Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.

E-Mail: Passwort:

Autor Thema: Haruki Murakami - Kafka am Strand  (Gelesen 4457 mal)

Juggalette

  • Tiefseeltaucherin
  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 2150
  • Na terra onde fores viver, faz como vires fazer.
Re: Haruki Murakami - Kafka am Strand
« Antwort #30 am: 27. Februar 2011, 19:44:38 »

„Kafka am Strand“ – mein erster Murakami und bestimmt nicht mein letzter!  :zwinker:

Von der ersten bis (fast) zur letzten Seite hat mich dieses Buch begeistert. Ich liebe die Art und Weise wie Murakami seine Worte wählt und sich ausdrückt. Öfters kamen mir Zitate unter, die ich sofort unterstreichen  musste, weil sie für mich so viele einfache Lebensweisheiten beinhalten und einfach  nur perfekt den Nagel auf den Kopf treffen.

Auch die Charaktere fand ich durch und durch sehr gelungen. Vor allem Nakata konnte mein Herz  im Sturm gewinnen. Ich konnte ihn mir so wunderbar vorstellen, wie er da steht, seine Mütze knetend in der Hand hält und immer überaus höflich und einfach über die Dinge spricht, die ihn beschäftigen  und wichtig sind.

Die Geschichte selber hat mich viel rätseln lassen. Zu Beginn begriff ich noch überhaupt nichts und war einfach nur fasziniert über die Welt, die mir geboten wurde und gespannt, wie es weitergehen würde. Man wird auf eine Reise geschickt, gemeinsam mit Kafka Tamura und gemeinsam mit Nakata. Viele seltsame Dinge geschehen, die man sich nicht erklären kann und so wird Seite um Seite Spannung aufgebaut. Meine anfängliche Begeisterung hat sich dann auch fast durchgehend – beinahe bis zum Schluss – gehalten.

Und da wären wir nun: bei meinem  einzigen und leider auch zeitgleich größten Kritikpunkt - das Ende selber bzw. wie Murakami Handlungsstränge enden (oder auch nicht enden) lässt.  :sauer:
~ Den Handlungsstrang über Johnny Walker z.B. fand ich viel zu abrupt beendet. Da geht Nakata durch die Hölle, damit der Typ seinen „Plan“ endlich vollenden kann, der Leser will wissen, wie dieser nun konkret aussieht und vor allem was er damit bezwecken will und dann…nun, ja…für meinen Geschmack ging das total daneben.
~ Und was zum Teufel war dieses Ding, das sich Colonel Sanders genannt hat?
~ Das Ende fand ich etwas seltsam und so ganz „befriedigt“ war ich über den Ausgang der Geschichte auch nicht. Da wird hunderte von Seiten lang auf diesen Punkt hingearbeitet und kaum ist man dort – einmal in die Hände geklatscht – und vorbei ist es, das war’s also,… aha!

Doch trotz einem fehlenden „guten“ Ende hat mich Kafka am Strand total begeistert und somit ziehe ich „nur“ eine halbe Ratte ab.

 4ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:
« Letzte Änderung: 27. Februar 2011, 19:46:36 von Juggalette »
Gespeichert
:leser:
Philip Pullman - Der goldene Kompass
Arthur Conan Doyle - Die Abenteuer des Sherlock Holmes

SuB: 238

MacOss

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Männlich
  • Beiträge: 1708
Re: Haruki Murakami - Kafka am Strand
« Antwort #31 am: 24. Januar 2012, 13:45:54 »

Ich lese das Buch gerade und muss sagen, dass es mir bislang (nach knapp zwei Dritteln) ausgesprochen gut gefällt. Gerade diese ständige Ungewissheit, was gerade tatsächlich passiert und was Phantsasie, Traum oder Einbildung ist, macht das Buch spannend. Oder Figuren wie Johnny Walker oder Colonel Sanders, die auftauchen und erst mal keinen Sinn zu ergeben scheinen, und ich mich frage: War der nun echt oder nicht? Und dann die beiden Handlungsstränge um Kafka und Nakata, die sich offenbar langsam aufeinander zu bewegen und von denen ich ahne, dass sie was miteinander zu tun haben müssen. Ganz toll gemacht.

