Hallo dumbler,
Also kann ich jeden Text, der diese Kriterien zumindest teilweise erfüllt, als Kurzgeschichte einordnen. Novellen besitzen ebenso diese Eigenschaften - kann man also folgende Formel aufstellen: Kurzgeschichte = Erzählung = Novelle ?
Ist es demnach egal, wie es genannt wird, da diese Begriffe eh das gleiche aussagen?
Ich habe die Kurzgeschichte mal in einem anderen Thread grob definiert:
Die Kurzgeschichte ist entsprechend sehr kurz (um die 10 Seiten, oft darunter), strukturiert sich um ein zentrales Ereignis, das aus heiterem Himmel in eine alltägliche Situation einbricht und den Figuren keine Chance zu einer inneren Entwicklung gibt. Sie sind konfrontiert mit diesem Ereignis und innerhalb der Geschichte keine ausdifferenzierten Charaktere, sondern eher Funktionsträger (zum Fortgang der Geschichte) oder Beobachter. Kurzgeschichten sind auf den Zeitpunkt des Ereignisses konzentriert und enden mit diesem, thematisieren also wenig die weitergehenden Entwicklungen der Handelnden. Es gibt eine Nähe zu journalistischen Kurzformen. Viele Kurzgeschichten wurden ursprünglich auch in (Tages)Zeitungen veröffentlicht.
"Erzählung" ist in der Wissenschaft und der Praxis eigentlich das Paasepartout für alles, was man nicht Roman nennen will, aber nicht in einem klarer definierten Begriff wie etwa dem der "Novelle" unterkriegt.
Die Novelle zeichnet sich durch noch etwas mehr als die Dingsymbolik des "Falken" aus, der so heißt, weil die Novelle auf das Decameron zurückgeht. In einer von Bocaccios Novellen ist das novellentypische Dingsymbol eben ein Falke.
Der ist aber unabhängig vom Wendepunkt, der in einer Novelle auch immer vorhanden ist und an dem der einzelne Handlungsstrang, der in der Novelle Thema ist, "kippt", wie sandhofer sagt.
Die Novelle stützt sich auch auf eine "unerhörte" (also: neue, deshalb "Novelle") Begebenheit, die anders als bei der Kurzgeschichte, seltener das krisenhafte Ereignis im Leben eines Individuums ist. Novellen sind also exemplarischer.
"Prosa" ist, wie HoldenCaulfield schon erklärt hat, alles, was in nicht gebundener Sprache geschrieben ist.
Und ein "Essay" ist ein feuilletonistischer Sachtext, der anders als ein wissenschaftlicher Text seinen Thesen nicht belegt, sondern sie eher hin- und herwendet, wenn du so willst, frei zu ihnen assoziiert. Darum heißt er "Essay", also "Versuch". Es ist der Versuch sich einem bestimmten Sachthema zu nähern, ohne wissenschaftliche Rigorosität einzuhalten.
Herzlich, B.