog der Stockholmer Stadtbibliothek festgestellt, dass Haruki Muramakis "Naokos Lächeln" im Original 2-bändig und sein "Mr Aufziehvogel" sogar 3-bändig ist. Ich nehme nicht an, dass auch diese Bücher gekürzt, sondern vermute, dass es eine grundsätzliche Eigenschaft japanischer Bücher ist, dicker als ihre Übersetzungen zu sein.


Hallo

Hier habe ich mal ein interessantes Interview gefunden:

http://www.taz.de/pt/2002/03/09/a0148.1/text

Ich denke, das erklärt doch einiges.

Und das ist auch noch ganz witzig:

http://www.junko.de/japname.0.html

Thomas

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:winken:
Gruß
Thomas

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HoldenCaulfield

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Re: Eiji Yoshikawa - Taiko
« Antwort #16 am: 12. Juli 2006, 12:13:50 »

@Saltanah
Ja das stimmt. Das ist in Japan eine übliche veröffentlichungsform.

Dennoch hätte ich gerne eine Vollständige Übersetzung - ich finde sonst kann man es ja auch gleich lassen...
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Doris

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Re: Eiji Yoshikawa - Taiko
« Antwort #17 am: 08. November 2010, 23:21:04 »


Jetzt soll ich mir also eine Rezi aus den Fingern saugen. Leider kann ich die Begeisterung nicht teilen. Taiko erzählt von Japan im 16. Jahrhundert, dessen zweite Hälfte geprägt war von Unruhen im Kampf um die Vorherrschaft. Es geht zum überwiegenden Teil um Krieg, angefangen bei kleinen Scharmützeln bis hin zu Schlachten, in denen mehrere Tausend Menschen sterben. Wie bei einem Umfang von fast 900 Seiten nicht anders zu erwarten, wird fast alles sehr ausführlich beschrieben, selbst die unwichtigsten Nebenfiguren werden namentlich genannt und dürfen ein paar Sätze sprechen. Namen spielen überhaupt eine sehr große Rolle, aber selbst die Personenregister nennen nicht alle Beteiligten. Doch abgesehen von Hideyoshis Kindheit, die allerdings schon recht bald endet, erfährt man wenig Persönliches über die wesentlichen Charaktere. Die Kriege werden sehr detailliert beschrieben, denn Strategie, Kampfkunst, Ruhm und Ehre spielen eine große Rolle, aber welche Wesenszüge die Fürsten und ihre Truppen sonst auszeichneten, und vor allem auf welche Weise sie ihre riesigen Heere unterhielten, wurde nicht angesprochen. Traditionen, Sitten oder Kultur - weitgehend Fehlanzeige.

Die letzten Seiten habe ich mehr oder weniger nur noch überflogen, weil mir irgendwann herzlich egal war, wer nun wen besiegt und vor allem, weil man andernorts lesenswerte Artikel finden kann, die in wenigen Worten über denselben Zeitraum informieren.

3ratten


Für jeden, der das mittelalterliche Japan kennenlernen will, ist diese Buch ein Muss.

Na ja, vielleicht für jeden, der die mittelalterlichen Krieger Japans kennen lernen will. Wer aber mehr von den Menschen erfahren möchte, wird hier enttäuscht sein. Nun weiß ich zwar, dass Hideyoshi ein kluger Mann war, der vieles mit Worten in die richtigen Bahnen leitete, aber über den Menschen hinter dem Kriegsherrn weiß ich nichts.
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Aldawen

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Re: Eiji Yoshikawa - Taiko
« Antwort #18 am: 21. Mai 2011, 22:32:14 »