Laut lachen musste ich heute früh in der S-Bahn, als ich bei der philosophierenden Prostituierten angelangt war, die von Hegels Begriff des "Selbstbewusstseins" doziert, während sie sich um Hoshino "kümmert". :breitgrins: Und Deinen Hinweis von neulich mit dem Regen verstehe ich jetzt auch, Holden. :zwinker: Ich werde künftig nie mehr ohne Regenschirm das Haus verlassen. :breitgrins:
Gespeichert
Auf zu neuen Ufern! :smile:

HoldenCaulfield

  • Käferprinzessin
  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 11735
Re: Haruki Murakami - Kafka am Strand
« Antwort #32 am: 24. Januar 2012, 14:21:18 »

@MacOss
:breitgrins: Schön das Dir der Roman gefällt! Ich persönlich hab ja schon ewig vor den Roman mal wieder zu lesen. Irgendwann komm ich dann sicher mal dazu.
Gespeichert
Seltsam im Nebel zu wandern.... H.Hesse

"[...] wir sind hier alle verrückt. Ich bin verrückt, du bist verrückt" *L.Carroll*

Mein Interview mit Gail Carriger :elch:
Sonnenschirm

tári

  • Fantastin
  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 337
    • Portfolio
Re: Haruki Murakami - Kafka am Strand
« Antwort #33 am: 24. Januar 2012, 14:27:44 »

"Kafka am Strand" war meine erste Begegnung mit Haruki Murakami und ich bin ihm seither treu geblieben. Gekauft habe ich es damals eigentlich nur, weil mir der Autor zumindest ein Begriff war, und weil mir das grüne Cover mit dem Katzenauge so gut gefallen hat.

Dass sich das Buch schlussendlich zu einem meiner mindestens Top 20 - Bücher mausert, hätte ich zu anfangs wirklich nicht gedacht.
Ich mag den Stil und die Sprache von Murakami sehr gerne, und finde es schade, dass ich wahrscheinlich nie ins japanischen Original reinlesen werde können. Die englische Übersetzung würde mich auch einmal interesserieren, aber da ich beim Lesen keinen Vergleich hatte, kann ich hier gar keine Kritikpunkte anführen, oder sagen, dass die eine besser wäre als die andere.

Dass der Inhalt des Buches nicht immer eindeutig ist, und dem Leser nicht so ganz klar wird, was echt ist und was nicht, hat mir besonders gut gefallen. Und meiner Meinung nach muss und sollte man das auch gar nicht so genau trennen können, denn es macht einen wesentlichen Faktor des Buches aus. Man muss das aber generell mögen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die auch nicht so gerne Filme schauen, die mit der Realität und der Phantasie spielen, dann auch mit Murakami nicht ihre besondere Freude haben (oder umgekehrt).
Gespeichert
"When I was young, I invented an invisible friend called Mr Ravioli. My psychiatrist says I don't need him anymore, so he just sits in the corner and reads." Max Horovitz

“Every atom in your body came from a star that exploded. And, the atoms in your left hand probably came from a different star than your right hand. It really is the most poetic thing I know about physics: You are all stardust." Lawrence Krauss

tina

  • Hardcover-Fetischist und LukeDanesDADAistin
  • Mitglied
  • Online Online
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 3283
Re: Haruki Murakami - Kafka am Strand
« Antwort #34 am: 25. Januar 2012, 20:45:49 »

Es sieht wohl so aus, als müsste ich auch langsam mal beginnen, das Buch zu lesen. Würde ja gut zur nächsten Monatsrunde passen, aber ich habe soviele Leserunden.  :rollen: Es ist auf jedenfall, dank Eurer Beiträge auf meiner "Muss-ich.bald-lesen-Liste" ganz nach oben gerutscht.  :smile:

Viele Grüße Tina
Gespeichert
Ein Optimist ist ein Mensch, der weiß, wie kompliziert die Welt sein kann - ein Pessimist entdeckt das jeden Morgen aufs neue
Sir Peter Ustinov

 :buecherstapel: Mein SUB

:leser:
Erenst Cline - Ready Player One
Doris Lessing - Und wieder die Liebe

Yvaine

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 360
Re: Haruki Murakami - Kafka am Strand
« Antwort #35 am: 09. Mai 2012, 09:18:03 »

@ Yvaine
Kafka am Strand ist auch mein absoluter Murakami-Favorit. Mein erster Murakami war "Naokos Lächeln", auch ein wirklich tolles Buch. Mein zweiter Favorit ;) Aber "Gefährliche Geliebte" war auch super. "Sputnik Sweetheart" fand ich auch gut.
"Mr. Aufziehvogel" hab ich leider noch nicht gelesen, habe es aber hier liegen, genauso wie "Dance dance dance" und "Hard-Boiled Wonderland...". Wenn du Mr. Aufziehvogel liest, würde mich deine Meinung interessieren, ich werde es auch auf jeden Fall noch lesen.
Was mir gar nicht gefallen hat ist "Wilde Schafsjagd". Fand ich zu abgedreht, obwohl ich Murakami wohl zu einem meiner liebsten Schriftsteller zähle.

