Eines vorweg: Ich kann hier nur knapp zwei Drittel des Buches rezensieren, denke aber, nicht allzu viel verpasst zu haben. Wenn man die Sätze einzeln betrachtet, strahlen sie Eleganz aus, mit einem Ansatz von Lyrik, Poesie. Aneinandergereiht ähneln sie jedoch einem überlangen Schlaflied, und das mit gewaltiger Wirkung. Die ersten 80 Seiten las ich innerhalb fünf Tagen, wobei ich regelmäßig von einer Müdigkeit erfasst wurde, die ich kaum der Frühjahrsluft zurechnen konnte. Rückblickend versuchte ich mich zu erinnern, was ich denn nun gelesen hatte, fand jedoch nichts solides und somit fing ich nochmals von vorne an mit dem Vorsatz, mich diesmal zusammenzureißen – immerhin lag bereits ein gutes Viertel des Buches hinter mir - aber tatsächlich: da war nichts!
Nun, worum handelt dieses Buch? Schwierig, diese handlungslastigen Sätze herauszufiltern, es waren deren vielleicht ganze zehn. Die restlichen Absätze könnte man der Rubrik ‚Geschwafel’ zuordnen.
Der Krieg ist vorüber, die Besatzung einer verminten Villa in Italien, die als Lazerett umfunktioniert wurde, zieht ab und übrig bleibt die Krankenschwester Hana, um den ‚englischen Patienten’ zu pflegen. Dieser hat in der Wüste eine Bruchlandung hingelegt, trägt eine Ganzkörperverbrennung, die es ihm unmöglich macht, verlegt zu werden und liegt nun im Bett und erzählt wirres Zeug über die Erlebnisse in der Wüste, von seiner Expedition auf der Suche nach Atlantis – in diesem Falle eine Oase namens Zarzura. Nach gewisser Zeit gesellen sich Caravaggio, ein 40jähriger Dieb und der 26jährige Kip, Minenentschärfer. Es entsteht eine ‚ménage à trois’, wobei alle drei Männer gewisse Zuneigung zur einzigen Frau weit und breit zeigen.
Da das Gesicht des ‚englischen Patienten’ von Unkenntlichkeit gezeichnet ist, bleibt nur sein Intellekt übrig, um Hana zu faszinieren. Ja, sie deutet gar an, ihn zu lieben – eine Parabel vom ‚buckligen Glöckner’ – lässt es sich aber nicht nehmen, Ihrer angeblich großen Liebe Hörner aufzusetzen, wenn sie Kip im Nebenzimmer vögelt. (… und mich würde es nicht wundern, wenn sie Caravaggio auch rangenommen hätte – Ansätze waren schon vorhanden)
Und da bleibt immer noch die Identität des ‚englischen Patienten’:
Nachdem klar wurde, dass er deutscher Spion ist, habe ich auf einen Satz gewartet (Aussage des Buches?), der dann auch tatsächlich aufgetreten ist. Hanas Vater und Bruder sterben im Krieg, quasi ihre gesamte Familie ausgelöscht und nachdem ihr gesagt wird, dort liege der Feind, meint sie in ihrer kindlichen Naivität: „Nach dem Krieg gibt es keine Feinde.“ Das war dann auch der Zeitpunkt, das Buch zu schließen, auf solche Weisheiten möchte ich gerne verzichten.
Ondaatje beschreibt hier die große Langeweile und er lässt den Leser an dieser teilhaben. Er fügt seinem Buch sogar eine Anleitung bei, wie man diese Langeweile richtig auskosten kann:
„Lesen sie ihn langsam […]. Achten sie genau darauf, wo die Kommas hinkommen, damit sie die natürlichen Pausen herausfinden. Er ist ein Schriftsteller, der Tinte und Papier benutzt hat. Vermutlich hat er recht oft von einer Seite aufgeschaut […] Denken sie an die Geschwindigkeit seiner Feder.Niemand ist im Buch vorhanden, der den Ton zu ändern vermag. Ebenmäßig erzählt im Rhythmus eines tropfenden Wasserhahns, und genauso lästig.
Fazit: Wem Spieluhren zu kindisch sind und sich beim ‚Schafe zählen’ ständig verzettelt, dem empfehle ich dieses Buch. 15 Seiten und ein angenehmer Schlaf ist garantiert.

für einige der gelungenen Sätze
Gruß,
dumbler