Inhalt: Ende des 16. Jahrhunderts steht die Macht des Kaisers in Japan nur noch auf dem Papier und auch das Shogunat hat seine Kraft verloren. In den Regionen bekriegen sich Provinzfürsten, die eine Chance zum Aufstieg wittern. Vor allem Zentraljapan wird zum Schauplatz heftiger Auseinandersetzungen. In dieser Atmosphäre wächst Hideyoshi auf, der Sohn eines Samurais. Die Familie ist nicht gerade mit materiellen Gütern gesegnet und Hideyoshi (der zu diesem Zeitpunkt noch nicht so heißt), unternimmt zwar eine ganze Reihe von Anläufen, einen Beruf zu ergreifen und seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, aber nirgends hält es ihn sehr lange. Das ändert sich erst, als er nach Owari kommt. Dort hat Fürst Oda Nobunaga seinen Vater früh beerbt und muß zunächst einmal die Herrschaft über seine kleine Provinz sichern. Zusammen mit erfahrenen Generälen und mit geschickter Politik gelingt es Nobunaga, seinen Herrschaftsbereich kontinuierlich auszudehnen. Einer seiner wichtigsten Verbündeten ist dabei Tokugawa Ieyasu aus Mikawa, der sich in vergleichbarer Lage befindet. Im Kielwasser von Nobunagas Erfolgen steigt auch Hideyoshi auf. Als Nobunaga einer Intrige zum Opfer fällt, schafft es Hideyoshi, seine Gegenspieler um die Macht auszubooten, denn inzwischen hat er längst selbst den Ehrgeiz, das Land zu regieren.


Meine Meinung: Die Kindheit und Jugend Hideyoshis fand ich noch ganz interessant, aber spätestens mit seinem Eintritt in Nobunagas Armee wandelt sich das Bild. Der lange Mittelteil besteht vorwiegend aus: ein Heer wird ausgehoben, das Heer zieht von X nach Y, es gibt ein Scharmützel, es gibt eine Schlacht, es wird ein Bodycount aufgestellt, man zieht weiter oder zurück nach Hause. Dazwischen wird vielleicht mal ein bißchen intrigiert oder Tee getrunken, aber damit erschöpft es sich dann auch. Das fand ich angesichts des Gesamtumfangs doch eher ermüdend. Ich wage mir unter diesen Umständen gar nicht vorzustellen, wie sich das Ganze in der ungekürzten Fassung wohl lesen muß ...

Etwas spannender wurde es erst wieder zum Ende, als Hideyoshi mit ein paar klugen Schachzügen die Macht für sich sichert. Allerdings muß ich zugeben, daß ich Ieyasus Handlungen nicht ganz nachvollziehen konnte, und auch nicht, wieso er mit Hideyoshi und Nobunaga in einem Atemzug genannt wird, wenn es um die Reichseinigung geht. Dieser Roman konnte mir jedenfalls dafür keinen Grund vermitteln. Aber Ieyasu ist bei weitem nicht der einzige Charakter, der hier sehr blaß bleibt, letztlich gilt das für alle. In einer derart durchreglementierten Gesellschaft ist Individualität natürlich auch nicht gerade ein erstrebenswertes Ziel, aber deshalb müssen doch in einem Roman nicht nur Marionetten herumlaufen. Eines meiner größten Probleme mit den Personen war aber schlicht, daß ich Mühe hatte, sie auseinanderzuhalten. Das hat natürlich auch mit den ungewohnten japanischen und zum Teil einander doch recht ähnlichen Namen zu tun, aber angesichts der Vielzahl von Figuren hätten die Familien vermutlich auch Müller, Meier, Schulze heißen können, ohne daß es mir den Überblick wesentlich erleichtert hätte.

Erfreulicherweise hat der Verlag im Einband eine Karte mit den Provinzen spendiert, die leider nicht den gesamten im Roman angesprochenen geographischen Raum abdeckt. Zudem hatte ich manches Mal das Gefühl, daß die Grenzen, so wie sie im Roman genannt wurden, nicht mit der Karte übereinstimmten. Und auch für die Entfernungen fehlt mir jegliches Gespür, manche Heeresbewegungen schienen mir doch extrem schnell. Auch ist es löblich, daß vorne eine Übersicht über die traditionelle japanische Zwölf-Stunden-Uhr abgedruckt wurde, nur schade, daß man offensichtlich Tag und Nacht vertauscht hat, so jedenfalls passen die Stundenbezeichnungen nicht zu dem, was man im Text liest, aber dafür kann der Roman schließlich nichts. Zumindest habe ich jetzt einen Eindruck von den Wirren im Japan jener Zeit, dafür und wegen des ganz interessanten Beginns:

 2ratten

Schönen Gruß
Aldawen
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Kinywa ni jumba la maneno.
Der Mund ist der Palast der Worte. – Sprichwort aus Ostafrika