.. lange hats gedauert aber kürzlich hab ich "Mr. Aufziehvogel" gelesen und auch ein bisschen was darüber geschrieben --> Hier gehts lang  :smile:
Gespeichert
„Von den Sternen kommen wir, zu den Sternen gehen wir.
Das Leben ist nur eine Reise in die Fremde.“

Friedi

  • Newbie
  • Offline Offline
  • Beiträge: 9
    • Vitrinenglas
Re: Haruki Murakami - Kafka am Strand
« Antwort #36 am: 10. Mai 2012, 20:15:42 »

Ich habe mir das Buch gestern bei Amazon bestellt :)
Bin wirklich gespannt wie der Autor so schreibt, da ich bisher noch nichts von Murakami gelesen habe (kürzlich nur von einigen Bekannten gehört, dass die Bücher wohl recht gut sein sollen). Ich denke, dass ich nach der Lektüre eine Rezension über den Roman schreiben werde...
Gespeichert

Friedi

  • Newbie
  • Offline Offline
  • Beiträge: 9
    • Vitrinenglas
Re: Haruki Murakami - Kafka am Strand
« Antwort #37 am: 21. Mai 2012, 21:53:37 »

so, kleine Rezension:

Haruki Murakami verführt den Leser in “Kafka am Strand” in eine fantastische Geschichte, die zum Nachdenken anregt.

Der Jugendliche Kafka Tamura reißt in der Nacht auf seinen fünfzehnten Geburtstag von zuhause aus und fährt in das Städtchen Takamatsu, in der er nach kurzer Zeit in der hiesigen Bibliothek leben kann, die er zuvor schon täglich besucht hat.
Der Grund seines Ausrisses ist vorerst unklar, der Leser weiß zu Beginn nur, dass es etwas mit einer Prophezeiung zu tun hat, die (wie im späteren Verlauf klar wird) stark der von Ödipus ähnelt (er solle seinen Vater umbringen und mit seiner Mutter (sowie seiner Schwester) schlafen).

In “Kafka am Strand” gibt es jedoch noch einen weiteren Erzählstrang, den des “dumm-gewordenen” Nakata, der mit Katzen sprechen kann und sich daher auf das wiederfinden verlorengegangener Katzen spezialisiert hat um seine Sozialhilfe aufzubessern. Nakata ist in jeglicher Hinsicht merkwürdig, erst recht nachdem er scheinbar Kafkas Vater, den “Katzenfänger”, der sich selbst “Johnny Walker” nennt, auf dessen Forderung umbringt und durch “Gedankenkraft” Makrelen und Blutegel regnen lassen kann.

Im Verlauf der Geschichte fließen beide Erzählstränge, die zu Beginn ohne eine gemeinsame Verbindung scheinen, zu einem zusammen und ziehen den Leser in eine fantastische Welt, die im wirklichen Leben nie realisierbar wäre. Hierbei stellt sich der Leser des Romans die Frage, ob Tamura und Nakata nicht doch vielleicht ein und die selbe Person sind.
Der Charakter des Kafka Tamura, scheinbar prädestiniert für die Ödipus-Ähnliche Prophezeiung, verliebt sich nach Bekanntschaft mit dem Hermaphroditen Oshima in dessen Chefin/ihren Geist als fünfzehnjährige, die Bibliotheksverwalterin Saeki, bzw. in die Person die er für seine Mutter hält. Ob er dies tut, nur damit die Prophezeiung eintritt ist unklar.
Der alte Mann Nakata folgt nach dem Mord an “Johnny Walker” seinem Instinkt nach Takamatsu. Sein einziger Wunsch ist es, einmal in seinem Leben ein ganz normaler Mann zu sein der lesen, schreiben und richtig denken kann, hierfür tut er die merkwürdigsten Dinge ohne ernsthaft darüber nachzudenken.

Der japanische Autor Haruki Murakami ist für seine westlich orientierten Romane bekannt, die vor allem auf sehr viele intertextuelle Bezüge hinweisen. Auch in “Kafka am Strand” findet der Leser diese intertextuellen Hintergründe, wie zum Beispiel den Mythos von Sophokles’ König Ödipus, diverse Anspielungen auf Platons und Aristoteles’ Werke und Philosophien sowie auch zu neuerer Literatur. Der Autor fasziniert in seinem Schreibstil vor allem durch die einfachen Erklärungen schwierigerer Sachverhalte und schafft so aus seinem Roman eine zur Philosophie gewordenen Hommage.
Jedes Kapitel an sich regt schon zum Nachdenken an, besonders durch die eigenartigen Handlungen, Gedanken und Erlebnisse der Charaktere. Das was demnächst eher unscheinbar und willkürlich erdacht scheint, ist überall gewollt kalkuliert und hängt in einem engeren Sinn zusammen, es steht eben doch zwischen allem ein Verhältnis. Die Charaktere wandeln zwischen Traum und Wirklichkeit, Ebenen vergleichbar mit den Erzählungen des Romantikers E.T.A. Hoffmann…zwar scheint alles in der Wirklichkeit zu spielen, dennoch passieren die unglaublichsten und unbeschreiblichsten Dinge, die im wahren Leben einfach nie passieren könnten.
Das Buch ist ein wunderbares Beispiel für fantastische Gegenwartsliteratur.
Gespeichert